Das nackige Kind in der Badewanne auf Facebook & Co.? Fachanwältin für Familienrecht Dr. Michelle Küster rät zur Vorsicht. Foto: Pascal Höfig
Das nackige Kind in der Badewanne auf Facebook & Co.? Fachanwältin für Familienrecht Dr. Michelle Küster rät zur Vorsicht. Foto: Pascal Höfig

Streitpunkt: Kinderfotos im Internet

Wenn Eltern ihre Kleinen in jeder Lebenslage posten

In der anwaltlichen Praxis begegnen Frau Dr. Küster, Fachanwältin für Familienrecht bei der Rechtsanwaltskanzlei Bendel & Partner, nicht nur Streitigkeiten über Umgang, Sorgerecht oder Geldangelegenheiten. Manchmal geht es um die viel einfacheren Dinge des alltäglichen Lebens, die ein Elternteil dazu bringen können, den anderen zur Weißglut zu treiben. Zu den immer wieder auftauchenden Streit- und Reizthemen gehört die Frage, ob Kinderbilder im Internet bei Facebook oder anderen sozialen Plattformen verbreitet werden dürfen – diese Frage erörtert sie im Folgenden für uns:

Auch Kinder haben ein Persönlichkeitsrecht

Rechtlich ist festzuhalten, dass auch Kinder ein Persönlichkeitsrecht haben. Fotos von ihnen dürfen also nicht veröffentlicht und verbreitet werden, wenn keine Einwilligung dafür vorliegt. Da in den meisten Fällen beide Elternteile sorgeberechtigt sind und gemeinsam (!) 100 % der elterlichen Sorge zusammen ausüben, müssen sie auch bei der Veröffentlichung von Bildern der Kinder gemeinsam entscheiden.

Je nachdem, wie alt und einsichtsfähig das Kind ist, braucht man zur Veröffentlichung und Verbreitung von Kinderfotos aber auch die Einwilligung des Kindes selbst. Spätestens, wenn ein Kind 14 Jahre alt ist, kann von einer solchen Einsichtsfähigkeit ausgegangen werden.

Einmal im Netz – niemals wieder spurlos löschbar

Unabhängig davon sollte man wissen: Die Polizei und die Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes warnen eindringlich davor, Fotos von Kindern für jedermann sichtbar bei Facebook und in anderen sozialen Netzwerken zu posten. Die Polizei warnt sogar vor dem Einstellen von ganz seriösen und an sich unspektakulären Bildern.

Sind Bilder einmal im Netz, verliert man nicht nur die Kontrolle über das Bild als solches, sondern gleichzeitig die Persönlichkeitsrechte des Kindes. Als Mitglied der Internetplattform „Facebook“ zum Beispiel gewährt man Facebook für Inhalte, die durch Rechte am geistigen Eigentum geschützt sind, also Fotos und Videos (IP-Inhalte) ausdrücklich eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die man auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz).

Diese IP-Lizenz endet zwar, wenn man diese IP-Inhalte oder sein Konto löscht – nicht aber, wenn die Inhalte mit anderen geteilt wurden und von diesen nicht gelöscht wurden. Auch bestehen selbst für entfernte Inhalte noch weiterhin Sicherheitskopien. Eltern sollten also bedenken, dass Kindern selbst noch nach Jahren Kinderbilder, die im Netz nicht spurlos zu löschen sind, peinlich sein könnten. Was peinlich oder albern ist, entscheiden dabei leider nicht die Eltern, sondern auch Mitschüler, Bekannte und Freunde. So können Kinder aufgrund solcher Bilder direkt oder erst später Mobbingattacken ausgesetzt sein, ohne dass sie sich wehren können.

Pädophile auf Bildersuche im Netz

Hinzu kommt, dass nackt abgebildete Kinder von Wickeltisch, Badewanne oder Strand oder Sandkasten auch für ganz unliebsame Zeitgenossen interessant sein könnten: In der Tat suchen pädophile Persönlichkeiten oft ganz gezielt nach solchen Motiven und verbreiten diese auch weiter. Eltern sollten also besonders sorgfältig auf den Schutz ihrer Kinder achten.

Das abgebildete Kind und auch die sorgeberechtigten Eltern haben übrigens auch gegenüber Dritten, die Bilder veröffentlichen, einen Anspruch auf Unterlassung, gegebenenfalls sogar auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Auch strafrechtliche Folgen kommen in Betracht, zum Beispiel bei Verletzung des Kunst- und Urheberrechtsgesetzes.

Privatsphäre wahren

Zum Schluss bleibt von Anwaltsseite nur folgender Rat: Bevor Sie ein Foto von Ihrem Kind posten, sollten Sie daran denken, wie genau Sie selbst bei eigenen Fotos überlegen, ob sie diese öffentlich im Internet stehen haben möchten – und bei Ihrem Kind einfach noch einmal mehr darüber nachdenken. Hilfreich sind auch die Privatsphäre-Einstellungen, mit denen man sich unbedingt vertraut machen sollte – sodass die Fotos zumindest nur einem eingegrenzten Bereich von Personen zugänglich sind, der hoffentlich die Bilder nicht seinerseits weiterverbreitet.

Außerdem bleibt es schließlich auch den Eltern überlassen, wie genau sie ihre Kinder zeigen: Ob Verpixeln, Verdecken oder nur von hinten fotografieren – das alles sind Tricks, um die Privatsphäre der Kinder zu wahren. Und zu guter Letzt vor allem Eines: Natürlich die Kinder fragen, ob ihnen das Bild gefällt und sie es auch Dritten zeigen möchten.

Über die Kanzlei “Bendel & Partner”

Bendel & Partner ist eine der führenden Kanzleien für Wirtschaftsrecht in Franken. Ein Team von mehr als 30 Rechtsanwälten und insgesamt ca. 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Büros in Würzburg, Schweinfurt, München und Aschaffenburg berät kleine, mittelständische und große Unternehmen sowie Privatpersonen bundesweit in allen Fragen des Wirtschaftsrechts, aber auch in vielen weiteren Teilbereichen der Rechtssprechung, u.a. dem Arbeits-, Familien- oder Immobilienrecht. Schwestergesellschaft der Rechtsanwaltskanzlei ist die Bendel Insolvenzverwaltung AG. Fragen in familienrechtlichen Angelegenheiten? Frau Dr. Küster erreichen Sie unter kuester@bendel-partner.de oder unter der +49 9721-3860945.

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