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Symbolbild Schweinfurt
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Rathenau-Schüler kämpfen für Erhalt ihrer Schulen

Schüler melden sich zu Wort

Seit einigen Tagen herrscht eine große Debatte bezüglich des geplanten Auslaufens der Rathenau-Schulen. Jetzt meldet sich auch die Schülerschaft zu Wort und geht mit diversen Protestaktionen gegen eine Schließung vor. Auf der Facebookseite „Rettet unsere Schulen“ machen sie auf ihr Anliegen aufmerksam und bitten um Unterstützung. Für Montag, den 20. Juni, haben die Schüler dort eine friedliche Demonstration für den Erhalt ihrer Schulen, sowie der Realschule Schonungen, angekündigt.

Für den Erhalt der Schulen

Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Walther-Rathenau Schule. Von dort aus soll es gemeinsam zum Marktplatz gehen, um Präsenz und Unverständins gegen diese Entscheidung zu zeigen. Wir haben die Schüler zu ihren Protestaktionen befragt:

Warum protestiert ihr gegen ein Auslaufen des Rathenau Gymnasiums?

„Zuerst wollten wir uns als Schüler bedanken, dass sich jemand unsere Sicht der Dinge anhört und diese auch nach außen trägt. Genau hier haben wir auch schon den ersten Punkt, weswegen wir uns gegen diese Entscheidung wehren. Die Kommunikation zwischen den Verantwortlichen dieser Entscheidung und uns Schülern, Lehrern und Eltern war nicht in Ordnung. Hier fühlen wir uns einfach übergangen, da weder nach unseren Sorgen noch nach unserer Meinung gefragt wurde. Wir mussten dies am Freitag bzw. Samstag einfach so hinnehmen.

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Nachdem der erste Schock und die Enttäuschung verdaut waren, überlegten wir uns alle, was dieser Entschluss nun bedeutet und welche Konsequenzen und Nachteile er mit sich bringt. Unsere Lehrer würden alle in die Arbeitslosigkeit geraten. Sie haben sich hier ihr Leben aufgebaut, wozu auch Häuser und Kinder gehören.“

„Zwar wird überall davon berichtet, dass sie für die nächsten 10 Jahre angestellt bleiben, was jedoch nicht realistisch ist. Da jedes Jahr eine Klasse entfällt, müssen dementsprechend auch immer mehr Lehrer die Schule verlassen. Und auch für uns Schüler ist das negativ. Viele Lehrer müssen sich jetzt schon um neue Jobs kümmern und werden bei entsprechenden Angeboten die Schule verlassen, um ihre eigene Zukunft zu sichern.

In der Presse war auch zu lesen, dass viele Lehrer nach den 10 Jahren in Rente gehen, da der Altersdurchschnitt 59 Jahre beträgt. Auch hier liegen schlichtweg Fehlinformationen vor. Der Altersdurchschnitt bezieht sich nur auf die Lehrer mit Beamtenstatus, und wie bekannt ist stellt die Stadt seit vielen Jahren keine Beamten-Lehrer mehr ein. Von 120 Lehrern besitzen grade mal um die 20 Lehrer diesen Sonderstatus.“

„Aber nicht nur die Zukunft der Lehrer hängt uns am Herzen. Viele dieser Lehrer haben tolle Sachen mit uns Schülern vollbracht und erarbeitet. So können wir uns eine Fairtrade-Schule nennen und sind in Besitz der EssAG. Der Schüleraustausch mit China, Brasilien und Frankreich ist ebenfalls für jeden Schüler eine schöne Erfahrung und ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schule. Selbiges gilt auch für die Chorklassen von Herr Kunkel, der in mühevoller Arbeit jedes mal aufs neue großartige Konzerte erarbeitet.

Wir können außerdem mit Stolz behaupten, dass wir mit den Tabletklassen eine innovative Form des Unterrichtes anbieten, der sowohl bei Schülern als auch Eltern großen Anklang findet. Wir können und wollen uns unsere hart erarbeiteten Projekte nicht nehmen lassen und werden deshalb versuchen mit allen Mitteln unsere Schule zu retten.“

Welche Aktionen sind geplant?

