Die Weihnachtspostfiliale.
Die Weihnachtspostfiliale. Foto: POW Bistum Würzburg

Briefe vom Christkind: Himmelstädter Weihnachtspostfiliale

„Jedes Jahr hoffe ich, dich einmal zu sehen, doch immer bist du schon weg. Wie machst du es, dass du immer so schnell bist? Ich freue mich auf eine Antwort von dir“, schreibt ein kleines Mädchen an das Christkind. Angekommen ist der Brief in der Weihnachtspostfiliale in Himmelstadt.

Seit 1986 gibt es die Postfiliale für Weihnachtsbriefe an das Christkind. Rund 35 bis 40 ehrenamtliche Helfer kümmern sich jedes Jahr um das Beantworten der Briefe. Dieses Jahr erwarten Rosemarie Schotte, Leiterin der Weihnachtspostfiliale, und ihre Helfer zirka 80.000 Briefe aus aller Welt. Auch wenn die meisten Briefe aus Deutschland seien, erreichen die Postfiliale zahlreiche Briefe aus dem Ausland. „Bisher kamen die Briefe aus 123 Ländern. Die Antwort enthält dann eine deutsche und englische Fassung des Weihnachtsbriefs“, erklärt Schotte.

Erste Briefe bereits kurz nach Heilig Abend

Schon ab Oktober laufen die ersten Vorarbeiten, bei denen die Antwortbriefe so gut es geht vorbereitet werden. Anschließend wird die Weihnachtspost in verschiedene Kategorien sortiert, um je nach Umfang und Inhalt beantwortet zu werden: Standard, Standard mit individuellem Zusatz, schwierige Briefe, Adressensuche, Ausland, Schulen und Kindergärten.

„Ich lege sehr großen Wert auf das Sortieren. Wenn das gut läuft, dann läuft das andere auch“, betont Schotte. Während die Ehrenamtlichen meist vormittags ein paar Stunden helfen, ist sie das ganze Jahr über mit der Organisation der Weihnachtspostfiliale beschäftigt. Kurz nach Heiligabend erreichen die Postfiliale schon die ersten Briefe für das folgende Weihnachtsfest: „Ich weiß, ich bin zu früh dran, aber sicher ist sicher. Ich will bei den Ersten sein, die an das Christkind schreiben.“ Im Januar erhalten Schotte und ihre Helfer zahlreiche Dankesbriefe. „Es freut uns natürlich sehr, ein gutes Feedback zu bekommen.“

Der Antwortbrief vom Christkind

Jedes Jahr gestaltet Schotte einen neuen Antwortbrief vom Christkind, mit einer kurzen Geschichte und einem dazu passenden Bild. Auch ihre Familie wird regelmäßig mit eingespannt. Bis vor zwei Jahren war ihr Mann für das Zeichnen des Bildes zuständig. Danach übernahm ihre Enkeltochter die Aufgabe. „Das gemalte Bild auf dem Antwortbrief passt immer zur Dekoration hier in der Weihnachtspostfiliale“, erklärt Schotte. Bis auf den Namen des Kindes, der in jedem Brief handschriftlich ergänzt werde, sei alles vorgedruckt. Besonders emotionale Briefe, in denen ein Kind sein schweres Schicksal wie etwa eine Krankheit oder den Tod eines Familienmitglieds beschreibt, beantwortet Schotte gemeinsam mit einem Kollegen handschriftlich und individuell. „Das geht einem schon sehr nahe. Da versuche ich immer, etwas Einfühlendes zu schreiben. Mein Anliegen ist es, den Kindern ein bisschen Freude zu machen, ihnen Mut zu geben und die Not mit Worten zu lindern“, sagt Schotte.

