Symbolbild Schweinfurt
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Rotlicht und Prostitution in Schweinfurt

Das älteste Gewerbe

Es ist und bleibt das älteste Gewerbe der Welt: die Prostitution. Deutschlandweit gibt es kaum eine Gemeinde ohne horizontales Gewerbe. Auch in Schweinfurt gibt es eine lebendige Bordell-Landschaft, die sogar Kunden aus den umliegenden Städten der Region anlockt. Wie das Gewerbe innerhalb der Stadt geregelt ist, wie hoch das Kriminal- und Gewaltpotential in diesem Bereich einzustufen ist und wie viele Prostituierte in der Stadt tätig sind, haben wir bei drei verschiedenen Quellen erfragt – Die Stadt Schweinfurt, die Polizei und ein ehemaliger Taxi-Fahrer berichten mit Informationen, Zahlen und Erfahrungen dazu.

„70 bis 100 Prostituierte“

Fundierte statistische Daten, wie viele Prostituierte es in Deutschland gibt, existieren laut Angaben des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) nicht – Lediglich Schätzungen liegen vor. In Schweinfurt geht man“ aktuell von ca. 70 bis 100 Prostituierten im Stadtgebiet aus“, so ein Pressesprecher der Stadt. Eine zuverlässige Einschätzung der tatsächlich Anzahl von Prostituierten innerhalb eines Stadtgebietes wird laut des BMFSFJ dadurch erschwert, dass viele Frauen nur nebenbei, gelegentlich oder für einen kurzen Lebensabschnitt als Prostituierte arbeiten.

Ein ehemaliger Taxifahrer aus Schweinfurt bestätigt dies. Während seiner Fahrten habe er häufig Gäste gehabt, die immer wieder die gleichen Adressen aufgesucht haben. „Einige Studentinnen haben Wohnungen in der Stadt gemietet und sich dort prostituiert, um damit ihr Studium zu finanzieren.“ Von angemeldeten Gewerbe geht er dabei nicht aus.

Sex & Crime

Ab dem Jahre 2012 wurde laut Kriminalhauptkommissar Peter Häusinger ein Ermittlungsverfahren gegen einen Schweinfurter Bordellbetreiber geführt. Ihm wurde u.a. räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Im Jahre 2014 wurde der Beschuldigten von der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und vier Monaten verurteilt.

Angriff auf Prostituierte

Weiterhin wurde im Jahre 2014 eine Prostituierte von einem unbekannten Freier mit einem spitzen Gegenstand am Oberschenkel verletzt. Hierbei erlitt sie eine ca. zwei cm lange Schnittverletzung. Der Täter konnte bislang nicht ermittelt werden. Seit heute, dem 9. Juli 2015, fahndet die Polizei mit Lichtbildern nach dem Täter.

Im Februar 2015 wurde eine Prostituierte in einem Schweinfurter Bordell nach dem einvernehmlich durchgeführten Sex zu einem zweiten Geschlechtsverkehr von einem Freier gezwungen und hierbei am Hals gewürgt. Der Täter konnte ermittelt werden, das Verfahren ist derzeit noch anhängig.

Straßenstrich aufgelöst

Einen „Rotlichtbezirk“ gebe es laut Aussagen eines Pressesprechers der Stadt keinen. Einen solchen habe es auch in der Vergangenheit nicht gegeben. Ein Pressesprecher erklärt: „Durch die Umgestaltung der Mainlände und Neubau des Jugendgästehauses ist es 2009 gelungen, den damals hier vorhandenen (und ausgewiesenen) Straßenstrich aufzulösen. Einen Ersatz hierfür gibt es im Stadtgebiet erfreulicherweise nicht.“ Denn mit einem Straßenstrich gehen oftmals auch Störungen und Gefahren für die öffentliche Sicherheit einher.