„Um unser Ziel zu erreichen sind einige Aktionen geplant, wobei die Facebook Aktion nur der Anfang war. Wir fertigen in den Unterrichtsstunden gemeinsam mit unseren Lehrern Plakate an und hängen diese an die Fenster unserer Schule. Auch Bettlaken werden zur visuellen Unterstützung bemalt und deutlich aufgehängt.

Außerdem wollen wir mit unserem Anliegen an die Öffentlichkeit treten und die Medien nutzen. Wir versuchen unsere Ansichten im Radio, den Print- und sozialen Medien zu verbreiten, damit jeder Bürger merkt, dass wir dieser Entscheidung nicht akzeptieren. Ab Mittwoch werden wir Portraits von Schülern und Lehrern fotografieren, die ein Schild mit der Aufschrift „WIR sind Rathenau“ in der Hand halten. Wir wollen mit dieser Aktion dem Protest ein Gesicht geben und zeigen, dass es hier um Menschen geht und nicht nur um finanzielle Aspekte.“

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„Des Weiteren sind wir grade dabei eine Demonstration zu organisieren. Dies geschieht ausschließlich durch die Schüler und wird mit viel Engagement von allen Beteiligten verfolgt. Die wichtigste Aktion findet jedoch am Freitag statt. Wir nutzen unser Schulfest um Unterschriften gegen die Schließung zu sammeln und um Geschlossenheit und Gemeinschaft zu demonstrieren.

Wir bitten deswegen auch jeden, dem die Schule am Herzen liegt und der unsere Sichtweise versteht, eine Unterschrift zu setzen. Alle gesammelten Unterschriften werden dem Bürgermeister dann vorgelegt, um ihn noch von seiner Entscheidung abzubringen.“

Steht die ganze Schülerschaft hinter dem Protest?

„Auf die Frage gibt es nur eine Antwort: JA! So einen Familienzusammenhalt und so viel Engagement habe ich in meiner gesamten Schülerlaufbahn noch nicht erlebt. Wir sprechen uns mit den Lehrern über geplante Aktionen ab, sammeln Ideen, basteln Plakate und helfen alle zusammen. Die Oberstufe kommuniziert mit der Unterstufe und das Alter spielt keine Rolle. Wenn eins klar ist, dann die Tatsache, dass wir als Familie zusammengewachsen sind und gestärkt aus dieser schweren Zeit herausgehen. Ganz besonders möchte ich an dieser Stelle auch die Mitschüler aus Schonungen loben, mit denen ebenfalls eine sehr gute Rücksprache und Planung möglich ist.“

Wie stehen die Lehrer dazu?

„Die Lehrer stehen voll und ganz hinter uns und wir hinter ihnen. Wir halten ständige Rücksprache und haben gegenseitig immer ein offenes Ohr für uns. Die Lehrer beeinflussen uns nicht oder geben uns Aktionen vor, nein, sie halten uns lediglich den Rücken frei und unterstützen uns mit allen Mitteln bei unseren Vorhaben. Dieser Zusammenhalt erfüllt uns alle mit Stolz und selbst wenn die Schule geschlossen wird, können wir erhobenen Hauptes sagen, dass wir alles gegeben haben. Besonders bemerkenswert war eine Durchsage mitten im Unterricht, in der sich die Lehrer für unseren Tatendrang bedankten.“

Wie wurde Euch die Schließung kommuniziert?

„Gar nicht. Es gab keine Kommunikation im Vorfeld oder Anzeichen, dass eine Schließung erfolgt. Am Freitag erfuhren wir es, als Herr Remelé unser Konzert im Theater, auf das wir zwei Jahre lang hingearbeitet haben, für seine Politik nutzte, gar missbrauchte. Das Konzert war dementsprechend auch von einer düsteren Stimmung bestimmt. Am Montag wurde uns von den Lehrern direkt gesagt was Sache ist und keiner hat um den heißen Brei geredet. So eine Offenheit hätten wir uns von der Stadt gewünscht, die jedoch in einem sehr unschönen Rahmen und ohne Vorwarnung die Tatsache darlegte.“

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