Sechs junge Erwachsene wurden leblos in einer Gartenhütte bei Arnstein aufgegfunden. Foto: Pascal Höfig
Sechs junge Erwachsene wurden leblos in einer Gartenhütte bei Arnstein aufgegfunden. Foto: Pascal Höfig

Tod von sechs Teenagern: Warum wird überhaupt angeklagt?

WÜRZBURG/ARNSTEIN. Nach dem Tod von sechs Teenagern in einer Gartenlaube bei Arnstein, muss sich seit gestern Vormittag der Vater zweier Opfer vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52 Jahre alten Mann fahrlässige Tötung ins sechs Fällen vor.

Es sollte eine fröhlich Geburtstagsfeier unter Freunden werden und endete in einer Tragödie. Sechs Teenager im Alter von 18 und 19 Jahren sind im Januar in einer Gartenlaube bei Arnstein tot aufgefunden worden. Sie kamen auf unglückliche Weise ums Leben. Am Mittwoch stand der Vater zweier Opfer erstmals vor dem Landgericht in Würzburg – der Auftakt eines Prozesses, der eine ganze Stadt bewegt. Denn: Eine Kette leichtsinniger Fehler des 52 Jahre alten Mannes soll die sechs Jugendlichen ihr Leben gekostet haben.

Eine Tragödie

Um seiner Tochter einen schönen 18. Geburtstag zu ermöglichen, hatte der Angeklagte die Gartenlaube auf seinem Grundstück vorbereitet. Da die Hütte nicht an ein Stromnetz angeschlossen ist, kaufte er in einem Baumarkt kurz vorher einen benzinbetriebenen Stromgenerator. Die Jugendlichen wollten für die Feier die Musikanlage und den Herd betreiben.

Nun steht der Mann wegen muss sich nun wegen fahrlässiger Tötung ins sechs Fällen vor dem Gericht. Der Strafrahmen hierfür reicht von einer Geldstrafe bis hin zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, jegliche Warnhinweise auf dem Gerät sowie die Bedienungsanleitung ignoriert zu haben.

Außerdem hätte er das Gerät mit einer laienhaft montierten Rohr-Konstruktion versehen, die Abgase nach außen leiten sollte. Im Laufe des Abends des 28. Januar lösten sich die Rohre und fielen zu Boden. Noch vor Mitternacht sind die Jugendlichen, darunter auch die Tochter und der Sohn des Angeklagten, laut Staatsanwaltschaft durch das Kohlenmonoxid verstorben.

Erklärung zum Verfahren

Da der Unmut über die Anklage gegen den Vater in der Bevölkerung recht groß ist, möchten wir Euch kurz erklären, warum es überhaupt zu einer Anklage wegen einer fahrlässigen Tötung kommt.

Was bedeutet „fahrlässige Tötung“?

Wer fahrlässig handelt, hatte grundsätzlich nicht vor jemanden zu schädigen. Es kann also kein Vorsatz bei einer fahrlässigen Tötung geben. Grundsätzlich wird geprüft:

– Ging der Tötung ein fahrlässiges Verhalten bzw. eine Verletzung der Pflichten voraus?

– Besteht ein Zusammenhang zwischen der Pflichtverletzung und dem Tod des Opfers?

– Wie vorhersehbar war der Ausgang dieser Situation für den Täter?

– Wäre es möglich gewesen, den Tod des Opfers abzuwenden?

Wann mache ich mich wegen fahrlässiger Tötung strafbar?

Das Gesetz ist hier recht klar: „Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, verwirklicht den Straftatbestand der fahrlässigen Tötung gemäß § 222 Strafgesetzbuch (StGB).“

Warum wird angeklagt?

Wenn ein Mensch verstirbt, muss der Tod von einem Arzt festgestellt werden. Wenn ein natürlicher Tod nicht bescheinigt werden kann, ist die Polizei nach dem Gesetz verpflichtet zu ermitteln, um die Ursache des Todesfalles zu klären. Hierbei muss herausgefunden werden, ob der Tod vorsätzlich, fahrlässig oder durch fremdes Verschulden verursacht wurde.

Ein natürlicher Tod liegt dann vor, wenn dieser auf eine alters- oder krankheitsbedingte innere Ursache zurückzuführen ist.

Bei einem Unfall, Suizid, Fremdverschulden oder einer Einwirkung von außen (zum Beispiel nach einer ärztlichen Behandlung oder einem operativen Eingriff) ist, wird von einer unklaren Todesursache / ein nichtnatürlichen Tod ausgegangen.

Kommt ein Mensch durch Fremdverschulden zu Tode, muss die Staatsanwaltschaft ermitteln, um welche Art des Tötungsdelikts es sich handelt. Dieser Tatbestand wird dann zur Anklage gebracht.

Das Strafmaß für fahrlässige Tötung wird in § 222 StGB mit Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe definiert. Bei der Urteilsfindung kommt es immer auf die Schwere der Pflichtverletzung an. Daher muss jeder Fall vor Gericht genau überprüft werden. Der Richter wird herausfinden, inwiefern der Täter die Tat hätte verhindern können. Ein Strafmaß kann hier individuell verhängt werden.

Es ist also trotz des schrecklichen, hoch emotionalen Falles durchaus korrekt Anklage zu erheben und entweder eine Schuld nachzuweisen oder auszuschließen.

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