Kenia Pawlik mit Komponist James Newton Howard. Foto: Alexander Pfriem
Kenia Pawlik mit Star-Komponist James Newton Howard. Foto: Alexander Pfriem

Schweinfurterin mit Star-Komponisten auf der Bühne

James Newton Howard, einer der erfolgreichsten Filmusik-Komponisten der Welt, suchte für seine Tournee Sängerinnen, die seinen Revolutionssong „Hanging Tree“ aus dem Trilogie-Erfolg „Tribute von Panem“ auf der Bühne performen. Und eine Schweinfurterin hat die Competition gerockt – für das Konzert am 22. November in München war Kenia Pawlik die glückliche Auserwählte. Wir haben die 20-Jährige u.a. gefragt, wie groß das Lampenfieber war und wie es ist, mit dem Weltstar auf der Bühne zu stehen.

Kenia im Interview

Schweinfurt City (SC): Was hast du als erstes gemacht, als du erfahren hast, dass du den Contest gewonnen hast? 
Kenia: Ich hab damals auf dem Weg zum Gassi gehen mit meinem Hund meine Mails gecheckt und konnte es kaum fassen, als ich die Mail mit dem Anfang „Congratulations“ gelesen habe. Ich ahnte was passiert war und meine Vermutung wurde bestätigt: ich war die Auserwählte für München. Ich hätte Platzen können vor Freude – bin dann sofort zu meinen Eltern gefahren, um die freudige Nachricht zu überbringen.

Die sind aus allen Wolken gefallen, weil sie von meiner Teilnahme bei der Competition bis dahin nichts wussten. Sind im Kreis gehüpft vor Freude und waren wahnsinnig stolz, bzw. sind es immer noch. Nach und nach hab ich dann meinem Freund, meinen Freunden und Bekannten die Nachricht überbracht, dass ich es geworden bin und alle haben sich riesig gefreut. Für mich fühlte sich das alles gar nicht richtig real an, ich konnte es nicht glauben, dass ich die Auserwählte für das Konzert in München bin. Ich war total aufgeregt und mega happy.

SC: Du stehst oft auf der Bühne, hast u.a. beim Bundeswettbewerb Jugend Musiziert einen Preis abgestaubt – ist man überhaupt noch aufgeregt?
Kenia: Genau, ich hab damals 2013 den ersten Preis des Bundeswettbewerbs Jugend Musiziert in der Sparte Popgesang gemacht – das war ein sehr cooles und spannendes Erlebnis! Bzgl. Bühnenerfahrung: Ich hab schon sehr viel Bühnenerfahrung gesammelt. Mit 12 hab ich beim Gesangskontest Kika-Live Beste Stimme 2010 mitgemacht und landete auf Platz 4. Die Sendungen waren immer Live und ich war jedes Mal wahnsinnig aufgeregt, da mir bewusst war, wie viele Menschen mich gerade im Fernsehen sehen.

Damals war ich noch total schüchtern und die Erfahrung war total aufregend für mich. Mit den Jahren hat sich meine Schüchternheit immer mehr gelegt und durch die vielen Gigs mit meiner Band, mit meinem Pianisten und mit meiner Big Band bin ich heute zu einer kleinen Rampensau geworden, haha. Wobei ich trotzdem noch aufgeregt bin. Vor den Gigs ist die Aufregung immer am stärksten, wenn der Gig dann losgeht, kann ich mich völlig fallen lassen und die Musik genießen. So ein bisschen Lampenfieber gehört aber bei jedem Musiker dazu. Das ist ganz normal.

SC: War das Lampenfieber in München größer als sonst?
Kenia: Das Lampenfieber in München war erstaunlich milder als erwartet. Ich bin morgens aufgestanden und war zu meiner eigenen Verwunderung total entspannt. Ich bin dann mit meinem Kumpel losgefahren und erst als wir in München ankamen, hab ich eine kleine Nervosität gespürt. Das Ding war, dass mir alles einfach nicht ganz real erschien, weil das alles so verrückt war. Am Nachmittag hab ich mich dann mit dem Kamerateam vom BR getroffen. Sie begleiteten mich während meines Soundchecks und kurz vor dem Konzert in meiner Garderobe.

Sie hatten auch die Erlaubnis bekommen, meinen Auftritt komplett mitzufilmen, was ich total cool fand. Nochmal zur Aufregung: Während des Soundchecks und des Kennenlernens von James Newton Howard war ich dann schon nervös, ganz viele neue Eindrücke. Mir wurde erst beim Soundcheck gesagt, dass ich nicht mit Mikro singen werde, sondern mit Head Set. Das war für mich das erste mal mit Head-Set, In-Ear Monitoring, Click im Ohr und hohen Schuhen auf der Bühne. Außerdem wurde mir beim Soundcheck gesagt, dass ich einen kleinen Walk während meines Songs hinlegen muss. Da waren auf der Bühne 2 „X“, zu denen ich jeweils hinlaufen musste. Ich stand also vor dem Auftritt hinter der Konzert-Tür, hörte vor meinem Einstieg 4 Klicks, die Tür ging auf, ich fing das Singen an, lief während dessen zum 1. X und nach der 2. Strophe lief ich dann weiter zum 2.X.

