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Symbolbild Schweinfurt
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Für mehr Geld und Personal: H&M-Filiale im Streik

Nur drei Angestellte im Laden

Mitarbeiterinnen der H&M-Filiale streikten am Samstag in Schweinfurt für bessere Arbeitsbedingungen. Zu dem ganztätigen Streik rief laut Angaben der Main-Post Ver.di die Beschäftigten am Samstag auf. Von insgesamt 70 Mitarbeitern sollten 26 am Samstag arbeiten. Nur drei Angestellte standen am Samstag im Laden – unter enormen Stress.

„Streikbrecher geh’n so“

Für mehr Geld und mehr Personal tanzten die Mitarbeiterinnen singend vor dem Geschäft: „So gehen Streikbrecher, Streikbrecher geh‘n so . . .“ Auf Verzögerungen beim Einkauf wies die Geschäftsleitung auf Plakaten hin mit der Begründung, dass die Mitarbeiter ihr Streikrecht wahrnehmen würden. Mit dem Streik der Schweinfurter Filiale unterstützen die Mitarbeiter ihre Kollegen in Würzburg, die bereits seit Freitag streikten.

 „Die Leute wissen, was ihre Arbeit wert ist.“

Ver.di-Sekretär Peter König zeigte sich begeistert: „Die Leute wissen, was ihre Arbeit wert ist.“ Sieben neue Mitglieder habe er am vergangenen Samstag dadurch gewonnen, so König. 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert die Verdiente Dienstleistungsgesellschaft für die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel. Um 70 Euro sollen außerdem die Ausbildungsvergütungen erhöht werden.

Rentenbeträge

„H&M ist einer der bestgehendsten Textilhändler Deutschlands und macht jährlich Millionenumsätze, von Quartal zu Quartal steigend. “Die könnten es sich auch leisten, auf andere Arbeitgeber einzuwirken“, so König. Dabei geht es ihm nicht nur um eine Lohnaufbesserung für die Beschäftigten, sondern auch um spätere Rentenbeträge. “Wenn heute nur noch Mindestlohn gezahlt wird, welche Beträge landen dann eigentlich in den Rentenkassen?“, fragt er.

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Bessere Arbeitsbedingungen

Die streikenden H&M-Mitarbeiter forderten nicht nur Lohngerechtigkeit, sie streiken auch für bessere Arbeitsbedingungen. „Chronisch unterbesetzt“ sei das Personal in der Filiale, so eine Streikende. In zwei Schichten von 7 bis 16 und von 10 bis 19.20 Uhr müssten Waren angenommen, aufbereitet, Neuware gesichtet, Kunden beraten und bedient werden. Eine Betriebsrätin erklärt, dass ihr beides gleich wichtig sei: Geld und Arbeitsbedingungen, denn „mehr Geld in der Tasche nützt nichts, wenn man körperlich vor die Hunde geht.“ Der Krankenstand, erzählt sie, werde immer höher.

„Kannibalisierungskampf“

König ist der Ansicht, wenn sich der Arbeitgeberverband der Forderung der Gewerkschaft anschließen würde, würde das auch den kleineren Betrieben helfen und die Konkurrenz durch Billigstanbieter verhindern. Um diesen „Kannibalisierungskampf“ der Arbeitgeber untereinander zu stoppen, so König, bräuchte es wieder einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag. Seit Jahren werde eine Umsatzbeteiligung für die Beschäftigten von den Arbeitgebern abgeblockt. „Die schenken das Geld lieber den Aktionären“, so König.

Filialleiterin nicht zu sprechen

Die stellvertretende Filialleiterin Diana Frank war laut Angaben der Main-Post nicht zu sprechen, sie verweist an die Pressestelle des Konzerns in Wuppertal. Die beiden Mitarbeiterinnen, die an diesem Tag an der Kasse standen, waren nach eigenen Worten „nicht von hier.“ König ist mit solchen Situationen vertraut: „Wenn ein Betrieb bestreikt wird, holen sich die Arbeitgeber Mitarbeiter aus anderen Filialen oder ungelernte Kräfte.“

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