Merle Zirk ist von ihrer veganen Lebensweise überzeugt. Foto: Susanne Krauss
Merle Zirk ist von ihrer veganen Lebensweise überzeugt. Foto: Susanne Krauss

Merle Zirk: Vegane Ernährung gegen Krebs

Merle Zirk hat eine Krebserkrankung überlebt. Sie ist davon überzeugt, dass eine vegane Ernährungsweise ihr dabei geholfen hat, wieder gesund zu werden. Merle kommt gebürtig aus Schweinfurt, in Niederwerrn ist sie aufgewachsen. Nach einem Volontariat zur Fernsehredakteurin ist sie 2006 nach München gezogen. Heute ist Merle ausgebildete vegane Ernährungsberaterin, hat einen eigenen Ernährungsblog und bietet Beratungsstunden bei Krebserkrankungen und rund um eine vegane Ernährungsweise an.

Merle im Interview

Schweinfurt City (SC): Seit wann ernährst Du Dich vegan? Kam das erst mit der Krankheit?

Merle: „Ich ernähre mich vegetarisch seitdem ich 17 Jahre alt bin, weil mir Fleisch und Wurst damals einfach nicht geschmeckt hat. Man könnte mich allerdings damals Pudding-, oder Fastfood Vegetarierin nennen. Also viel Verarbeitetes, viel Zucker, viele Milchprodukte und wenig frisches Obst und Gemüse. Der Wandel zur veganen Lebensweise kam tatsächlich erst nach meiner Diagnose. Aber auch nicht von heute auf morgen. Es war ein Prozess, erst habe ich Milch gestrichen, dann Fisch und am Ende tierischen Produkte und Nahrungsmittel.“

SC: Wie bist Du mit der Diagnose Krebs umgegangen? 

Merle: „Vielleicht kann man sich vorstellen, dass ich als damals 30-Jährige erstmal schockiert, tiefsttraurig, ängstlich und sehr hilflos war, als ich die Diagnose bekam. Auch ich habe anfangs die ‚Warum-Frage‘ gestellt…also Warum ich? Warum tut mir irgendwer / irgendwas das an? Ich habe doch niemanden etwas getan… Aber sehr schnell bekam ich dann das Gefühl, dass ich etwas für mich tun kann. Ich habe gespürt, dass es trotz all dem Leid, den Schmerzen und der Angst auch eine Chance für mich sein kann. Wie die aussehen könnte, habe ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht gewusst.

Ich habe mir dann drei unabhängige Meinungen eingeholt und bin relativ schnell meinem Bauchgefühl gefolgt und habe mich für die entschieden, die sich für mich am Besten anhörte. Sich nach der langen Operation und dem Aufenthalt im Krankenhaus wieder in den eigenen vier Wänden einzufinden und Schritt für Schritt ins Leben zurück zu kommen, war sehr anstregend und kräftezehrend. Zumal dann erst die Chemotherapie folgen sollte. Diese Zeit war kein leichter Spaziergang, aber ich hab nie aufgegeben und versucht, immer nach vorne zu schauen. Meine Freunde und Familie unterstützten mich so gut es ging. Sie kochten, massierten meine Beine, lenkten mich ab und versuchten mich aufzuheitern.“

SC: Hattest Du das Gefühl zwischenzeitlich aufgeben zu müssen?

Merle: „Das Gefühl aufzugeben zu müssen, hatte ich nicht. Ich war zeitweise sehr traurig und niedergeschlagen, hatte mit den physischen und psychischen Folgen des Eingriffs und der Chemotherapie zu kämpfen, aber aufgeben wollte ich nie. Aber ich wusste und fühlte schnell, dass diese Erfahrung mein Leben grundlegend verändern wird und dass ich ein anderer Mensch sein werde, wenn dieser ‚Sturm‘ vorbei ist.“

SC: Warum empfiehlst Du eine vegane Ernährung bei einer Krebserkrankung?

Merle: „Ich empfehle die pflanzlich-vollwertige Ernährung. ‚Vegan‘ ist trendy, bedeutet aber nicht unbedingt, dass es auch gesund ist. Wodka, Weißmehl und Zucker sind auch vegan. Es geht darum, den Körper mit möglichst vielen Vitalstoffen und Mineralien zu versorgen und ihn möglichst wenig zu belasten. Tierische Produkte sind entzündungsfördernd, haben einen negativen Einfluss auf den Cholesterinspiegel und sind mitunter krebsfördernd, was viele Studien belegen können. Viel Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und Nüssen und Samen sind für mich die richtige Wahl, denn ich weiß, dass ich damit mein ’System’ – meinen Körper bestmöglich unterstütze.“

Merle Zirk. Foto: Susanne Krauss

Merle Zirk. Foto: Susanne Krauss

SC: Wie schaut für Dich eine vegane Ernährung aus?

