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Symbolbild Schweinfurt
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Gastbeitrag: Hilfe, meine Eltern haben ein Smartphone

Ein anonymer Gastbeitrag

Mit 55 in die Welt der Smartphones

Meine Eltern haben mir beigebracht wie man kocht und wie man einen Reifen wechselt. Sie sind immer für einen guten Ratschlag zu haben und die werte Mama gibt nur zu gern Beziehungstipps – die ab und an sogar ganz hilfreich sind. Unsere Eltern waren als Kind für uns allwissend und diejenigen, die uns die Welt erklärten. Doch gerade wenn es um das Thema Internet, Smartphone und Co. geht, stellen wir manchmal fest, dass auch sie etwas von uns lernen können. Wenn sich die Eltern bisher nie damit beschäftigt haben und auf einmal in die digitale Welt einsteigen möchten, darf man sich auf etwas gefasst machen. Zum Teil sitzt man entgeistert da, auf der anderen Seite ist man aber auch überrascht, wie schnell sich Mama und Papa zurecht finden.

Wenn der Internet-Wahnsinn ins Haus kehrt

Einen Computer inklusive Internetzugang besitzen meine Eltern schon lange. Neuerdings fangen sie aber an, sich damit zu beschäftigen. Meine Mutter sitzt den halben Sonntag vor dem Computer und tippt im „Ein-Finger-Hacksystem“ wie wild Adressen in den Browser. Stolz erklärt sie immer wieder, wie toll sie mit diesem Internet doch schon zurecht komme. Eine Stunde später: „Kannst du mir mal helfen – ich habe da was aus dem Internet gelöscht, da ist auf einmal alles weg.“ Nach solchen Aussagen benötigt man viel Geduld und Ruhe. Das absolute Highlight folgt am Tag darauf: Nachdem sich die Eltern nun selbst zu Online-Profis erklärt haben bitte ich sie, mir ein paar Fotos per E-Mail zu senden. Als Mama dann antwortet: „Aber ich brauche die doch auch noch“ fällt mir zunächst die Kinnlade herunter. Ein Tipp: Legt Euren Eltern eine kleine Liste mit den wichtigsten Befehlen, Adressen und Infos an – das spart viel Zeit und Nerven.

„Wir möchten auch WhatsApp“

Auch das Smartphone ist einige Monate nach dem Internet-Hype bei den Eltern eingezogen. Das gute alte Tastentelefon wird ausrangiert – schließlich gehört man noch lange nicht zum alten Eisen. Mit der Brille auf dem Kopf wird das Gerät aus einer gefühlten Entfernung von zwei Metern bedient. Ein paar Tage später kommt die Bitte: „Könntest du mir mal dieses WhatsApp auf mein Handy machen, das hat der Onkel jetzt auch.“

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Singende Schlümpfe spamen den Eingang

Nun gut, die App wird heruntergeladen und kurz erklärt. Großer Fehler! Seitdem verschickt meine Mutter täglich „lustige“ Youtube-Videos und Memes. Singende Schlümpfe und Katzenvideos spamen meinen Posteingang. Auch ist man über den Tagesablauf zu Hause nun immer auf dem Laufenden – fast jeder Schritt wird bildlich dokumentiert und weitergegeben. Die Krönung sind allerdings Kettenbriefe, die bei uns spätestens nach der Grundschule out waren, in der Generation Smartphone-Eltern aber wieder ihr Comeback feiern. Und wagt es ja nicht, diese nicht weiterzuschicken – das wird kontrolliert.

Emoticons, Emoticons, Emoticons

Meine Mutter hat sich unglaublich schnell mit Emoticons und dem Chat-Jargon vertraut gemacht – etwas zu schnell für meinen Geschmack. Es werden wie wild Kürzel verschickt und eine Nachricht, die nicht mindestens fünf Smileys enthält, hat es nach ihrer Ansicht nicht verdient, versendet zu werden. Bei jedem Wort wird erstmal geschaut, ob es sich durch ein Bild ersetzen lässt – warum auch nicht, das geht ja viel schneller. Hierbei unterscheiden sich allerdings meine beiden Elternteile. Während Mama mit langen bunten Texten glänzt, sind die Nachrichten von Papa nicht länger als eine Zeile – auch wenn er jedes Mal 20 Minuten benötigt, um diese zu verfassen.

Auch wenn die vielen Videos und Nachrichten manchmal etwas anstrengend sind, man freut sich doch darüber, dass Mama und Papa ihren Spaß an dem Medium gefunden haben. Daher lasst die Kritik besser sein und verderbt ihnen nicht die Freude – löschen lässt sich der Posteingang schnell wieder.

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