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Mit 79 Jahren steht Günter Taub noch heute auf dem Eis. Foto: Günther Traub.
Mit 79 Jahren steht Günter Taub noch heute auf dem Eis. Foto: Günter Traub.

Günter Traub: Olympia-Teilnehmer und Schweinfurts erster Weltmeister

79 Jahre: So alt ist der Schweinfurter Sportler Günter Traub und blickt man jetzt auf seine Karriere zurück, so werden sich viele denken, dass sich der Eis- und Rollschnellläufer in seinem wohlverdienten Ruhestand befindet. Doch falsch gedacht: Unter seinem Motto “ Ausdauersport ist das beste Anti-Aging“ steht der Schweinfurter noch heute auf dem Eis, jetzt in der Altersklasse 80-85 Jahre.

Lieblingsorte und Geheimtipps

Wir durften ein Interview mit dem Olympia-Teilnehmer, der sogar mit dem silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet wurde, ein wenig über seine Lieblingsorte in Schweinfurt, seine Geheimtipps, um im Alter so fit zu bleiben und seine ersten Schritte auf dem Eis sprechen.

Schweinfurt City (SwC): Wie sind Sie zum Sport gekommen ? Warum wurde es gerade der Eisschnelllauf ?

Günter Traub: Mit knapp 5 Jahren lief ich mit gebrauchten Schlittschuhen auf dem zugefrorenen Sennfelder See bei Schweinfurt. Es war ein herrliches Gefühl, fast schwerelos über die spiegelglatte Eisfläche zu gleiten.

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Als ich mit 12 Jahren ins Gymnasium ging, hatte ich das erste Mal ältere gebrauchte Eisschnelllauf-Schlittschuhe unter meinen Füssen. Mit diesen flog ich meinen Klassen-Kameraden auf dem Eis buchstäblich davon, sie nannten mich ‚Hermes, den fliegenden Götterboten auf dem Eis.’

Als ich 16 Jahre alt war, startete ich dann für den Eislauf- und Rollschuhverein ERVS, in dem ich heute Ehren-Mitglied bin, mit Rollschuhen an den Bayerischen Rollschnelllauf-Meisterschaften in der Jugendklasse und gewann auf Anhieb die Rennen über 1.000 und 3.000 m.

Der Schweinfurter entdeckte schon früh seine Liebe zum Sport. Foto: Günther Traub

Der Schweinfurter entdeckte schon früh seine Liebe zum Sport. Foto: Günter Traub

Da die Sportart Rollschnelllauf  aber leider nicht olympisch war und auch heute noch nicht ist, begann ich während der Wintermonate mit dem noch schnelleren Eisschnelllaufsport. Bei meinen ersten Starts an den Deutschen Juniorenmeisterschaften wirkte ich mit meinem Rollschnelllaufstil noch etwas ungelenk. Aber dies stachelte mich an und motivierte mich noch mehr.

SwC: Was war in Ihren Augen Ihr grösster Erfolg?

GT: An dem für mich denkwürdigen Wochenende im Januar 1968 gewann ich die Deutsche Eisschnelllauf Meisterschaft in Inzell mit dem Neuen Eisschnelllauf-Vierkampf-Weltrekord über die Standardstrecken. Dies war wie ein Paukenschlag in der Deutschen-Eisschnelllauf-Gemeinschaft.

Damit war ich nach meinem ersten Eisschnelllauf Vierkampf Weltrekord bereits zum 2. Mal der beste Allround Eisschnellläufer der Welt. Diese Leistung konnte bis heute noch kein einziger weiterer deutscher männlicher Eisschnellläufer erreichen.

 SwC: Was ist der Grund, warum Sie bis ins hohe Alter so fit sind ?

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GT: Dies ist vor allem eine Frage der persönlichen Lebenseinstellung. Ich versuche nach dem Motto zu leben „The trick is to die young, but as late as possible“, und „Use it, or loose it“. Es ist vor allem mein fast täglich durchgeführtes persönliches Fitness-Training im Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung. Denn sinnvolle Bewegung, vor allem ein moderates Ausdauertraining, ist in und für jedes Lebensalter „die beste Tablette“.