Merle: „Ich lebe vollwertig pflanzlich, verzichte auf Industriezucker und Fertigprodukte. Möglichst frisch, wann immer es geht bio, regional und saisonal soll meine Nahrung sein. Einen großen Anteil an Rohkost versuche ich in meinen Alltag einzubauen. Ansonsten gibt es bei mir oft Gemüsepfannen, wärmende Suppen, gutes Getreide und viel Gewürze und Kräuter.“

SC: Wie genau nimmst Du das mit der veganen Lebensweise?

Merle: „Mittlerweile hat sich in mir ein Bewusstsein in Bezug auf unsere Nahrung, unsere Erde und das Geschenk, hier sein zu dürfen entwickelt. Das heißt, ich kaufe nicht nur pflanzliche Dinge für meinen Kühl-, sondern auch für den Kleiderschrank. Ich möchte beispielsweise nicht, dass für meine Jacke ein Tier leiden oder sterben musste. Es gibt tolle Labels, die nachhaltig und fair produzieren – wobei auch die Menschen, die diese Kleidung herstellen nicht ausgebeutet werden. Für mich ist in vielen Lebensbereichen mittlerweile weniger mehr geworden.“

SC: Wie kam es dazu, dass Du eine Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin gemacht hast?

Merle: „Ich habe mich über ein Jahr mit der veganen Lebensweise auseinandergesetzt, hab gemerkt, was es für Veränderungen an meinen Körper hervorgerufen hat, fand das augenöffnend und irgendwann wollte ich all mein Wissen auf fundierte Beine stellen. Ich wollte mich mit Gleichgesinnten auseinandersetzen und einfach lernen. Da kam mir die Modul-Ausbildung zur ärztlich geprüften veganen Ernährungsberaterin gerade recht. Ich bin sehr glücklich, dass ich die Entscheidung getroffen habe und nun auch anderen Menschen weiterhelfen kann.“

SC: Wie schaut Dein Lebensalltag heute aus? Was machst Du beruflich und in Deiner Freizeit?

Merle: „Mein Alltag sieht so aus, dass ich meine Selbstfürsorge an erste Stelle gesetzt habe. Das heißt: ich arbeite selbstständig, so dass ich für das Wichtigste – meine Gesundheit und mein Wohlbefinden genug Energie habe. Ich habe festgestellt, dass ich nur gut in etwas sein kann, wenn ich gesund und glücklich bin. Die Arbeit an uns selbst vergessen wir oft in unseren täglichen To-Do’s. So nehme ich heute meine Ernährung ernst (aber nicht engstirnig – ich gönne mir natürlich auch mal etwas), ich bewege mich regelmäßig und ich arbeite an Dingen, die mir Freude bereiten.

Ich bin weiterhin freiberufliche Filmemacherin, aber eben seit einiger Zeit auch Ernährungsberaterin, Retreatleiterin, Bloggerin und Autorin. Mein Buch ‚Retreat Yourself – Loslassen und neu beginnen‘ ist im Oktober 2017 auf den Markt gekommen. Ich reise gerne, ich lerne gerne, ich erfahre gerne Neues und ich liebe es, wenn ich dabei helfen kann, dass Menschen ihren eigenen Weg finden. Weil der ist meiner Erfahrung nach der Schlüssel zum Glück.“

SC: Wie gehst Du mit der Angst um, dass der Krebs wieder kommen könnte?

Merle: „Ab und an ertappe ich mich schon bei dem Gedanken: ‚was wäre wenn…‘? Aber das verfliegt relativ schnell, weil ich mich dann wieder auf die Macht dieser Gedanken besinne. Vielleicht kennt man das Sprichwort: ‚Where focus goes, energy flows‘. Daher beschäftige ich mich kaum mit dem, was schlecht sein oder werden könnte, sondern fokussiere mich auf meine Träume und Ziele. Und darauf, gesund zu sein. Ich lebe heute mit dem Bewusstsein, dass ich bin was ich denke. Das tut mir gut und beflügelt mich.“

SC: Wie kamst Du dazu, einen eigenen Blog zu haben und ein eigenes Buch zu schreiben?

Merle: „In der Zeit, als ich mich zur Ernährungsberaterin ausbilden ließ, reifte der Wunsch etwas für andere Menschen zu tun, meine Geschichte zu teilen und damit Anderen Mut und Hoffnung zu schenken. So habe ich im Jahr 2014 an meinem 2. Geburtstag (so nenne ich den Tag meiner lebensrettenden Operation am 18.12.12) meinen Blog gestartet und teile seither meine Gedanken.

2016 habe ich meinen Traum, ein Buch zu schreiben, erstmals geäußert … und tatsächlich jeden Tag daran gedacht. Ich habe mir vor meinem geistigen Auge vorgestellt, wie es wohl ist, das eigene Buch im Buchhandel liegen zu sehen. Einige Zeit später bin ich durch einen ‚Zufall‘ mit dem Kösel Verlag in Kontakt gekommen und so nahm das Vorhaben seinen Anfang.“

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