Symbolbild Würzburg
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Der Arbeitsmarkt im Juli 2015

Saisonüblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit

Im Juli stieg die Arbeitslosigkeit saisonüblich an, gegenüber dem Juni wurden 202 arbeitslose Menschen mehr gezählt, damit erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Mit insgesamt 8.560 Arbeitslosen gab es in der Region Main – Rhön 10 Arbeitslose mehr und damit praktisch genauso viele Betroffene wie im Vorjahr. Dass trotz der minimalen Erhöhung der Zahl der Arbeitslosen die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,1 Prozentpunkte gesunken ist, erklärt sich durch den Anstieg der Beschäftigtenzahl, zu der die Zahl der Arbeitslosen bei der Berechnung der Quote ins Verhältnis gesetzt wird und den Rundungseffekt.

Hintergrund

Berechnungsgrundlage für die Arbeitslosenquote ist die so genannte Bezugsgröße. Die Bezugsgröße ist die Anzahl aller zivilen Erwerbspersonen einschließlich der arbeitslos gemeldeten Menschen in der Region, sie wird jedes Jahr angepasst und war 2015 etwas höher als 2014. Der Anteil der Arbeitslosen an dieser Zahl ist die Arbeitslosenquote. (Siehe hierzu auch die Erläuterung der Statistikbegriffe auf der letzten Seite). Berechnung der Arbeitslosenquoten 2014 und 2015: Im Juli 2014 waren von 240.689 zivilen Erwerbspersonen 8.550 arbeitslos, ein Anteil von 3,5523 Prozent, gerundet 3,6 Prozent. Im Juli 2015 waren es 8.560 Arbeitslose bei 242.714 zivilen Erwerbspersonen, ein Anteil von 3,5268 Prozent, gerundet 3,5 Prozent.

Übernahme nicht garantiert

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli ist wie in jedem Jahr zu einem erheblichen Teil auf die Beendigung der meisten betrieblichen Ausbildungsverhältnisse in diesem Monat zurückzuführen“, erläutert Thomas Stelzer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die aktuellen Zahlen. „Auch wenn der Bedarf an Fachkräften insgesamt groß ist“, so Stelzer weiter, „werden aus verschiedenen Gründen doch Auszubildende nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung nicht immer nahtlos in ein Arbeitsverhältnis übernommen.“ So weist die Statistik für den Juli im gesamten Bezirk 252 Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Berufsausbildung aus, während im Juni lediglich 39 meist junge Menschen im Anschluss an eine solche Ausbildung eine Dienststelle der Arbeitsagentur aufsuchen mussten. Dabei sind Nachwuchskräfte aus den Bereichen Büro und Handel, in denen es generell noch ein recht großes Angebot an Fachkräften gibt, häufiger betroffen als solche aus dem gewerblichen, handwerklichen Bereich.

„Das Ausbildungsende im Sommer fällt eine Zeit mit eher geringerem Arbeitskräftebedarf in manchen Branchen, dies ist sicher auch ein Grund, dass die Nachwuchskräfte nicht immer übernommen werden“, stellt der Leiter der Arbeitsagentur fest. „Allerdings besteht dabei für die Arbeitgeber die Gefahr; dass diese Betriebe Nachwuchsprobleme bekommen könnten.“

Die Zahl der Arbeitnehmer, die sich nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos melden mussten, lag mit 1.007 höher als im Vormonat mit 888 Meldungen. Dass auch dieser Anstieg saisonal üblich ist, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahr, damals waren es nur 64 Betroffene weniger. Im Vergleich zum Juni konnten 189 Arbeitnehmer weniger ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden. Diese 829 Fälle bedeuten auch einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 65 Personen.

Stellenzugang und -bestand steigen weiter an

Dies ändert aber nichts an der grundsätzlich hohen Nachfrage nach Arbeitskräften in der Region Main-Rhön. Der gemeinsame Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter nahm im Juli 892 neue Stellenangebote entgegen, 57 mehr als im Vormonat und 114 mehr als im Vorjahr. Auch der Stellenbestand stieg weiter an und übertraf mit 3.014 Angeboten erstmals seit vielen Jahren die Marke von 3.000 Stellen. Es ist unverändert schwierig, unter den arbeitslosen Menschen immer die gewünschten Bewerberinnen und Bewerber für die offenen Stellen zu finden und diese Stellen zeitnah zu besetzen. Die größten Probleme hat dabei das Handwerk, hier sind verfügbare Fachkräfte in vielen Bereichen kaum zu finden. Weniger günstig sind die Aussichten für ältere und/oder gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer, für Bewerber mit relativ unflexiblen Arbeitszeitwünschen, insbesondere in Teilzeit oder mit stark eingeschränkter Mobilität. Andererseits werden in manchen Branchen Arbeitskräfte händeringend gesucht.

Über ein Drittel aller offenen Stellen sind dem Bereich Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung zuzuordnen, von der Kunststoff- und Holzverarbeitung über den Bereich, Metallbearbeitung, Maschinenbau, Mechatronik bis zur Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Ebenfalls hohe Anteile an den gemeldeten Stellen haben die Bereiche Verkehr und Logistik, Handel, Vertrieb und Tourismus, hier insbesondere die Hotel- und Gaststättenberufe, sowie die Gesundheitsberufe.

Kurzarbeit wieder auf niedrigem Niveau

Die Zahl der Betriebe bzw. Betriebsabteilungen, welche für Teile ihrer Belegschaft Kurzarbeit angemeldet hatten, blieb mit 26 gegenüber dem Juni praktisch unverändert. Betroffen waren 596 Arbeitnehmer, 161 mehr als im Juni. Hauptsächlich verantwortlich für diesen Anstieg ist die Tatsache, dass im Juli wieder ein Großbetrieb vorsorglich Kurzarbeit angemeldet hat.

Noch 647 Bewerber für 1.055 offene Stellen

Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist aus Sicht der Jugendlichen so günstig wie schon im Vorjahr, eine weitere Verschiebung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage fand nicht mehr statt. 647 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern stehen 1.055 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber, rechnerisch also 163 Stellen für 100 Interessenten. Mit 169 Stellen für 100 Interessenten war das Verhältnis im lm letzten Jahr auf vergleichbarem Niveau.

„Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, für den bestehen immer noch gute Chancen, insbesondere wenn er sich hinsichtlich des Berufes und auch der Ausbildungsstelle flexibel zeigt,“ ermuntert Thomas Stelzer die jungen Menschen ohne Ausbildungsvertrag. „Die gilt auch für die Betriebe, die ihre Stellen noch nicht besetzen konnten“, so Stelzer weiter. „Zeugnisnoten sollten nicht das alleinige Kriterium sein, oft gleichen nach der Papierform vermeintlich schwächere Jugendliche eventuelle Defizite durch großes Engagement aus. Falls in dem einen oder anderen Fach tatsächlich Probleme auftreten, unterstützt die Arbeitsagentur gerne durch ausbildungsbegleitende Hilfen.“

Dieser Artikel beruht auf einer Presseinformation der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

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