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Industriestandort Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig
Industriestandort Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

„Jetzt red i“ in Schweinfurt: Jeder dritte Arbeitsplatz bedroht?

Die Arbeitslosenquote liegt unter drei Prozent, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung in Bayern. Nach einer DGB-Studie sind aber 2,3 Millionen Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, wie z.B. Teilzeit oder Leiharbeit. Zudem ist das Thema „Digitalisierung“ vor allem in Schweinfurt präsent, viele machen sich Sorgen, von Robotern ersetzt zu werden.

Die gestrige „jetzt red i“-Sendung live aus der Schweinfurter Stadthalle beschäftigte sich deshalb mit dem Thema „Revolution der Arbeitswelt“. Die Schweinfurter/innen diskutierten mit der bayerischen Arbeits- und Sozialministerin Emilia Müller (CSU) und dem Bundestagsabgeordneten Klaus Ernst (Die Linke). Was die Schweinfurter besonders beschäftigte: das Thema Leiharbeit!

Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzen

Nach Massenentlassungen in den 90er Jahren hat sich die Stadt Schweinfurt durch Betriebsansiedelungen erholt und zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsstandorten in Deutschland. Doch der Blick in die Zukunft ist nicht sorgenfrei, mehr als anderswo im Freistaat könnten die Arbeitsplätze durch Digitalisierung wieder wegfallen. David Firsching (Elektriker, SKF) aus Schweinfurt berichtet von einer aktuell boomenden Wirtschaft: „Wir platzen aus allen Löchern, viele Bereiche arbeiten 24 Stunden, sieben Tage die Woche“, erklärt der 25-Jährige.

SKF in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

SKF in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

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Laut der gestrigen Sendung besagen Studien allerdings, dass jeder dritte Arbeitsplatz in Schweinfurt künftig von Maschinen übernommen werden könnte. Das wären bei 20.000 Industriearbeitsplätze in Schweinfurt im Extremfall über 6.500 Jobs. Auch wenn er die Industrie 4.0 noch nicht so stark spürt, vermutet David, dass diese Revolution der Arbeitswelt auch in Schweinfurt ankommen wird. Allerdings baut er auf eine starke Gewerkschaft: „Wir haben eine starke Gewerkschaft und einen starken Betriebsrat im Rücken. Ich gehe stark davon aus, dass es auch uns treffen wird, aber nicht so heftig wie andere!“

Auf Digitalisierung vorbereiten

Klaus Ernst sieht in der Digitalisierung auch Chancen: „Es wird Berufe geben, die werden neu hinzukommen durch die neuen Techniken und es werden welche wegfallen“. Als entscheidenden Punkt sieht Ernst allerdings die Weiterbildung. Auch in den Schulen müsse man bereits auf die Digitalisierung vorbereiten.

„Sachgrundlose Befristung gehört verboten“

Daneben wurde in der Sendung vor allem das Thema Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse kontrovers diskutiert, wobei gegensätzliche Meinungen sowohl bei den Schweinfurtern, als auch bei den beiden Gästen aus der Politik vorherrschten. „Sachgrundlose Befristung gehört verboten“, erklärt beispielsweise Ernst. Emilia Müller sieht Leiharbeit und Zeitarbeit hingegen als wichtig an. „Für mich ist die Leiharbeit z.B. auch ein Sprungbrett in eine Vollbeschäftigung“, kommentiert die bayerische Sozial- und Arbeitsministerin und erntet dafür spöttisches Gelächter der Schweinfurter Studiogäste.

Ein Studiogast sieht den Anteil der Schweinfurter, die in Leiharbeitsverhältnissen sind, als nicht der Rede wert und bezieht sich dabei auf Angaben des Chefs der Arbeitsagentur Schweinfurt. Laut diesem seien nur 1,2 Prozent der sozialversichungspflichtigen Beschäftigten im Bezirk Schweinfurt als Leiharbeiter beschäftigt. Dem hingegen bezieht sich ein weiterer Schweinfurter darauf, dass Leiharbeiter mehr verdienen müssten, da sie die Flexibilität bringen, die die Arbeitgeber wollen. Und auch bei den Kommentaren, die online in der Sendung eintreffen, wird das Thema Leiharbeit keineswegs positiv gesehen.

Über „Jetzt red i“

„Jetzt red i“ ist eine Bürgersendung, die 1971 von einem Journalisten konzipiert wurde und im BR Fernsehen ausgestrahlt wird. Hierbei können die Bürger ihre Anliegen und Probleme schildern und bayerische Politiker live damit konfrontieren. Die Fernsehmacher kommen hierbei zu den Bürgern in die Stadt, beispielsweise in ein Wirtshaus. Diskutiert wird sowohl über lokale, als auch über regionale und überregionale Themen.

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