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Gastbeitrag: „Mulmiges Gefühl mit geliebter Heimat Deutschland“

Ein Gastbeitrag von Murat Mümtaz Gök, (Publizist, Wissenschaftler und Manager), 49 Jahre, Vater zweier Kinder, Deutscher Staatsbürger türkischer Herkunft aus Würzburg.

Mulmiges Gefühl mit der geliebten Heimat Deutschland

Noch eben, bevor die syrische Flüchtlingswelle in den Medien, in der Politik und Gesellschaft thematisiert wurde redete man noch über das Thema Migration, mehr oder weniger geglückte oder missglückte Migrationspolitik, Integration der hier bereits in mehreren Generationen angekommenen ehemaligen Gastarbeiterfamilien und derer Nachkommen. Ich erinnere an die Plage mit Sarrazin und Co. Wurde nicht unlängst behauptet, dass die bereits seit vielen Jahren hier ansässigen Mitbürger mit sogenanntem Migrationshintergrund verantwortlich sind für höhere Kriminalitätsraten und das Versagen des Bildungssystems, und wurden diese Menschen nicht per se als Bildungsresistent deklassiert und in der öffentlichen Diskussion sogar immer noch gefürchtet usw…

Ja ich kann als Nachkomme eines Vaters, der 1961 aus der Türkei nach Deutschland auswanderte ein Lied davon singen, dass trotz dessen Deutschland mein Geburtsland ist, in das ich seit meiner Geburt im Jahre 1968 hineingewachsen bin, wie jeder andere anständige Deutsche auch und sogar deutscher Staatsbürger geworden bin, meine Kinder bereits hier zur Welt gebracht habe und auch sie Deutsche sind, das eben trotz dessen, dass ich und meine ganze Familie schon seit Geburt in den deutschen Habitat in mehreren Generationen assimiliert bin, immer noch damit zu kämpfen und mich rum zu ärgern habe, dass wir in Deutschland als unerwünscht eingestuft werden, obwohl Deutschland unsere Heimat ist und wir treu zu ihr stehen…die Auswüchse der Fremdenfeindlichkeit werde ich in diesem Artikel nicht breittreten, da diese hinlänglich bekannt sind.

Allerdings eines macht mir derzeit Sorgen. Früher vermutete ich hinter all dem tatsächlich Fremdenfeindlichkeit, jedoch seit kurzem, wenn ich sehe wie der Umgang mit den angeblichen syrischen Flüchtlingen in Deutschland betrieben wird, wird mir klar, dass es wohl eher eine Türkenfeindlichkeit ist, die immer noch besteht. Sei es darum, es geht hier in diesem Artikel ja nicht um das Thema Türkenfeindlichkeit, nur um mein ganz persönliches Staunen und einige Sorgen, die ich mir als Deutscher in meiner Heimat Deutschland mache.

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„Vorschriften und jede bürokratische Hürde plötzlich aufgehoben“

Mein Staunen gilt einigen Dingen:

Die Türkei ist NATO Partner und über die NATO Bündnispartner Deutschlands und ein EWG Assoziationspartner Europas. Außerdem haben türkische Gastarbeiter am Wiederaufbau Deutschlands in der Nachkriegszeit entscheidend mitgewirkt und sie waren Bündnispartner bereits im ersten Weltkrieg. Die deutsch türkischen Beziehungen reichen auch weit über diesen Zeitraum hinaus und die Türkei ist mit ihrer prosperierenden Wirtschaft eine interessante Option für Europa und die Wirtschaftsentwicklung in der Zusammenarbeit. Es herrscht reger Handelsverkehr und wissenschaftlicher Austausch. Und noch vieles mehr.

Dennoch wirkt die Schengener Mauer und die deutsche Restriktion gegen die Türkei so stark, dass kaum noch ein Familiennachzug möglich ist und kein normaler türkischer Tourist ein Visum bekommt um einfach nur zu Besuch zu kommen. Nur in ganz engen fast unüberwindlichen Grenzen. Türken werden auf Ämtern und auch auf der Straße regelmäßig mit fremdenfeindlichen Reaktionen konfrontiert usw.

