Symbolbild Würzburg
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Schweinfurter Hooligan muss erneut ins Gefängnis

Haftstrafe für Kevin B.

BAYREUTH. Schweinfurt-Fan oder Fußball-Schläger? Kevin B. (25), ein ehemaliger Hooligan, stand am Donnerstag vor Gericht, weil er nach einem Freundschaftsspiel der Bayreuther Altstädter gegen Schweinfurt 05 vor über einem Jahr auf Polizisten losgegangen ist.

Dass er einen Polizisten geschlagen hat, wurde ihm nicht nachgewiesen. Aber beleidigt hat er und heftig Widerstand geleistet. Das bringt den bald zweifachen Vater nun erneut ins Gefängnis.

Kevin B. (25) war einer der Schweinfurter Hooligans, „gewaltbereite Personengruppe“, „Kategorie C – Fans“ wie es im Polizei-Chargon heißt. Nach dem Spiel im Februar vor einem Jahr soll er mehrere Polizisten beschimpft haben. Kurz ging er mit erhobenen Fäusten auf einen weiteren Polizisten und seinen Kollegen los.

„Kaltmachen“ wollte er sie und „umhauen“. So soll er gedroht haben. Auf seinem Pulli stand: „Ich bin nichts für schwache Nerven“.

Die Beamten hatten vorher versucht, die Bayreuther und Schweinfurter Fans voneinander zu trennen. Mehrmals forderten sie die etwa 15 Schweinfurter auf, stehen zu bleiben, die beiden Gruppen sollten nicht aufeinandertreffen. Kevin B. (25) allerdings war einer von denen, die darauf nicht hören wollten. „Du Wichser sagst mir nicht, wohin wir gehen. Wir machen, was wir wollen“, soll er gesagt haben.

Obwohl Polizisten Pfefferspray gegen ihn einsetzten, ließ er von seinem Plan nicht ab.

Ein Reporter hielt das Geschehen zum Teil auf einem Video und mit Fotos fest. Im Prozess sagte der Journalist aus, dass der 25-Jährige wohl der Anführer war und wirklich stark provozierte. Der Angeklagte dementierte das. So groß war die Aggression des „Fans“ Kevin B., dass er sich sogar aus dem Polizeigriff löste, als man ihm Handschellen anlegen wollte. Einem Polizisten soll dabei die Nase blutig geschlagen worden sein.

Wer zugeschlagen hatte, ist bis heute nicht geklärt. Der verletzte Beamte sagte vor Gericht aus, dass er selbst nicht wüsse, wer ihn so zugerichtet hat. Es hätte sogar ein Kollege sein können, so der Beamte. Ruhig wurde der 25-Jährige erst dann, als ihn ein Polizist mit einem Schlagstock schlug und erneut Pfefferspray gegen ihn einsetzte.  Auch auf dem Video ist gut zu sehen, wie der Beamte ausholt und durchzieht.

Polizei diskutierte auch intern über den überzogenen Schlagstockeinsatz

Das Video des Reporters setzt ein, als die Polizisten mit dem Schweinfurter schon hart mit Pfefferspray und Schlagstock zur Sache gingen. Auch gegen mehrere Polizisten liefen Ermittlungsverfahren, sie wurden allessamt wieder eingestellt. Gegen den Bayreuther Stadtpolizisten mit dem Schlagstock, musste schon öfters intern ermittelt werden. Der Einsatzleiter von jenem Einsatztag lenkte vor Gericht ein.

„Der Schlagstockeinsatz wurde auch polizeiintern heiß diskutiert und kritisch gesehen“. Nicht jeder der Beamten war der Meinung, dass diese Prügel nötig waren. Auch der Richter zweifelte später in seiner Urteilsbegründung daran, dass es wohl das letzte Mittel gewesen wäre.

Kevin B. (25) wurde nicht unerheblich verletzt. Neben Bluterergüssen und Prellungen am Steiß und in der Lendengegend, wurde auch seine Wirbelsäule verletzt. Doch die internen Ermittlungen des LKA wurden eingestellt. Der unmittelbare Zwang sei nötig gewesen. Über dessen Umfang streiten noch heute alle Beteiligten. Auch unterlassene Hilfeleistung stand im Raum. Die Polizei machte einen teilweise überforderten Eindruck.

