Polizei auf der Autobahn. Symbolfoto: Pascal Höfig
Polizei auf der Autobahn. Symbolfoto: Pascal Höfig

Die Jahresbilanz der Autobahnpolizei Schweinfurt-Werneck

Auf den von der Verkehrspolizeiinspektion Schweinfurt-Werneck betreuten Bundesautobahnen A 7, A 70 und A 71 ereigneten sich im Jahr 2018 1.119 (Vorjahreszahlen in Klammern: 1.331) Verkehrsunfälle. Bei den 105 (152) Unfällen mit Personenschaden wurden 7 (5) Menschen getötet und 146 (217) Personen verletzt, 57 (54) davon schwer.

Unfallursache Nr.1: Ungenügender Sicherheitsabstand und Geschwindigkeit

Die häufigsten Unfallursachen waren ungenügender Sicherheitsabstand und nicht angepasste bzw. überhöhte Geschwindigkeit. Bedingt durch die großen Brückenbaustellen auf der A 7 bei Schraudenbach und am Klöffelsberg bei Fuchsstadt, führten vermehrt Fehler beim Überholen und Nebeneinanderfahren auf den schmalen Fahrspuren im Baustellenbereich zu Unfällen.

Zwei Helfer getötet

Bereits im Februar ereignete sich ein tragischer Unfall auf der A 70. Zwischen den Anschlussstellen Gochsheim und Schonungen prallte bei Dunkelheit ein VW Polo in die Mittelleitplanke. In der Folge hielten die Fahrer von zwei nachfolgenden Pkw mit eingeschaltetem Warnblinklicht auf dem Seitenstreifen an, um Hilfe zu leisten.

Als sich die beiden Ersthelfer im Alter von 44 und 49 Jahren auf der Überholspur aufhielten, erkannte die Fahrerin eines herannahenden Audis die Situation offenbar zu spät. Sie erfasste mit ihrem Pkw die beiden Ersthelfer. Die beiden Helfer aus dem Landkreis Bamberg waren sofort tot.

Von Fahrbahn abgekommen

Ebenfalls zwei Menschen starben bei einem Verkehrsunfall Anfang Mai auf der A 71 bei Münnerstadt. Ein 68-jähriger BMW-Fahrer war Richtung Schweinfurt unterwegs, als sein Wagen laut Aussagen von unbeteiligten Zeugen ohne Fremdbeteiligung nach rechts von der Fahrbahn abkam.

Der Wagen überschlug sich und kam im Bereich einer Unterführung wieder auf den Rädern zum Stehen. Für beide Insassen kam jede Hilfe zu spät. Der Fahrer und dessen Ehefrau verstarben noch an der Unfallstelle.

Für den 58-jährigen Falschfahrer aus dem Landkreis Schweinfurt kam jede Hilfe zu spät. Foto: Pascal Höfig

Für den 63-jährigen Falschfahrer aus dem Landkreis Schweinfurt kam jede Hilfe zu spät. Foto: Pascal Höfig

Geisterfahrer stirbt auf der A7

In der ersten Novemberwoche verursachte ein Falschfahrer einen schweren Verkehrsunfall auf der A 7. Er fuhr von der Autobahnraststätte Riedener Wald in falscher Richtung wieder auf die Autobahn auf. Kurz vor dem Autobahnkreuz Werneck kam es dann zu einem Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Volvo. Für den 58-jährigen Falschfahrer aus dem Landkreis Schweinfurt kam jede Hilfe zu spät.

Die 25-jährige Fahrerin des Volvo musste von der Feuerwehr zunächst aus ihrem Fahrzeug befreit werden. Nach der Erstversorgung wurde sie vom Rettungsdienst schwerverletzt in eine Klinik eingeliefert.

