So soll die Carus-Allee einmal aussehen. Visualisierung: lohrer hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh (München)
So soll die Carus-Allee einmal aussehen. Visualisierung: lohrer hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh (München)

SPD: Statt LGS oder Stadtwald lieber Erweiterung der Carus-Allee

Der für den 20. Januar angesetzte Bürgerentscheid zur Entscheidung über eine Ausrichtung der Landesgartenschau in Schweinfurt oder eine Errichtung eines Stadtwaldes zieht seine Kreise. Stadtrat und Oberbürgermeister stehen hinter der Entscheidung für die Landesgartenschau 2026, eine Initiative um Stadträtin Ulrike Schneider (Freie Wähler) setzt sich stattdessen für einen Stadtwald ein. Die einzige Partei im Stadtrat, die auf keiner der beiden Seiten steht, ist die SPD. Die Fraktion fordert klar zweimal „nein“ zu stimmen.

Gezielte Erweiterung der Carus-Allee

„Wir brauchen weder eine Landesgartenschau noch einen Stadtwald“, stellt SPD-Vorsitzende Julia Stürmer-Hawlitschek entschieden fest. Beides stehe der notwendigen Entwicklung der Stadt in den letzten verbliebenen Baugebieten entgegen.

Der Vorschlag der SPD ist stattdessen, eine gezielte Erweiterung der Carus-Allee vorzunehmen und das jetzt und nicht erst 2026, so heißt es in einer Pressemitteilung. In das Projekt der 600 m langen und bis zu 34 m breiten Carus-Allee werde in den nächsten Jahren bereits sechs Millionen Euro investiert. Der Siegerentwurf des Wettbewerbs sieht eine landschaftlich strukturierte, hainartige Allee vor. Eine Ansammlung freier Baumindividuen solle die streng ordnende Struktur einer Allee neu ordnen. Damit wäre dem Musikerviertel sofort mit einem attraktiven Naherholungsgebiet geholfen, heißt es von Seiten der SPD.

Keine Entwicklungsmöglichkeiten

Die Gebietsreform 1972 habe der Stadt keine Eingemeindungen gebracht und dementsprechend sei das Stadtgebiet fast voll bebaut. An nennenswerten Entwicklungsmöglichkeiten gebe es lediglich noch die Baugebiete „Mönchskutte“, „Pfannäcker“ und das nun umstrittene Konversionsgelände, das Ledward-Barracks und Kesslerfields teilweise abdeckt.

Finanzielles Risiko

„Die Landesgartenschau würde ab 2026 30 Jahre lang, somit bis 2056, eine Erweiterung von Bebauungsmöglichkeiten blockieren. Und keiner weiß, ob wir nicht bald Erweiterungsmöglichkeiten im Bereich i-Campus, im Bereich angegliederter Forschungseinrichtungen, für Ausgründungen und Start ups oder für studentisches Wohnen benötigen“, so Julia Stürmer-Hawlitschek.

„Wer bitteschön sei 1988 in der Lage gewesen vorauszusagen, wie sich die Stadt bis heute entwickelt hat? Hier geht es auch um Standortsicherung für unsere Stadt! Zudem ist die Landesgartenschau ohne Nutzen für die Innenstadt und ein immenses finanzielles Risiko für den Stadtsäckel; das hat die Landesgartenschau in Würzburg nur allzu deutlich gemacht!“

SPD: „Millionengrab droht“

Die veranschlagten Kosten von heute rund 24 Millionen Euro seien nicht seriös kalkuliert, heißt es in der Pressemitteilung der SPD. Allein bei einer sehr zurückhaltend gerechneten Preissteigerung von jährlich 2 Prozent ergäbe sich bis zur Bebauung eine Steigerung von ca. 16 Prozent. Das sind 3,84 Millionen Euro. Der eingeplante Zuschuss von 5 Millionen Euro, der unverändert bleibt wird damit bereits zu mehr als drei Viertel durch Teuerung verbraucht. Zudem seien die vielen „Trittsteine“, mit der die Bewerbung der Stadt zur Landesgartenschau verschönt wurde, in der Preiskalkulation mit keinem einzigen Euro enthalten. „Es droht hier ein Millionengrab“, so Stürmer-Hawlitschek.

Bereits überdurchschnittlich hohe Waldfläche

Ebenso ein entwicklungspolitisches Hindernis für die SPD sei der Stadtwald. „Bei allem Verständnis für das Umweltanliegen der Initiatoren, die nun den Begriff „Stadtwald“ bereits relativieren möchten, sei nicht nachvollziehbar, dass gerade auf einer der letzten Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt ein „Wäldchen“ entstehe.

Symbolbild Wald. Foto: Pascal Höfig

Symbolbild Wald. Foto: Pascal Höfig

Zudem verfüge die Stadt auf städtischem Gebiet bereits über eine überdurchschnittlich hohe Waldfläche. Die „grüne Lunge“ der Stadt habe derzeit eine Fläche von 1.850 ha. Der städtische Wald sei zu über 80 % als Erholungswald und zu 75 % als Wasserschutzwald ausgewiesen. Bei dem nun zur Debatte stehenden „Stadtwald“ handele es sich um eine Fläche von 7 ha und nicht mehr.

Wichtiger: Begrünung der Innenstadt

„Viel wichtiger“, so Julia Stürmer-Hawlitschek, „ist eine intensivere Begrünung der Schweinfurter Straßen und Plätze, die die SPD-Stadtratsfraktion mit mehreren Anträgen seit Jahren verfolgt.“ Dies sei eine umweltpolitisch effektivere Maßnahme, die zudem zur Innenstadtbelebung beitrage.

Massive Behinderung von Stadtentwicklung

Jeder, der für Landesgartenschau oder Stadtwald stimme, müsse sich bewusst sein, dass er damit Stadtentwicklung dort massiv behindere bzw. mit dem Stadtwald gar gänzlich verhindere. Das könne nicht im Interesse der Stadt sein, so die SPD in ihrer Pressemitteilung. Richtig sei vielmehr einen Wohnpark zu schaffen, der gegebenenfalls bei Bedarf auch ergänzende Baumaßnahmen für i-Campus oder Forschungseinrichtungen zulasse. Dies könne bereits jetzt und nicht erst 2026 in Angriff genommen werden.

Die SPD rufe deshalb die Bürgerinnen und Bürger Schweinfurts auf, zweimal mit „nein“ zu stimmen und damit einer kostenverträglichen sofortigen Entwicklung des Konversionsgeländes den Weg zu öffnen.

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