Symbolbild Würzburg
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Bis ans Lebensende? – Ehe-Irrtümer auf dem Prüfstand

Bis ans Lebensende? – Ehe-Irrtümer auf dem Prüfstand

Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden – das sind aktuell fast 170.000 Ehen pro Jahr. Der Scheidungsbeschluss beendet eine in der Regel langwierige Auseinandersetzung, oftmals verbunden mit einem Rosenkrieg und Streit um die Kinder. Häufige Irrtümer sorgen im Vorfeld der gerichtlichen Auseinandersetzung für Unsicherheiten und Konfliktpotential. Die größten Irrtümer finden Sie in unserem Überblick. Dr. Michelle Küster, Fachanwältin für Familienrecht bei unserem Partner der Kanzlei “Bendel & Partner”, gibt Auskunft:.

Irrtum Nr. 1: „Wenn mein Ehegatte Schulden macht, hafte ich dafür mit“

Der Güterstand der Gütergemeinschaft ist heute praktisch ausgestorben. In den meisten Fällen der Ehe – nämlich denen ohne gesonderte Vereinbarung – handelt es sich um eine Zugewinngemeinschaft und jeder Ehegatte bleibt Herr seines Vermögens. Anderes gilt nur für gemeinschaftlich abgeschlossene Verträge oder gemeinsame Konten. Schulden des Ehegatten sollten daher nicht voreilig gezahlt werden! Im Zweifelsfalle hilft eine Beratung beim Rechtsanwalt. Dies gilt auch, wenn Ihr Ehegatte sein ganzes Vermögen verschleudert, um Ihnen zu schaden.

Irrtum Nr. 2: „Wenn ich das Sorgerecht erstreite, gehen den Ehegatten die Kinder nichts mehr an“

Ein „aus den Augen aus dem Sinn“ betreffend den anderen Elternteil ist in den Augen der meisten Familienrichter wenig förderlich. Ganz im Gegenteil kann eine Entfremdung der Kinder vom getrenntlebenden Ehegatten Ihnen erhebliche Probleme im Sorgerechtsprozess bis hin zum Entzug der elterlichen Sorge einhandeln. Auch im Falle der Sorgerechtsübertragung auf ein Elternteil ist der andere weiterhin über die Belange der Kinder zu informieren und ihm angemessener Umgang zu gewähren. In Fällen, in denen der Kontakt zum anderen Elternteil den Kindern ernsthaft schadet, lassen Sie sich unbedingt zunächst vom Jugendamt und im Idealfall parallel vom Anwalt beraten.

Irrtum Nr. 3: „Ich war nur kurz verheiratet – und will jetzt eine genauso schnelle Scheidung!“

Eine „Blitzscheidung“ für Kurzehen gibt es nicht. Voraussetzung für die Scheidung ist stets die Einhaltung des „Trennungsjahres“ und ein Antrag zumindest eines Ehepartners auf Ehescheidung. Trennung bedeutet dabei „Trennung von Tisch und Bett“ – die Haushalte beider Ehegatten müssen komplett getrennt geführt werden. Das funktioniert eindeutig durch den Auszug eines Ehegatten, beispielsweise in eine eigene Wohnung oder zum neuen Partner. Das Getrenntleben in einer gemeinsamen Wohnung wird nur unter bestimmten Voraussetzungen anerkannt. Lassen Sie sich gleich im Fall der Trennung beraten, wie Sie das Trennungsjahr am besten zur Orientierung nutzen. Das Gesetz sieht für Extremfälle der Unzumutbarkeit schnellere Scheidung vor. Ob dies in ihrem Fall einschlägig ist, sollten Sie mit Ihrem Anwalt besprechen.

Irrtum Nr. 4: „Wenn ich die Scheidung eingereicht habe, regelt alles Weitere das Gericht“

Das Gericht kümmert sich um Ihre Scheidung und den Versorgungsausgleich. Mehr ist „von Amts wegen“ nicht vom Scheidungsrichter zu erledigen. Wenn Sie dennoch Probleme wegen gemeinsamen Vermögens, Unterhalt, Zugewinn oder wegen des Sorgerechts haben, muss Ihr Anwalt entsprechende Anträge gesondert bei Gericht einreichen. Welche Anträge für Sie wichtig sind, entscheiden Sie am besten zusammen mit ihm.

Irrtum Nr. 5: „Ich lasse eine Online-Scheidung durchführen. Das ist billiger und bequemer“

Für Sie selbst ist an der „Online-Scheidung“ allenfalls bequem, dass Sie betreffend Ihre eigene Scheidung keinerlei Ahnung haben, welches Fallen-Potential darin steckt. Die entdeckt auch ein fachlich versierter Fachanwalt für Familienrecht nur, wenn er die Chance bekommt, Ihnen zumindest ein paar Fragen zu stellen. Nur so erfahren Sie auch, wie Ihre Scheidung abläuft – und Sie begegnen in Ihrem Scheidungstermin keinem völlig fremden Menschen, der Sie vor Ort vertreten soll. Die Scheidung beim Anwalt vor Ort verursacht nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz übrigens dieselben Kosten wie eine Beauftragung im Internet – für Terminsvertreter beim Online-Anwalt in einer fremden Stadt können sogar zusätzliche Kosten anfallen.

Unser Partner “Bendel & Partner”

Bendel & Partner ist eine der führenden Kanzleien für Wirtschaftsrecht in Franken. Ein Team von 30 Rechtsanwälten und insgesamt nahezu 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Büros in Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg berät kleine, mittelständische und große Unternehmen sowie Privatpersonen bundesweit in allen Fragen des Wirtschaftsrechts. Schwestergesellschaft der Rechtsanwaltskanzlei ist die Bendel Insolvenzverwaltung AG.

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