Die 25-jährige Fahrerin des Volvo war eingeklemmt und musste von der Feuerwehr zunächst befreit werden. Foto: Pascal Höfig

Die 25-jährige Fahrerin des Volvo war eingeklemmt und musste von der Feuerwehr zunächst befreit werden. Foto: Pascal Höfig

Zwei Fahrer von Kleintransportern gestorben

Zwei Fahrer von Kleintransportern starben, weil sie auf am Stauende stehende Fahrzeuge auffuhren. Im Juli prallte ein 53-Jähriger kurz nach dem Autobahnkreuz Schweinfurt-Werneck auf der A 7 mit seinem Kastenwagen fast ungebremst auf einen Sattelzug. Ebenfalls auf der A 7 fuhr im Dezember ein 26-jähriger Sprinter-Fahrer in das Heck eines auf dem linken Fahrstreifen stehenden Kleintransporters.

Mobile Verkehrsüberwachung

Ein Schwerpunkt der konzeptionellen Verkehrssicherheitsarbeit der VPI Schweinfurt-Werneck ist die Bekämpfung der festgestellten Hauptunfallursachen. Insbesondere der Einsatz von Zivilfahrzeugen mit moderner Videomesstechnik die beweiskräftig die Verfolgung schwerwiegender Verkehrsdelikte wie Nötigung oder Straßenverkehrsgefährdung ermöglicht.

Polizeibeamter bei einer Kontrolle. Symbolfoto: Pascal Höfig

Polizeibeamter bei einer Kontrolle. Symbolfoto: Pascal Höfig

Im Jahr 2018 wurden im Rahmen der mobilen Verkehrsüberwachung 340 Verkehrsteilnehmer angezeigt und dabei 48 Fahrverbote ausgesprochen. Mindestens vier Wochen auf ihren Führerschein verzichten mussten die Fahrzeuglenker, die auf gravierende Weise den Sicherheitsabstand unterschritten oder erheblich zu schnell unterwegs waren.

Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung

In Zusammenarbeit mit den Verkehrssachbearbeitern der Polizeiinspektionen in der Region Main/Rhön wurden Unfall- und Gefahrenstellen festgestellt und von der Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck gezielt überwacht. Die Radargeräte und Lichtschranken waren dazu insgesamt 5309 Stunden auf und neben den Autobahnen im Einsatz.

Nach der Auswertung der Aufnahmen musste gegen 7.248 Fahrzeugführer ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden. Für 738 Raser bedeutete dies auch ein Fahrverbot von mindestens vier Wochen. 23.191 kamen mit einem Verwarnungsgeld davon.

Bei Abstandskontrollen auf den Autobahnen wurden insgesamt 2.833 Fahrzeugführer beanstandet. Bei 274 Fahrern war der Abstand so gering, dass ein Fahrverbot ausgesprochen wurde.

Video Abstands- und Geschwindigkeitsmessung Digital. Foto: Pascal Höfig

Video Abstands- und Geschwindigkeitsmessung Digital. Foto: Pascal Höfig

Unfallfluchtfahndung

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich der VPI Schweinfurt-Werneck mit Unerlaubten Entfernen von der Unfallstelle sank 2018 um 10,5 Prozent auf 134.

35 flüchtige Unfallbeteiligte konnten die Beamten der Unfallfluchtfahndung ermitteln. Bei Verkehrsunfallfluchten mit schwerverletzten oder getöteten Personen übernimmt die Verkehrspolizei in Werneck für die Dienststellen im gesamten Bereich Main/Rhön vollständig die Sachbearbeitung. Hier konnten die Fahnder 50 % der bearbeiteten Unfallfluchten aufklären.

Die Spezialisten der VPI unterstützen auch die umliegenden Polizeiinspektionen in der intensiven Recherchearbeit und bei der Identifizierung von Fahrzeugteilen am Unfallort.

Prävention

Der VPI Schweinfurt-Werneck ist es ein besonderes Anliegen, gerade auch im Bereich des Schwerverkehrs, die Verkehrssicherheit weiter zu optimieren, da bei Verkehrsunfällen mit Beteiligung dieser Fahrzeugart besonders schwere Folgen festzustellen sind. Neben regelmäßigen Kontrollmaßnahmen werden seit Jahren speziell auf diese Zielgruppe abgestimmte Präventionsveranstaltungen für Lkw-Fahrer angeboten.