Vor diesem Hintergrund staunte ich nicht schlecht, als ich eines Abends in den Nachrichten vernahm, dass auf eiligste Weise aus Österreich die erste nennenswerte Menge an Kriegsflüchtigen aus Syrien ohne Registrierung nach Deutschland gelassen wurde und das sogar mit tatkräftiger Unterstützung vieler staatlicher und privater Beteiligter. Die Schengener Mauer war plötzlich kein Thema mehr und sämtliche Vorschriften und jede bürokratische Hürde plötzlich aufgehoben. Eine extrem übertriebene und fast schon beängstigende Begrüßungskultur schleifte sich ein. Schon war die Rede vom Zugang zum Arbeitsmarkt, zur höherer Bildung, Gymnasialzugang, Universitätszugang für die Kriegsflüchtigen, die noch kein Deutsch können, geschweige denn, von denen man nicht einmal weiß wer sie sind und ob darunter nicht der eine oder andere, vielleicht noch mehr unberechtigte darunter sind, die eine gefälschte Biographie und Herkunft vor sich her tragen und selbst möglicherweise Täter sind und keine Opfer. Vielleicht sogar selbst zur ISIS oder PKK und anderen Terrororganisationen gehören. Nichts ist bekannt über diese Menschen, jedenfalls nicht hinreichend geprüft und wir sollen alle den Vorgang ohne wiederstand akzeptieren und in gutmenschlicher Manier in die Hände klatschen.

„Demokratie heißt, dass die Volksvertreter eben das Volk zu vertreten haben“

Mir fällt das nicht so leicht. Ich mache mir Sorgen über die Option, dass wir uns da teilweise Menschen ins Land geholt haben, von denen eben ein nennenswerter Teil zu denen gehören, die genau das angreifen, was wir zu schützen und zu bewahren suchen, nämlich Freiheit, Brüderlichkeit, Toleranz und eben alle Werte, für die unsere Demokratie steht. Als freiheitlich demokratisch eingestellter Bürger mache ich mir Sorgen darüber, dass Meinungen zensiert werden sollen, die kritischer Natur sind. Eben um diese Meinungsfreiheit geht es doch auch in unserer Verfassung. Warum soll die im Falle der Skepsis über die Richtigkeit des Umganges mit Kriegs- und Wirtschaftsflüchtigen beeinträchtigt werden? Wo ist die Logik, dass mir möglicherweise ein Angehöriger der ISIS diktieren kann was ich in Deutschland sagen und denken darf und was nicht? Genau dagegen zu kämpfen soll doch das Ansinnen eines Demokraten sein – nun, jedenfalls wird doch vorgebracht, wenn Deutschland Rebellen in anderen Ländern darin unterstützt ganze Staaten zu stürzen, den arabischen Frühling anzustoßen usw…

Schnell kommen Verschwörungstheorien auf, kein Wunder, wenn Deutschland Waffen an terroristische Organisationen liefert, die gegen den NATO Partner Türkei eingesetzt werden, oder wenn unter dem Vorwand Syrien, namhafte Terroristen, welche von Deutschland und Amerika als Agenten geführt werden nach Deutschland gerettet werden und als Flüchtlinge ausgegeben werden, aber hier dann schnell von Mitbewohnern als die ehemaligen Täter entlarvt werden usw.

Die Sorge um die eigene Sicherheit geht um im deutschen Volk und das, wie ich meine, zu Recht. Auch darf das sein, natürlich ist es legitim sich Sorgen zu machen und die Verantwortlichen zu befragen und gegebenenfalls zur Rede zu stellen. Denn Demokratie heißt, dass die Volksvertreter eben das Volk zu vertreten haben. Fragen des Volkes müssen in einer Demokratie ertragen werden und von den Volksvertretern ernst genommen. Natürlich kann ich mir die Frage stellen, wie es sein kann, dass plötzlich alles für möglich gehalten wird und finanzierbar, was über Jahrzehnte unmöglich schien. Man titulierte die Migration seitens der Politiker als ein Problem, die heute Feuer und Flamme sind für den massenweise Zufluss von Flüchtlingen unter denen auch Betrüger und Kriminelle sind, die lediglich gefälschte syrische Pässe und Identitäten haben und nicht einmal Arabisch sprechen.

