Symbolbild Schweinfurt
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Strom vom ältesten Reaktor Frankreichs

Reaktor auf Erdbebengebiet

Nach 33 Jahren Betrieb des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld soll laut Angaben von Die Welt Fessenheim, der älteste französische Reaktor, der auf einem Erdbebengebiet steht, einspringen.

„Mit dem Wegfall von Grafenrheinfeld werden Stromhändler und Netzbetreiber je nach Marktlage auf andere Erzeugungskapazitäten zurückgreifen“, so vermeldete ein Pressesprecher von E.ON vor der Abschaltung. Laut Angaben der Main-Post rechne der für die Versorgung in Unterfranken verantwortliche Netzbetreiber Tennet mit keinerlei Versorgungsengpässen.

Versorungssicherheit

Um herauszufinden, ob im kraftwerksarmen Süddeutschland nach der Abschaltung ein Blackout – ein Stromausfall – droht, habe die Bundesnetzagentur die neusten „Sensitivitätsberechnungen“ der deutschen Stromnetzbetreiber, so Die Welt, zusammengefasst. Neben Parametern, wie die neusten Pläne der Bundesregierung zum Ausbau der Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee wurde auch die Versorgungssicherheit mit einberechnet.

So schreibt Die Welt, heiße es es auf Seite 15 im Bericht der Bundesnetzagentur: „Ebenfalls wurde die Annahme nachgereicht, wonach vom Betrieb des französischen Kernkraftwerks Fessenheim im Winterhalbjahr 2015/16 auszugehen ist und die Bedarfsrechnung entsprechend angepasst.“

Auf Atomstrom angewiesen

Für die Stromversorgung in der Region bedeutet das, dass das AKW nach 33 fast störungsfreien Betriebsjahren daher abgeschaltet werden konnte, weil das älteste und schwächste Kernkraftwerk Frankreichs einen deutschen Blackout abwenden kann. Somit sei auch erstmals amtlich bestätigt, dass Süddeutschland vorerst weiterhin auf Atomstrom angewiesen sei.

Vergleichsweise unsicheres Kraftwerk

Der Atomstrom aus dem französischen Kernkraftwerk Fessenheim kommt nun im Vergleich zu dem relativ sicheren deutschen Atomstrom aus Grafenrheinfeld aus einem eher unsicheren Kraftwerk. Denn Fessenheim ist mit 37 Betriebsjahren nicht nur das älteste französische Kernkraftwerk, es liegt zudem in Erdbebenzone und nahe des Rheinkanals, womit die Gefahr einer Überflutung der Anlage bei einem Dammbruch des Rheinkanals bestünde.

Fessenheim sei deswegen auch das einzige Atomkraftwerk gewesen, welches Frankreichs Präsident François Hollande bereits in seiner ersten Amtszeit unverzüglich abstellen wollte. Die geplante Abschaltung wurde nun auf Ende 2016 verschoben.

„Schmutzige Ölkraftwerke“

Neben Fessenheim müssten, so Die Welt, auch „schmutzige Ölkraftwerke“ mit schlechter Klimabilanz aushelfen. Denn bei einem Großteil der aus dem Ausland gelieferten Kapazitäten handele es sich  Öl-befeuerte Kraftwerke. Ölkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 800 Megawatt müsse laut der Aufstellung der Bundesnetzagentur angemietet werden, um die ökologische deutsche Energiewende im Winter zu gewährleisten.

Verlust an Energie-Unabhängigkeit

Im Bericht der Bundesnetzagentur heiße es laut Angaben von Die Welt, dass die ersten Verträge aktuell bereits ausgehandelt würden. Allerdings halte die Behörde den Verlust an nationaler Energie-Unabhängigkeit für unproblematisch, da Kraftwerke aus dem Ausland bereits seit 2011/2012 zur Versorgungssicherheit in Deutschland beitragen.

 

 

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