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Symbolbild Schweinfurt
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Moderne Diskrimierung – Homosexuelle Pärchen auf Wohnungssuche

Ein anonymer Gastbeitrag

„Und wo haben Sie vor zu schlafen?“

„Und wo haben Sie vor zu schlafen?“ – Womit sich Homosexuelle in der heutigen Zeit auseinander setzen müssen. Nehmen wir dies als Einstieg in meinen anonymen Appell an unsere doch so angesehenen Vermieter. Lenken wir den Fokus auf die Personen, welche sich auf der Suche nach einer neuen Bleibe mit weitaus unangemesseneren Fragen auseinander setzen müssen. Diejenigen, welche im Anbetracht auf vereinzelte Dinge, „anders“ angesehen werden. Homo- und bisexuelle Pärchen.

„WG? Nein, wir sind keine WG!“

Der Klassiker: diese Wohnung ist nicht für WG’s geeignet. Passt ja, eine WG sind wir auch nicht. Nachdem telefonisch die gewohnten Fragen wie „Verfügbarkeit?“, „Preis?“, „Besichtigungstermin?“ geklärt waren, folgte am Tag darauf dann gleich der persönliche Kontakt vor Ort. Erscheint man dann allerdings beim Besichtigungstermin als gleichgeschlechtliches Pärchen, staunt so mancher Vermieter. Kein „Guten Tag“ – was selbst bei „uns“ zur guten Sitte gehört. „Die Wohnung ist nicht WG geeignet ..“, war die Aussage allem Voraus. „Guten Morgen – Ja, haben wir in Ihrer Annonce gelesen“, lautete das Echo unsererseits. Damit hatte sich für Ihn die Besichtigung der Immobile bereits erledigt. „Tut mir leid – so etwas möchten wir hier nicht“. Diskriminierung, mit welcher in der heutigen Zeit eigentlich kaum einer mehr rechnet. Wir verabschiedeten uns vom typisch konservativen Vermieter mit Schnurre und viel zu großem Cord-Anzug.

Zweites Beispiel. Nehmen wir ein Pärchen, welches sich erlaubt mit Kind beim Besichtigungstermin zu erscheinen. Gleicher Ablauf wie beim ersten Beispiel. Auch hier staunte die Vermieterin nicht schlecht. Diese musste nach offensichtlicher Musterung erst einmal Ihren klassisch grauen Hosenanzug richten. Während der Besichtigung verbreitete sich Stille, was kaum jemand von einer Maklerin erwartet. Dann kam Sie, die Frage. „Und wo haben Sie vor zu schlafen?“. „Wie wollen Sie diese Räumlichkeiten gemeinsam Nutzen?“. Da war Sie wieder! Die penetrante und aufdringliche Immobilienmaklerin kam durch. Nachdem wir ihr von unserer Lebensart berichtet hatten, ging alles recht fix. Verschwitzter Händedruck zum Abschied und nie wieder etwas von der doch so kompetenten Dame gehört.

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Gleichstellung als Fremdwort

Das folgende Beispiel zeigt, dass auch Ehrlichkeit im Voraus gegenüber dem Vermieter nicht von Vorteil ist. Telefonischer Erstkontakt, gleiche Fragen und ein Termin zur Besichtigung wurde vereinbart. Anders hier: Klartext. Schon im Voraus. Die freundliche Stimme der wohl Mitte 40-jährigen Dame hörte gespannt zu und ärgerte sich anschließend mit mir gemeinsam über das freche Verhalten der Vermieter. „So etwas bodenloses“ – Sie verkaufte uns, dass es eine solche „Diskriminierung“ bei Ihr nicht gäbe und Sie sich darauf freut, uns kennen zu lernen. Telefonat beendet, Euphorie groß. Die Freude auf den vereinbarten Besichtigungstermin, wurde uns dann allerdings schnell genommen. Fünf Minuten später klingelte das Telefon und die vorher so nette Dame, klang nun nicht mehr so freundlich. „Ich habe Rücksprache mit meinem Mann gehalten und.. Nein.“ Nein? Keine Begründung? Uns war klar, dass es sich auch hier um die moderne Art der Diskriminierung handelt.

Wie dem auch sei, jedem das seine. Gleichstellung ist wohl für so manch einem unter uns noch ein Fremdwort. Schließlich haben wir dann doch eine schöne Bliebe gefunden.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@swity.de.

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