„Nicht einmal die legale Migration von Türken bewältigt“

Irgendwie ist es auch eigenartig dass es gerade mal 2000.000 türkische Gastarbeiter in Deutschland gibt und das obwohl ihr Zuzug 1961 begann. An syrischen, oder angeblichen syrischen Flüchtlingen soll es bis Jahresende schon 1,5 Millionen geben. Wie soll das denn bewältigt werden, wenn Deutschland seit 50 Jahren nicht einmal die legale Migration von Türken bewältigt hat? Und was ist mit den vielen Arbeitslosen Deutschen, für die es bis jetzt keine Arbeit gab.

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Plötzlich können Millionen Syrer beschäftigt werden, obwohl es doch angeblich keine Arbeit gibt? Soll da eine neue Sklaverei und Leibeigenschaft entstehen und der Mindestlohn umgangen werden? Fragen über Fragen für die hier in diesem Artikel nicht genügend Platz ist. Aber eines dürfte in meinem Vergleich klar geworden sein. Neben der Euphorie gutmenschlicher Naivität gibt es auch Menschen in diesem Land, die sich ernst zu nehmende Sorgen machen, die in Griff genommen gehören. Und zwar professionell.

Freilich gehört in der Welt Frieden geschafft und unterstützt. Aber man kann keinen Frieden schaffen, indem man einen souveränen Staat entvölkert, Landnahme betreibt, PKK, PYD und ISIS dort ansiedelt, wo diese erst vor kurzem die einheimische syrische und turkmenische Bevölkerung vertrieben und ausgerottet haben. Auch ein Thema, das ich hier nur ankratze. Warum denkt man nicht daran das Land zu befrieden und die Flüchtlinge wieder in ihrer Heimat anzusiedeln. Warum spricht man von Dauerhaftem Verbleib in Deutschland. Dürfen die nicht mehr zurück? Wird da Syrien etwa von Fremdmächten erobert, die Landkarte in der Welt kurzerhand geändert?

„Diese Menschen wollen in ihr Land zurück“

Fragt man die echten Opfer unter den Syrern und Turkmenen hört man genau diese Beschwerden, diese Menschen wollen ihr Land zurück und sagen, dass die ISIS, die PKK, die PYD und andere ihnen das Land weggenommen haben. Eine irrsinnig vielschichtige Problematik. Wie bei dieser multiplen Sachlage und Vielschichtigkeit Millionen von Menschen in einem Land innerhalb von nur einem Jahr dauerhaft angesiedelt werden sollen, dessen Sprache sie nicht sprechen, dessen Ethik und Werte sie nicht teilen und verstehen und auch nicht verstehen wollen, für dessen Freizügigkeit im Leben sie kein Verständnis haben verstehe gerade ich bis jetzt nicht, der ich doch weiß, dass der Deutsche auch noch immer ein Problem mit der Existenz der seit mehr als einem Jahrhundert in Deutschland lebenden Türken hat. Und das obwohl der Türke dem Deutschen so nah ist wie kein anderer. Beim Syrer, oder angeblichen Syrer mit ISIS Hintergrund soll das plötzlich blendend funktionieren!

Nun, um politisch korrekt zu sein werde ich schon mal damit anfangen einem ISIS Kämpfer, der zum Abkühlen nach Deutschland gekommen ist und das mit falschem syrischen Pass Karl Lagerfeld, Klaus Kinski, Conchita Wurst und den CSD zu erklären. Vielleicht erreiche ich etwas und es folgt die Integration.

Und noch eines zum Abschluss, mein Beitrag hat nicht den Anspruch der Vollständigkeit, es gibt noch mehr Fragen, die in intellektuell von Toleranz geprägter Atmosphäre zu diskutieren ich gerne bereit bin.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: Redaktion@swity.de.

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