Auch alte Menschen schreiben dem Christkind

Obwohl hauptsächlich Kinder an das Christkind schreiben, erreichen dennoch viele Briefe von älteren Menschen die Postfiliale. „Man kann ganz viel aus den Briefen herauslesen, ob sich jemand alleine fühlt und wie alt derjenige ungefähr ist. Ältere Menschen erzählen aus ihrem Leben.“ Ein älterer Herr schrieb einmal: „In Zeiten von E-Mail, Facebook, Twitter sind die Briefkästen leer. Ich hätte gerne einmal wieder einen Brief im Briefkasten.“

Unterschiede zu damals

Selbst habe sie als Kind auch an das Christkind geschrieben. Deshalb liege ihr die Weihnachtspost sehr am Herzen. „Ich habe sehr viel Freude daran, weil ich wunderbare Erinnerungen an mein eigenes Weihnachten als Kind habe.“ Mit der ganzen Familie habe sie jedes Jahr Heiligabend bei ihrem Opa verbracht, wobei Weihnachtslieder, Gedichte und das gemeinsame Essen im Vordergrund standen. Diese Tradition habe sie versucht, an ihre Kinder weiterzugeben. Das Weihnachten, das die heutige Generation feiere, gefalle ihr jedoch nicht mehr. Auch die Wünsche der Kinder hätten sich mit der Zeit verändert. Im Gegensatz zu früher fielen sie heutzutage größer und teurer aus, aber dafür habe sie Verständnis: „Wir hatten ja schließlich auch viele Wünsche und haben nicht erwartet, dass alle in Erfüllung gehen.“ In vielen Briefen beschreiben die Kinder ihre eigenen Weihnachtstraditionen mit ihren Familien. Da freue sie sich, dass sich in manchen Familien doch nicht viel verändert habe.

Bayerns einzige Weihnachtspostfiliale

In ganz Deutschland gibt es insgesamt sieben Weihnachtspostfilialen, diejenige in Himmelstadt ist die einzige in Bayern. Bereits 1993 habe Schotte zum ersten Mal als Helferin in der Weihnachtspostfiliale mitgearbeitet. „Ich wollte eigentlich nur schnuppern, aber ich habe das Lesen der Briefe sofort gemocht. Scheinbar hat man mir meine Begeisterung angemerkt, denn ich wurde im gleichen Jahr gefragt, ob ich die Leitung der Weihnachtspostfiliale übernehmen möchte“, erzählt Schotte. Erst im Jahr 1986 wurde die Filiale offiziell eröffnet. Schon weit vorher aber wurden Wunschzettel an das Christkind geschrieben. Es liegen Briefe aus den Jahren 1928, 1943 und 1950 vor, die Schotte nachträglich beantwortete.

Ihr sei es wichtig, dass Kinder an eine Weihnachtsfigur glauben, welche sei nicht von Bedeutung. Viele Briefe seien an den Weihnachtsmann oder den Nikolaus adressiert, werden aber dennoch beantwortet. Jeder Brief werde mit „Dein Christkind“ unterzeichnet. Sie freue sich über jeden selbst gestalteten Brief oder Wunschzettel. Was Schotte motiviert ist, dass sie den Menschen damit eine Freude bereite. „Ich mache es so gerne, auch wenn ich abends sehr kaputt bin. Ich denke schon mit Schrecken an die Zeit, wenn ich es einmal nicht mehr machen kann.“ Sie freue sich das ganze Jahr auf Weihnachten und könne es kaum erwarten, mit dem Dekorieren der Postfiliale anzufangen.

Informationen

Die Weihnachtspostfiliale beantwortet ab dem ersten Advent 2018 die Briefe der Kinder an das Christkind. Die Kinder können ihre Briefe ab sofort an das Christkind senden oder ab dem 1. Dezember persönlich in der festlich geschmückten Weihnachtspostfiliale, Kirchplatz 3, 97267 Himmelstadt, abgeben. Am ersten und dritten Adventswochenende nehmen „irdische Engelchen“ die Briefe entgegen.

Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung des Bistums Würzburg.

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