Mit dem Taxi zum Bordell

Als Taxifahrer wisse man, wo sich die Bordelle und Häuser befinden – und das sind einige. Am besten versteckt sei das Bordell „Haus Diskret“ Am Oberen Wall. Ein Taxifahrer: „Das fällt keinem einzigen Menschen auf den ersten Blick auf, weil es so gut versteckt ist.“ Am beliebtesten sei das „Haus Laplaya“ in der Dittelbrunner Straße. Nachdem die Leute in den Kneipen und Diskos getrunken und gefeiert haben, würden viele noch zum Abschluss Bordelle besuchen. „Das sind nicht nur ältere Herren, auch viele junge Kerle besuchen Bordelle in Schweinfurt“, so ein ehemaliger Taxifahrer.

Straßenprostitution untersagt

Aufgrund der aktuellen Stadtverordnung sei in Schweinfurt die Straßenprostitution generell untersagt, so ein Pressesprecher der Polizei. „Somit sind hier auch keinerlei Störungen ersichtlich und bekannt. Die Prostitution findet in Schweinfurt in Bordellen bzw. in sog. Terminwohnungen statt, welche wie bereits erwähnt einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen werden.“

Einzugsgebiet für andere Städte

Trotz Abzugs der amerikanischen Streitkräfte aus Schweinfurt und damit einem Rückgang der potentiellen Nachfrage nach sexuellen Dienstleitungen sei die Zahl an bordellartigen Betrieben in Schweinfurt nicht nennenswert zurückgegangen. „Das liegt daran, dass die Freier in der Regel nicht an ihrem Wohnort ein Bordell besuchen, sondern in einer anderen Stadt.“, so ein Pressesprecher der Stadt.

Schweinfurt decke daher auch einen namhaften Teil des „Bedarfs“ der Städte Würzburg, Bamberg und Coburg ab. Eine genaue Anzahl der Bordelle in Schweinfurt könne dabei nicht genannt werden, da es neben größeren Gewerben auch Kleinstbetriebe mit nur einer oder zwei Damen geben würde.

Sicherheitslage in Bordellen der Stadt

Die Sicherheitslage im Bordellbereich der Stadt sei als gut einzustufen. „Die Etablissements sind Stadtverwaltung und Polizei bekannt und werden regelmäßig von der PI Schweinfurt kontrolliert.“ Nicht zuletzt durch regelmäßige Kontrollen und der damit ständig verbundenen „Entanonymisierung“ des Rotlichtmilieus sei in Schweinfurt das Kriminal- und Gewaltpotential als sehr gering anzusehen, so Kriminalhauptkommissar Häusinger. In Würzburg gäbe es diesbezüglich auch keine gravierend andere Entwicklung.

Kriminal- und Gewaltpotential 

Grundlegend gebe es in der Stadt Schweinfurt keinen Sperrbezirk. Die Stadt Schweinfurt habe damit auch keine negativen Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht. „Ein Sperrbezirk könnte zu einer verstärkten Bündelung von Rotlichtbetrieben in bestimmten Stadtteilen führen, was bislang unbekannte Folgeerscheinungen nach sich ziehen könnte.“

Schließung von Bordellen

Im Jahre 2014 kam es durch die Stadt Schweinfurt zu der Schließung eines Objekts aufgrund einer baurechtlichen Entscheidung. „Werden bei Kontrollen gewerberechtliche Verstöße festgestellt werden, so werden diese dem Gewerbeamt der Stadt Schweinfurt bzw. dem Hauptzollamt Schweinfurt mitgeteilt, worauf weitere Maßnahmen bzw. Verfahren eingeleitet werden“, so ein Pressesprecher der Polizei.

Bordelle in Wohngebieten verboten

Entstehen Bordelle in Wohngebieten, wird die entsprechende Nutzung von der Stadt untersagt, denn Prostitution ist eine gewerbliche Nutzung, die dort nicht zulässig ist. Die Verteilung der Bordelle über das ganze Stadtgebiet in kleineren Einheiten führt dazu, dass es nicht, wie es bei einer Konzentration der Betriebe zu erwarten wäre, zu negativen Begleiterscheinungen wie Gewalt und Verunreinigungen kommt.

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