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Symbolbild Schweinfurt
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Outen oder nicht? – Der Umgang mit Homosexualität

HIV-Positiv

In einem Gastbeitrag hat Alex (Positiver Blogger) bereits erzählt, wie das Leben nach einer HIV-Positiv Diagnose aussieht und wie Mitmenschen auf diese reagieren. Nun spricht er in einem Interview offen über seine Homosexualität.

Das Interview:

Wann und wie hast du gemerkt, dass du homosexuell bist?

Es war, als ich ca. 14 Jahre alt war. Ich habe auf einmal gemerkt, das mich Mädchen nicht „anziehen“ und habe aufgrund dessen eine Beratungsstelle aufgesucht. Dort habe ich alles geschildert und der Berater meinte, das ich womöglich gerade herausfinde, welches Geschlecht mich „anzieht“ und ob ich vielleicht auch schwul bin oder werde.

Wie bist du damit umgegangen?

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Nachdem ich wusste, was mit mir los ist, war es erstmal schwer für mich, „anders“ als andere zu sein. Aber nach einer Zeit habe ich es akzeptiert, wie ich bin.

Wie hast du dich geoutet?

Das dauerte lange und war für mich damals nicht einfach. Mit ca 15/16 Jahren habe ich mich bei meiner Familie geoutet. Es war an einem Abend. Während ich gebadet habe, habe ich mir überlegt, wie ich es meiner Familie sage. Als ich fertig war, ging ich runter zu meinen Eltern, sagte kurz „Ich bin schwul“. Reaktionen meiner Familie waren alle super und positiv.

Wie standen deine Familie und deine Freunde dazu?

Wie schon erwähnt, hat meine Familie sehr positiv reagiert. Freunde hatte ich früher kaum welche, wo ich sagen konnte, das sind wahre Freunde. Aber damals war es nicht gerade einfach, offen zu leben.

Wurdest du deswegen schon diskriminiert (Schule, Arbeit, Privat)?

Ohja, gerade am Anfang, als ich noch jung war. Auch heut zu Tage kommt dies vor, aber das ignoriere ich alles, weil solche Reaktionen nur ein Zeichen von Unreife sind. Sätze wie z.B. „Gehe mir nicht an die Wäsche“, „Mein Po bleibt Jungfrau“, und weitere verbale Beschimpfungen, die in der Wortwahl sehr unverschämt sind, wurden geäußert. Diese Menschen sind mir damals auch aus dem Weg gegangen, und das fand ich gut, denn mit solchen Menschen, wollte ich nie etwas zu tun haben. Denn der Mensch zählt und nicht seine Sexualität!

Was war bisher die schlimmste Reaktion auf deine Homosexualität?

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Man sollte „schlimm“ definieren, denn jeder hat eine andere Sicht auf schlimme Reaktionen. Für mich ist es schon schlimm, dass ein Mensch, nicht als Mensch gesehen wird, sondern nur seine „Fassade“.

Gibt es etwas, was du gerne anders gemacht hättest hinsichtlich deiner Sexualität?

Aus heutiger Sicht, Nein! Denn ich bin so wie ich bin. Ich bin glücklich, schwul zu sein und ich ändere dies unter anderem, für keinen Menschen dieser Welt. Wir haben das 21. Jahrhundert und es sollte heute eigentlich normal sein, so zu Leben wie man ist.

Wie gehst du jetzt sowohl mit deiner Infektion, als auch mit deiner Sexualität um?

Mittlerweile sehr gut! Ich engagiere mich seit 2011 für Menschenrechte, seit 2012 gebe ich des Öfteren öffentliche Interviews, mache Beratungen und seit August 2015 habe ich einen erfolgreichen Blog bei Facebook gegründet, der eine hohe Aufmerksamkeit hat. Des Weiteren mache ich seit 2012 Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem in den Bereichen HIV Prävention und Homosexualität. Ich pflege meinen großen Bekanntenkreis und freue mich jederzeit, wenn sich neue Menschen mir anschließen. Ich lebe offen und frei mein Leben und das tut mir sehr gut! Denn ich brauche mich nicht zu verstecken und aufzupassen, wo und wem ich etwas sage. Ich kann jedem nur empfehlen, steht zu dem Menschen, der ihr seid und wenn du stark bist, dann lebe dein Leben. Denn ein verstecktes Leben, ist kein schönes Leben!

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