Das alles haben wir beim Soundcheck geübt. Das hatte mich tatsächlich etwas nervös gemacht, da ich ein wenig Schiss hatte, dass ich mit den hohen Schuhen über die Schleppe meines Kleids fallen könnte. Außerdem war es sehr ungewohnt für mich, kein Mikro in der Hand zu haben, sondern nur ein Head-Set zu tragen. Je näher der Konzert Beginn rückte, desto nervöser wurde ich. Ich wartete in meiner Garderobe, bis mich die Stage Managerin kurz vor meinem Auftritt abholte. Vor der Konzerttür wurde ich dann noch verkabelt und dann ging es auch schon los. Und der Auftritt war so schnell vorbei, der Wahnsinn! Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich schon gesungen habe haha. Mir fehlten die Worte nach dem Auftritt, es war der absolute Wahnsinn!

SC: Bist du im Nachhinein zufrieden mit deinem Auftritt?
Kenia: Ich bin total zufrieden mit meinem Auftritt. Es war ein magischer und wahnsinnig toller Moment für mich. Bis zur 2. Strophe war ich noch etwas nervös und konnte mich nicht komplett fallen lassen. Aber als ich dann direkt neben James Newton Howard stand, anschließend der Chor hinter mir einsetzte, war ich eins mit der Musik. Es war unglaublich schön und ich habe es sehr genossen. Auch die neue Erfahrung mit Head-Set, In-Ear Monitoring etc und das erste Mal mit so einer wahnsinnig großen Besetzung im Rücken war atemberaubend! Als James mir während des Applaus ein Küsschen gab, musste ich mir ein paar Tränchen verdrücken, weil ich so berührt war von diesem tollen Moment. Schon während des Soundchecks konnte ich ein paar Stücke von James mit anhören.

Kenia Pawlik. Foto: Peter Leutsch

Kenia Pawlik. Foto: Peter Leutsch

Während den Stücken liefen jeweils auf einer Leinwand im Hintergrund die passenden Film-Passagen mit. Das war so ergreifend und so schön! Er hat für Filme wie King Kong, Snow White & The Huntsman, Tribute von Panem, Pretty Woman oder The Dark Knight etc. die Filmmusik komponiert – das ist so krass! Ich bin immer noch fasziniert von diesem großartigen Künstler. Nach dem Konzert durfte ich ihn auch persönlich kennenlernen. Trotz seines so großen Erfolges ist er ein so bodenständiger und lieber Mensch. Ich bin unglaublich dankbar und froh, dass ich Hanging Tree für ihn singen und ihn kennenlernen durfte.

SC: Was war der peinlichste Moment, den du je auf der Bühne erlebt hast?
Kenia: Hm da fällt mir eigentlich gar kein so peinlicher Moment ein. Zwei Dinge, die im Nachhinein aber eigentlich sehr lustig waren: Bei einem Konzert ist plötzlich mein Mikro ausgegangen, weil die Technik Crew die Batterien nicht gewechselt hat. Aber das Publikum hat es mit Humor genommen und ich hab auch trotz totem Mikro weitergesungen. Bei einem Gartenfest von einem Bekannten hab ich mal bei einem deutschen Song einen Text-Aussetzer gehabt. Aber war gar nicht wild, ich hab einfach spontan ein paar eigene deutsche Sätze dazugedichtet und es hat sogar ziemlich gut gepasst und keiner hat es gemerkt, außer mein Pianist haha.

SC: Dein größter Traum: Mit wem würdest du gerne mal zusammen singen? 
Kenia: Ich würde unglaublich gerne mal mit Daniel Stoyanov zusammen singen. Er hat früher viele deutsche Songs als Solokünstler geschrieben, heute tourt er mit seiner Band „Malky“ in Deutschland. Der Song „Nur du bist mehr als ein Lied“, mit welchem Song ich damals auch beim Bundeswettbewerb Jugend Musiziert angetreten bin, ist eines meiner Lieblingslieder von ihm. Er schreibt so unglaublich schöne und ehrliche Texte. Seine Stimme berührt mich sehr. Ich glaube seine und meine Stimmfarbe würden sehr gut harmonieren. William Fitzsimmons oder James Vincent McMorrow find ich auch ganz toll. Wenn man jetzt an Hollywood-Größen denkt, wäre mein Traum als Gesangspartner Sam Smith, John Mayer oder Jamie Callum.

SC: Was machst du, wenn du nicht auf der Bühne stehst? 
Kenia: Ich habe mein Abitur am Celtis-Gymnasium Schweinfurt gemacht und war danach zum Reisen in Neuseeland. Aktuell mache ich eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten bei der Kleintierpraxis Dr. Göde und möchte danach Tiermedizin studieren. Mein Freund und ich haben Anfang des Jahres einen Hund aus Ungarn gerettet, er hatte einen schweren Autounfall in Ungarn, hatte 2 Platten an der Wirbelsäule, da er sich dort einen Trümmerbruch zugezogen hat. Wir waren hier mit ihm oft beim Neurologen, er wurde noch 2 mal operiert – heute läuft, rennt, springt er wieder und ist total glücklich und munter. Er ist der tollste Hund für uns. Er hat mir unter anderem auch klar gemacht, was ich tun möchte: Tieren helfen.

- ANZEIGE -

Kommentare zum Artikel

Kommentare zum Artikel

AUCH INTERESSANT