Symbolbild Schweinfurt
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Azubimangel gefährdet Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft

187 Verträge weniger als im Vorjahr

Die mainfränkischen IHK-Unternehmen haben im Jahr 2014 insgesamt 3.830 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Minus von 187 Verträgen (4,7 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Die Teilnehmerzahlen an IHK-Weiterbildungen befinden sich hingegen auf einem Höchststand.

Zahl der Schulabgänger sinkt

„Die Entwicklung der beiden Vorjahre auf dem Ausbildungsmarkt hat sich fortgesetzt.“, so Max-Martin W. Deinhard, IHK-Bereichsleiter Berufsausbildung, bei der Vorstellung des jüngsten IHK-Bildungsreportes. Bereits seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Schulabgänger in der Region deutlich. 2010 etwa waren noch 4.201 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Hinzu kommt, dass immer mehr Jugendliche eine weiterführende Schule besuchen oder ein Hochschulstudium aufnehmen wollen. Der Bewerbermarkt schrumpft also zusehends. Daher können einige Unternehmen schon längst nicht mehr alle Ausbildungsstellen adäquat besetzen.

Nicht jeder Abiturient im Studium gut aufgehoben

Nur weil die mainfränkischen Unternehmen in den vergangenen Jahren ihr Ausbildungsengagement gesteigert haben, würden die Ausbildungszahlen trotz rückläufiger Schülerzahlen noch auf einem hohen Niveau liegen. „Jeder junge Mensch sollte sich seinen Talenten und Fähigkeiten entsprechend entfalten, aber nicht jeder Abiturient ist in einem Studium gut aufgehoben.“, so Deinhard. Das zeigten die zum Teil hohen Abbruchquoten an den Hochschulen. Auch würden künftig weitaus mehr Facharbeiter als Akademiker fehlen. „Dieser Fachkräftemangel ist eine Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Daher sehen wir den ungebrochenen Akademisierungstrend höchst kritisch.“, so Deinhard.

Allianz für Aus- und Weiterbildung geschlossen

Auch um dieser Entwicklung bundesweit zu begegnen, haben Wirtschaft, Gewerkschaften, Bund und Länder ihr gemeinsames Engagement für die Berufliche Bildung gestärkt. Sie haben am 12. Dezember 2014 die bundesweite Allianz für Aus- und Weiterbildung in Berlin als Fortsetzung des 2004 abgeschlossenen „Pakt für Ausbildung“ ins Leben gerufen. „Die neue Allianz will die Bedeutung der beruflichen Aus- und Weiterbildung stärken“, erklärt Jürgen Bode, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, „denn wir können es uns nicht leisten, dass uns potenzielle Fachkräfte verloren gehen.“ Die Allianz will jedem jungen Menschen eine Chance zur betrieblichen Ausbildung geben, Jugendliche besser auf Beruf und Arbeitswelt vorbereiten, Attraktivität und Qualität der Berufsausbildung verbessern und die berufliche Weiterbildung fördern.

Fachkräftesicherung als ganzheitliche Aufgabe

Vor Ort wirbt die mainfränkische IHK für die duale Berufsausbildung und unterstützt Unternehmen bei der Heranbildung des Fachkräftenachwuchses. Die Förderung beginnt bereits bei den ganz Kleinen mit der Initiative „Haus der Kleinen Forscher“ im vorschulischen Bereich und setzt sich bis zu Weiterbildungsmaßnahmen fort. Das bayernweite Kooperationsprojekt „DIREKT – Brücke Studium-Wirtschaft“ der Universität Würzburg mit der mainfränkischen Wirtschaftskammer und dem Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Würzburg bietet beispielsweise Studenten der Geisteswissenschaften durch eine betriebswirtschaftliche Zusatzqualifikation sowie Praktika in Unternehmen bessere Chancen auf einen Berufseinstieg.

Berufliche Weiterbildung boomt

Berufliche Weiterbildung liegt laut IHK mehr denn je im Trend. Die Wirtschaftskammer verzeichnete mit 6.528 Teilnehmern an Weiterbildungsmaßnahmen einen neuen Höchststand (Vorjahr 6.500). Die meisten der 2.537 IHK-Prüfungen wurden in den Weiterbildungsgängen „Ausbildung der Ausbilder (IHK)”, “Handelsfachwirt (IHK)”, Industriemeister Metall (IHK)” und “Wirtschaftsfachwirt (IHK)” abgelegt. „Die Einbindung digitaler Inhalte in das Lehrgangsangebot – das sogenannte Blended-Learning – ist dabei seit einigen Jahren ein wichtiger Erfolgsfaktor für die individuelle Lerngestaltung.“, so Udo Albert, IHK-Bereichsleiter Anpassungsweiterbildung.

Direkter Vergleich beruflicher Abschlüsse

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ermöglicht seit dem Jahr 2014 einen direkten Vergleich beruflicher Abschlüsse der Aus- und Weiterbildung mit akademischen Graden. Das entsprechende Qualifikationsniveau wird in den IHK-Abschlusszeugnissen aufgeführt. Das führt zu mehr Transparenz und wertet die beruflichen Abschlüsse sichtbar auf. Exzellente Leistungen in der Berufsausbildung werden zudem durch die Vergabe von Weiterbildungsstipendien honoriert. Insgesamt 48 Stipendiaten wurden 2014 mit 229.000 Euro Fördergelder der „Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung“ unterstützt.

Neuberufung der IHK-Prüfungsausschüsse

In den IHK-Prüfungsausschüssen der Aus- und Weiterbildung sichern ehrenamtliche Fachleute die Qualität der IHK-Prüfungen. Ihr ehrenamtliches Engagement ist eine tragende Säule der beruflichen Bildung. Zum 31. Oktober 2014 endete die fünfjährige Prüferperiode. Insgesamt wurden 3.836 Prüfer in 421 Prüfungsausschüssen neu berufen. Diese leisten pro Jahr rund 68.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der IHK Würzburg-Schweinfurt.

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