Industrie und Wirtschaft in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig
Industrie und Wirtschaft in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

IG Metall: 28-Stunden-Woche kommt

Im Tarifkonflikt der IG Metall ging es neben einer Lohnerhöhung um den Anspruch auf eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit im Rahmen einer 28-Stunden-Woche. In den vergangenen Wochen fanden daher vermehrt Warnstreiks statt – auch in Schweinfurt. Nun kam es zu einem, laut einer Pressemitteilung der IG Metall, starken Tarifabschluss geknüpft an mehr Geld und mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit.

„Meilenstein für Selbstbestimmung“

Die IG Metall hat den Tarifabschluss für die 900.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg als zukunftsweisend bezeichnet. „Der Tarifabschluss ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Dienstag in Stuttgart. Die IG Metall hat sich für diese Tarifrunde zentrale Ziele gesetzt: einen fairen Anteil der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg der Branche, mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle und Entlastung bei Schichtarbeit. „Diese Ziele haben wir erreicht“, sagte Hofmann.

4,3 Prozent Erhöhung

Der Tarifvertrag sieht ab 01.04.2018 eine Entgelterhöhung von 4,3 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 100 Euro für Januar bis März 2018 vor. Außerdem erhalten alle Beschäftigten ab 2019 einen Festbetrag von 400 Euro plus ein tarifliches Zusatzgeld in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts. Beschäftigte, die Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder in Schicht arbeiten, können wählen, ob sie statt des tariflichen Zusatzgelds acht freie Tage nehmen wollen. Zwei Tage davon finanziert der Arbeitgeber.

28-Stunden-Woche

Der Tarifvertrag sichert zudem den Beschäftigten einen Anspruch auf Reduzierung ihrer Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für bis zu 24 Monate. Danach haben sie das Recht, zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit zurückzukehren. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2020.

„Die Beschäftigten erhalten eine deutliche Erhöhung ihrer Realeinkommen. Damit trägt dieses Ergebnis der hervorragenden wirtschaftlichen Situation der Branche Rechnung und hat zugleich gesamtwirtschaftlich eine positive Wirkung: Die deutliche Steigerung der Einkommen stärkt die Binnennachfrage und leistet einen Beitrag dazu, die Konjunktur weiter zu stabilisieren“, sagte der IG Metall-Vorsitzende.

„Mensch wird wieder in Mittelpunkt gerückt“

Als „Meilenstein in der Tarifgeschichte“ bezeichnet auch DGB Regionschef Frank Firsching den Tarifabschluss der IG Metall und meint damit die zeitlich befristete 28- Stunden Woche mit dem verbrieften Rückkehrrecht in Vollzeit für Beschäftigte in besonderen Lebenssituationen: „Mit diesem Tarifabschluss rückt die IG Metall den Menschen wieder deutlich in den Mittelpunkt der Arbeitswelt. Nun heißt Arbeitszeitflexibilisierung auch ein Stück mehr Arbeitszeitsouveränität für den einzelnen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

Das ist ein gesellschaftspolitisches Signal für die Politik, ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit für alle Arbeitenden gesetzlich zu verankern. Dieser gewerkschaftliche Erfolg ist der Stärke, Geschlossenheit und Streikbereitschaft der IG Metall- Mitglieder zu verdanken. Ich bin mir sicher, wir werden in 20 Jahren auf diese Tarifrunde zurückblicken und sie als Meilenstein auf dem Weg zu Arbeitszeiten, die zum Leben passen begreifen.“

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT

ig-metall-28-stunden-woche-kommt-schweinfurt-city