Symbolbild Würzburg
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Günter Weiglein: Cannabis gegen Schmerzen

280 Deutsche kiffen legal

Günter Weiglein ist einer von drei Deutschen mit einer richterlichen Anbaugenehmigung für Cannabis. Etwa 280 Deutsche dürfen, aufgrund einer chronischen Erkrankung, legal Cannabis konsumieren. Laut eines Beschlusses vom Kölner Verwaltungsgericht vom Juli dürfte Herr Weiglein nun seine Arznei selbstständig anbauen, doch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sperrt sich mit einer Berufung vor Gericht dagegen. Denn für 15 Euro pro Gramm kann er sich seine Drogen, die er aufgrund chronischer Schmerzen nach einem Motorradunfall konsumiert, auf Dauer nicht leisten.

Wir haben mit Günter Weiglein über seinen Konsum, die Erlaubnis und Drogen am Steuer gesprochen:

Ein Joint und der Schmerz war gelindert

Für Weiglein war es eine große Erleichterung als er im Jahr 2009, als einer der ersten Deutschen, den Bescheid bekam, er dürfe von nun an legal Cannabis konsumieren. Sein erster Konsum reiche jedoch schon etwas länger zurück. Er war mit den Methoden der Schulmedizin nicht zufrieden gewesen und habe ständig mit Schmerzen zu kämpfen gehabt. Es war 2006, als er mit Freunden aus dem Bekanntenkreis gemütlich beisammensaß. Es wurde ein Joint geraucht und seine Freunde meinten, es würde ihm gegen die Schmerzen helfen und so zog er. Ein Zug, der sein Leben ein Stück weit veränderte. Seine Muskulatur entspannte sich und der Schmerz ließ nach. Verschwinden tut dieser auch durch das Cannabis nicht ganz, aber er wird gelindert und er hat mit keinerlei Nebenwirkungen zu kämpfen.

Kein „High“, keine Nebenwirkungen

Die Frage, ob er denn dann nicht dauernd „High“ ist, verneint er ohne zu zögern. „Anfänglich war ich etwas angeheitert, so wie wenn man Alkohol konsumiert, aber nach zwei bis drei Wochen stellte sich dieser Effekt des „High-werdens“ fast gar nicht mehr ein. Alles was bleibt, ist die Lockerung der Muskulatur und die Schmerzlinderung“, erklärt er die Abwesenheit von Nebeneffekten.

Ob diese Art der Therapie nicht dazu führe, dass Menschen, die eigentlich an gar nichts leiden, versuchen an eine Genehmigung zu kommen? „Das ist ausgeschlossen, einen Antrag kann jeder stellen“, so Weiglein, „um einen positiven Bescheid zu bekommen, muss man der zuständigen Bundesbehörde aber nachweisen, woran man leidet und wie dies in den letzten Jahren behandelt wurde. Man muss die Einnahme mehrerer starker Medikamente nachweisen, mit einer Aspirin pro Tag ist es da noch längst nicht getan.“

Drogen am Steuer

Grundsätzlich darf Günter Weiglein überall kiffen, auch mitten in der Innenstadt. Das unterlässt er aber strikt. Seine Schmerzen würden sich außerdem tagsüber langsam aufbauen und abends zwischen 20 und 22 Uhr ihren Höhepunkt erreichen. Dies ist auch die Zeit, in der er etwas raucht. Auch zum Thema Drogen am Steuer haben wir ihn befragt: „Ich habe nach wie vor meinen Führerschein. Mittlerweile hat sich viel getan auf diesem Gebiet.“ Er hat nun eine Erlaubnis, die er bei einer Kontrolle vorzeigen kann und es ist gesetzlich geregelt, dass er, als legaler Cannabiskonsument, nach einem Konsum eine Fahrpause von acht Stunden einzuhalten hat.

Vier Sorten zur Auswahl

Vier Sorten Cannabis stehen dem Schmerzpatienten zum Kauf in der Apotheke zur Verfügung, lediglich eine davon zeige bei ihm die gewünschte Wirkung. Ein großes Problem, denn mit der Zeit habe sein Körper eine Toleranz dagegen entwickelt und er braucht immer mehr Stoff, den er sich aber auf Dauer nicht leisten kann. Auf dem Schwarzmarkt dagegen gäbe es tausende Sorten, meist nicht von weniger guter Qualität als das Cannabis aus der Apotheke, aber um die Hälfte billiger.  Aus diesem Grund kämpft er dafür, seinen Eigenbedarf selbst anbauen zu dürfen.

Wird ihm der Eigenanbau gestattet werden?

Durch das Urteil des Kölner Verwaltungsgericht dürfen drei Deutsche nun ihren „Stoff“ selbst anbauen, Weiglein gibt aber zu bedenken, dass durch das Urteil lediglich alles noch einmal neu entschieden werden kann. Die erforderlichen Bedingungen kann er alle erfüllen, er verfügt über eine 3-Zimmer-Eigentumswohnung, d.h. es gibt keinen Vermieter, der sich zu der Wohnung Zugang verschaffen könnte und er kann ein eigenes kleines Zimmer für den Anbau verwenden. Letztendlich muss die Bundesbehörde ihre Zustimmung geben, doch daran will er noch nicht wirklich glauben. Zurecht, denn am 28.08. wurde Weiglein von seinem Anwalt mitgeteilt, dass das Bundesministerium in Berufung geht. Sein Anbau ist also noch längst nicht gesichert.

Eines wollen wir aber noch wissen: Ist Günter Weiglein dafür oder dagegen, dass der Konsum von Cannabis legalisiert werden soll? „Ich bin absolut für eine Legalisierung, denn wer Cannabis konsumieren will, der tut es sowieso. Und wem es nichts bringt, der lässt die Finger davon.“

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