Symbolbild Schweinfurt
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BRK verlangt Geld von Flüchtlingen für Spenden

„Kleine Unkostenbeiträge“ für Spenden

Fast 500 Asylbewerber sind derzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung und Notunterkünften in Schweinfurt untergebracht. „Viele Menschen kommen hier in Schweinfurt mit nur mit sehr kleinem Gepäck an. Es ist eine humanitäre Aufgabe hier zu helfen!“, so Bayerische Rote Kreuz Kreisverband (BRK). Etliche Spenden in Form von Kleidung, Schuhe, Koffer, Taschen, Kinderspielzeug erreichten bislang den BRK, die neben der Erstaufnahmeeinrichtung in Schweinfurt von ehren- und hauptamtlichen Rotkreuz-Aktiven sortiert werden.

Die Spenden erlangen die Flüchtlinge allerdings nicht umsonst. Bekleidung und Schuhe erhalten Flüchtlinge und Asylbewerber entweder gegen Gutscheine oder einem „kleinen Unkostenbetrag (z.B. Pullover 2,00 €, Hose 2,50 €)“, mit dem die Mitarbeiter des BRK zum Teil finanziert werden. Für viele Spender ist ehrenamtliche Arbeit allerdings keine Frage von Bezahlung, weswegen sich erste Gruppen von privaten Spendensammlern in Schweinfurt zusammen getan haben.

„WIR VERKAUFEN KEINE SPENDEN!“

„WIR VERKAUFEN KEINE SPENDEN! Wir versuchen gemeinsam – mit dem Engagement der Bevölkerung und der aktiven ehren- und hauptamtlichen Kräfte – den sozial schwachen Mitmenschen und den Flüchtlingen so gut es geht zu helfen und persönliche Not zu lindern!“, so vermeldet der BRK heute in einem offiziellen Statement zur aktuellen Kleidersammlung für Flüchtlinge in Schweinfurt. Geld verlangt der BRK allerdings trotzdem von den Flüchtlingen, auch wenn es sich wie vom BRK genannt lediglich um einen „kleinen Unkostenbetrag“ handele. Für viele Spender ist dieser Umstand verwirrend.  Denn auf der einen Seite sagt der BRK, es würden keine Spenden verkauft werden, andererseits verlangt der Verband unter Umständen aber doch Geld für Kleidungsstücke und Schuhe von den Flüchtlingen. Auch sei diese Regelung für viele Spender nicht transparent gewesen als sie Kleidungsstücke beim BRK abgegeben haben.

Keine finanzielle Förderung für Mitarbeiter

Zwei Mitarbeiterinnen des BRK, Conny Kirchhof und Sabine Ruß, sind als hauptamtliche Koordinierer beim BRK zuständig, ohne diese „die Organisation der vielen ehrenamtlichen Dienstpläne, Aufgabenlisten und Kommunikation sowie die persönlichen Einweisungen für die Ehrenamtlichen und zwischen den Teams nicht möglich“ wären, so der BRK. Leider habe das BRK für diese beiden Mitarbeiterinnen keinerlei finanzielle Förderung.

„Weder der Bund, noch das Land Bayern, die Regierung von Unterfranken oder die Stadt Schweinfurt sieht sich in der Pflicht, hier eine Finanzierung der Personalkosten zu übernehmen oder zu fördern“, so lautet es in einem offiziellen Statement. Auch könne es „nicht Aufgabe von ehren- oder hauptamtlichen BRK-Aktiven sein, über den Zaun geworfene Hilfsgüter, welche im Dreck liegen, nass werden und nicht mehr nutzbar sind, einzusammeln und zu entsorgen!“

2,50 Euro für Hosen

Aus diesem Grund wurde die Ausgabe von Bekleidung in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Schweinfurt vom BRK wie folgt geregelt:

  • „Gegen den Gutschein für Bekleidung und Schuhe der Stadt Schweinfurt gibt das BRK kostenfrei Spenden an Bedürftige aus
  • Gegen den eigenen Gutschein des BRK geben wir 3 bis 5 Bekleidungsstücke kostenfrei aus
  • weitere Kleidungsstücke werde gegen einen kleinen Unkostenbetrag (z. B. Pullover 2,00 €, Hose 2,50 €) ausgegeben.“

Private Spendenaktionen

„Mit den daraus gewonnenen Einnahmen versucht das BRK die entstandenen Kosten zum Teil zu tragen“, so der BRK. Viele Spender, wie eine kleine „Gruppe“ von Schweinfurtern, die sich seit vergangenem Sonntag zusammen getan haben, sind mit dieser Regelung nicht einverstanden. „Wir haben festgestellt, dass viele helfen wollen, aber nicht wissen wie und ob überhaupt. dazu haben wir uns spontan getroffen und waren beim ersten Treffen Sonntag ca 20 Leute. Wir versuchen nun selbst etwas auf die Beine zu stellen. Nach dem Treffen in der Eisdiele sind einige von uns direkt zur Kaserne gefahren und konnten mit den Flüchtlingen sprechen und sehen, wie sie dort untergebracht sind“, so Andrej Andreev der privaten Gruppe von Spendensammlern.

Direkt an die Flüchtlinge verteilen

Es ginge der Gruppe allerdings dabei nicht darum, gegen die Helfer dieser Organisationen zu agieren, „denn wir können froh sein, dass es in Deutschland so etwas gibt. Allerdings sind wir nicht einverstanden, dass die Spenden verkauft werden, also starten wir Aufrufe, um Spenden direkt einzusammeln, zu sortieren und direkt zu verteilen“, so Andreev. Zwei Personen der Spendengruppe beherrschen verschiedene Sprachen, womit man sich mit den Flüchtlingen verständigen könne. Das nächste Treffen findet Sonntag, um 17 Uhr in der Eiscafé Cortina in der Niederwerrnerstraße 40 statt. „Dieses Treffen ist Öffentlich und jeder darf kommen.“

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