Angeklagter war kleinlaut und zeigte Reue

Jetzt seien ihm die Vorfälle „ziemlich unangenehm“. Er entschuldigte sich per Handschlag bei den Polizisten. „So wie Sie es aufgefasst haben, sei es nicht gemeint gewesen. Wirklich.“ Alles sei „ein bisschen übertrieben“ gewesen. Der 25-Jährige wollte einen Job im Sicherheitsgewerbe. Er wollte auf Flüchtlinge aufpassen. Im Saal wurde geschmunzelt und auch der junge Mann selbst sagte, „ich weiß, das klingt jetzt irgendwie blöd“.

Rechtsanwalt Ralf Peisl erklärte für seinen Mandanten, dass die Anklageschrift zwar „in den weitesten Teilen“ zutreffe. Zu allen Einzelheiten aber könne Kevin B. (25) nichts sagen, weil er zu stark betrunken war. Allerdings habe er sein Leben geändert: Er lebe seitdem abstinent, will den Führerschein machen. Sogar mit seiner Freundin ist er wieder zusammen – damals war er getrennt von ihr. Und er wird zum zweiten Mal Vater.

Das Wichtigste: Er habe sich aus der Fußballszene zurückgezogen, er wolle „sich dem Familienleben“ widmen. Mit dem Fußball verbinde ihn nur noch, dass er inzwischen Jugendtrainer einer Mannschaft geworden ist und auch selbst spiele. Von dem ehemaligen Hooligan war nichts mehr übrig. Im Sitzungssaal saß ein junger Mann, der einen glaubwürdigen resozialisierten Eindruck machte. Doch es war schon zu spät.

Er war „Die Axt im Wald“ – trotz offener Bewährungen

Kevin B. ist den Behörden nicht unbekannt. Zwei Jugendarreste und langjährige Freiheitsstrafen von mehr als vier Jahren, brachten ihn nicht auf den richtigen Weg zurück. Trotz Anti-Gewalt-Training kam es erneut zu einer Straftat. Schwerer Bandendiebstahl und Körperverletzung in mehr als 30 Fällen. Hinzu kommt Drogenbesitz in nicht geringer Menge. „Ich hatte Amphetamin, Haschisch, Marihuana“, erzählt der 25-Jährige. Vor allem der Alkohol, dem er seit einem Jahr abgeschworen hatte, brachte ihn immer wieder in Schieflage.

Zwei offene Bewährungen zur Tatzeit – die Taten die dahinter stehen, alles Gewaltdelikte. „Wenn ich mehrfach unter offener Bewährung stehe, dann kann ich nicht besoffen nach Bayreuth fahren und mich wie die Axt im Wald aufführen“, brachte es Staatsanwalt Matthias Eichelsdörfer auf den Punkt. Für ihn war klar: Da gibt es keine Bewährung. Verteidiger Ralf Peisl dagegen – er forderte eine empfindliche Geldstrafe für seinen Mandanten.

Haftstrafe war unvermeidbar

Sechs Monate wegen Beleidigung und Widerstand. Hinzu kommen noch die offenen Bewährungen. Kevin B. wird die Geburt seines Kindes und dessen Aufwachsen vom Gefängnis aus erleben müssen. Amtsrichter Stefan Käsbohrer sagte in seiner Urteilsbegründung, dass man schon beim zweiten Mal Bewährung viel Glück hätte.

Eine dritte Aussetzung sei absolut nicht machbar. „Leider passt der Vorfall komplett zu ihrer Lebensgeschichte“, so Käsbohrer weiter. „Was mir schleierhaft ist, warum diese Reststrafenbewährungen keine Rolle gespielt haben. Sie haben sich verhalten, wie wenn Sie nicht unter Bewährung standen“. Unter den Fangruppen – da hätte er sogar Verständnis gehabt wegen Beleidigungen und Rangeleien. Aber hier sei es halt so, dass der Verurteilte sich mehfach gegenüber der Polizei so aggressiv verhalten hatte.

Auf Nachfrage von Reporter24 erklärte Kevin B. am Donnerstagabend, dass er wohl keine Revision gegen das Urteil einlegen würde. „Hat doch keinen Sinn. Der Drops ist gelutscht“, fügte er an.

Text und Fotos: Reporter24/Markus Roider

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