Auch die Ernährung spielt natürlich eine wichtige Rolle. Ich ernähre mich von je her mit überwiegend basischen Nahrungsmitteln: Viel Gemüse, Salate und Obst.  Schon seit ca. 30 Jahren ernähre ich mich überwiegend lacto-vegetarisch. Dies hat sich vor allem auf meine Leistungsfähigkeit sehr positiv ausgewirkt.

SwC: Was machen Sie im Moment ? 

GT: Im Oktober habe ich auf Mallorca einige Wochen auf dem Rennrad meine Ausdauer-Leistungsfähigkeit für die kommende Eisschnelllauf-Wintersaison trainiert.

Fit bis ins hohe Alter, Günther Traub. Foto: Günther Traub

Fit bis ins hohe Alter: Günther Traub. Foto: Günter Traub

Im November werde ich in Inzell auf der schnellen 400 m Eisschnelllaufbahn in der wunderschönen Eislaufhalle ein Trainings-Programm zur Vorbereitung für meine Titelverteidigung bei den Deutschen Eisschnelllauf-Mehrkampf-Meisterschaften der Masterklassen am 08./09. Dezember in Erfurt durchführen.

Im Januar, Februar und März folgen internationale Starts in meiner Master Altersklasse 80 bis 85 Jahre in Deutschland, Holland und Norwegen bei Wettkämpfen über verschiedene Laufstrecken. Ende März findet in Trondheim, Norwegen, die Master Weltmeisterschaft im Mehrkampf statt.

SwC: Was verbinden Sie heute noch mit Schweinfurt ? Haben Sie einen Lieblingsort hier ?

GT: Schweinfurt ist nach wie vor meine ursprüngliche Heimatstadt, ein Großteil meiner Familie lebt und arbeitet hier. Wenn ich mich in Schweinfurt aufhalte, bin ich auch ein gern gesehener Gast der Schweinfurter Gruppe „Donnerstag Waldläufer“. Auch der anschliessende gemeinsame Genuss von ein oder zwei guten Schoppen Silvaner kommt dabei nicht zu kurz.

An jedem Dienstagnachmittag fährt eine kleine Gruppe aus dieser Runde mit ihren Rennrädern, Mountain- oder E-bikes durch die wunderschöne fränkische Landschaft. Ich freue mich jedesmal über die sachkundigen Fahrten über interessante Nebenstrassen und mir noch unbekannte Radwege.

SwC: Kommen Sie noch oft ins Eisstadion in Schweinfurt ?

GT: Leider nicht sehr oft. Das überdachte Eishockeyfeld ist für ein effektives Eisschnelllauftraining zu klein. Auf der im Freien gelegenen Rollschnelllaufbahn drehe ich auf Inlineskates gerne immer einige Trainingsrunden. Leider konnte der Rollschnelllaufsport in Schweinfurt in den letzten Jahren fast keine aktiven Rollschnellläufer rekrutieren, die auf dieser sehr gut erhaltenen und wettkampfgerechten Bahn ideal trainieren könnten.

Traube schönster Moment in seiner Karriere. Foto: Günther Traub

Traube schönster Moment in seiner Karriere. Foto: Günter Traub

SwC: Was ist oder war Ihr schönstes Erlebnis als Sportler in Schweinfurt ?

GT: Im Sommer 1965 wurde ich bei den Weltmeisterschaften im Rollschnelllauf in Belgien Doppel-Weltmeister. Zusammen mit meinem Bruder Jürgen gewannen wir auch die Weltmeisterschaft im American-Rennen.

Die Stadt Schweinfurt und unser Verein, der ERVS, organisierten bei unserer Rückkehr einen grossartigen Umzug durch die Straßen der Schweinfurter Innenstadt. Wir fuhren im offenen Cabriolet und winkten an diesem denkwürdigen Samstagnachmittag Tausenden von begeisterten Schweinfurter Zuschauern zu.

Unsere Triumphfahrt endete am Schweinfurter Rathaus, wo wir im Innenhof vom damaligen Oberbürgermeister empfangen wurden. Danach ehrte er uns offiziell für unsere aussergewöhnlichen sportlichen Leistungen. Auch das Bayerische Fernsehen, damals noch in Schwarz-Weiß, strahlte dieses für mich unvergessliche Ereignis mit seinen einzigartigen Eindrücken in seiner Sportschau an diesem Samstagabend aus.

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