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Symbolbild Schweinfurt
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Experte: Das steckt hinter Fetischismus

Fetisch im Internet

Vor einiger Zeit haben wir einen anonymen Gastbeitrag veröffentlicht. Darin ging es um skurrile Anfragen, Wünsche und Sehnsüchte, die Menschen an andere herantragen. Das Ganze wird schnell als Fetischismus, häufig auch als eklig, peinlich und beschämend bezeichnet. Doch was steckt eigentlich dahinter? Wann ist ein Fetisch tatsächlich ein Fetisch? Kann eine Neigung gefährlich werden? Wir haben einen Experten gefragt. Lorenz Wohanka von Bewegung in Balance ist Diplompsychologe. In seinem Arbeitsalltag beschäftigt er sich mit dem Verhalten und Erleben von Menschen.

Was steckt hinter Vorlieben wie Fußfetischismus, Würgen oder bestimmten Materialien?

Lorenz Wohanka: Dazu gibt es unterschiedliche Theorieansätze in der Psychologie und Psychotherapie. Wobei Handlungen wie Würgen nochmal vom Fetischismus abzugrenzen sind. Dabei handelt es sich nicht um dasselbe Phänomen, sondern um einen Übergang in etwas anderes, den Masochismus beziehungsweise Sadismus. Welches der beiden zutrifft, entscheidet die Rolle, die jemand übernimmt. Alle diese Verhaltensweisen und einige mehr werden als Paraphilien bezeichnet. Das bedeutet Menschen werden von ungewöhnlichen Handlungen oder Phantasien zu Objekten, die normalerweise nicht sexuell erregend sind, angezogen. Sie erlangen dadurch sexuelle Erregung und Befriedigung.

Wann wird etwas zum Fetisch?

Lorenz Wohanka: Grundsätzlich liegt einem Fetischismus eine Konditionierung zugrunde. Das heißt, Menschen reagieren auf einen Reiz intensiv, der eigentlich nicht sexuell bedeutsam ist. Überwiegend trifft dies übrigens auf Männer zu. Dies kann mit oder ohne Sexualpartner geschehen, womit ein scheinbar sehr breites Spektrum eröffnet wird. Doch jemand, der Reizwäsche attraktiv und erregend findet, ist deshalb noch kein Fetischist. Erst wenn etwas immer bevorzugt wird, also einem realen Partner vorgezogen wird oder zwingend eingesetzt werden muss, spricht man von Fetischismus. Diese Anziehung wird als zwanghaft erlebt und geschildert. Die Ursachen dieser Veränderungen sind im Grunde unbekannt, wobei das Verhalten oft im Jugendalter beginnt.

Ab wann wird es gefährlich für die Person selbst und andere?

Lorenz Wohanka: Immer dann, wenn Menschen die Kontrolle über sich verlieren. Wer ein Opfer seines Fetischs wird, also ohne ihn nicht mehr fähig ist, sexuell genussvoll aktiv zu sein, der entwickelt ein suchtähnliches Verhalten. Für Partner wiederum wird es unangenehm, wenn sie solche Neigungen nicht teilen und sich andere Formen des sexuellen Umgangs wünschen.

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Anonym: Skurrile Anfragen im Internet

Gefährlich für Partner kann es werden, wenn der Andere ihn dominiert oder gar zu zwingen versucht. Dort liegt dann die Grenze zu missbräuchlichem Umgang. Sobald diese zwischenmenschliche Grenze überschritten wird, ist es hochgefährlich.

Wie sollte die Person selbst damit umgehen?

Lorenz Wohanka: Eine Person selbst sollte mit ihrem Fetischismus sehr bewusst umgehen. Im Grunde handelt es sich um eine Störung, die sehr viel Leiden für den Betroffenen mit sich bringen kann. Entscheidend ist für Personen, die einen Fetischismus haben: Wenn man merkt, dass ohne den Fetisch kein sexueller Umgang mehr möglich ist, empfehle ich den Gang zu einem Experten. Einschlägig erfahrene psychotherapeutische Kolleginnen und Kollegen sind in der Lage Betroffenen zu helfen.

Wie sollte man mit solchen Personen im Internet/in der Realität umgehen?

Lorenz Wohanka: Trifft man auf jemanden, der fetischistische Neigungen hat und diese nicht erwidern möchte, empfiehlt sich zunächst Abstand. Sexuelle Vorlieben und sexueller Umgang sind ein hoch sensibles und intimes Feld. Jeder Mensch darf und muss für sich definieren, welche Erfahrungen er oder sie machen möchte.

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