Symbolfoto: Pascal Höfig

Symbolfoto: Pascal Höfig

Die bereits 2016 gestartete Präventionskampagne für Motorradfahrer „Es liegt an Dir…“ wurde 2018 weitergeführt. Die Polizei will damit an die Eigenverantwortung der Motorradfahrer appellieren. Bei 2/3 der Unfälle war weiterhin ein falsches Fahrverhalten des Motorradfahrers selbst der Auslöser für den Unfall.

Auch auf dieses Phänomen wollen die Beamten der Motorradstaffel bei der VPI Schweinfurt-Werneck bei den jährlich durchgeführten Zweirad-Kontrollen im Frühjahr hinweisen.

Überwachung des Schwerverkehrs

Zusätzlich zu den präventiven Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Schwerlastverkehr baut die VPI Schweinfurt-Werneck auch auf ein engmaschiges Kontrollkonzept. Täglich werden stationäre und mobile Kontrollen durchgeführt. Neben den technischen Aufzeichnungen zu Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer sowie zur gefahrenen Geschwindigkeit werden auch die Sicherung der Ladung und der allgemeine Zustand der Fahrzeuge intensiv überprüft.

Allein im Bereich der Lenk- und Ruhezeiten wurden im Jahr 2018 836 Anzeigen mit zum Teil erheblichen Bußgeldern erstellt.

Rastplatz an der Autobahn. Symbolfoto: Pascal Höfig

Rastplatz an der Autobahn. Symbolfoto: Pascal Höfig

Wegen erheblichen Verstößen gegen Vorschriften über Lenk- und Ruhezeiten wurde in 66 Fällen die Weiterfahrt unterbunden. Wegen technischer Mängel oder Überladung der Fahrzeuge in 288 Fällen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Überwachung von Gefahrguttransporten. Im Falle eines Verkehrsunfalls kann es lebensrettend sein, dass die mitgeführte Ladung vorschriftsmäßig gesichert und richtig gekennzeichnet ist. In 102 Fällen mussten Anzeigen gegen Fahrer und Firmenverantwortliche erstattet werden.

Die Bußgelder sind in diesem Bereich deutlich höher als im übrigen Schwerverkehr. Außerdem kommen für den Transporteur oftmals noch weitere Kosten hinzu, da unzureichend gesicherte oder gekennzeichnete Fahrzeuge an Ort und Stelle aus dem Verkehr gezogen werden. Die Weiterfahrt kann erst zugelassen werden, wenn alle Vorschriften des Gefahrgutrechts erfüllt sind.

Kriminalität

Die Statistik der VPI Schweinfurt-Werneck im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung weist im Jahr 2018 einen Anstieg der Straftaten um 38 Fälle (+ 5,2 %) auf 762 auf. Die Aufklärungsquote sank leicht auf 57,6 Prozent (- 3,4 %).

Im Bereich der Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung, war ein deutlicher Anstieg um 24 Prozent auf 93 Fälle zu verzeichnen. Erfreulicher Weise liegt hier die Aufklärungsquote bei 82,8 Prozent.

Die Anzahl der Tankbetrügereien sank um 16 Fälle auf 296 Delikte. Die Aufklärungsquote liegt hier wie 2017 bei 29 Prozent (28,8 %).

Im Bereich der Eigentumsdelikte verzeichnet die Verkehrspolizei einen Anstieg um 52,7 Prozent auf 84 Diebstähle. Der Hauptgrund hierfür ist die steigende Zahl der Ladungsdiebstähle auf den Rastanlagen der Autobahnen.

LKW-Rastplatz. Symbolfoto: Pascal Höfig.

LKW-Rastplatz. Symbolfoto: Pascal Höfig.

Einen Erfolg gegen die bandenmäßig organisierten Ladungsdiebe konnte die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck Mitte Oktober verbuchen. Beamte der Fahndungsgruppe nahmen nach umfangreichen Fahndungsmaßnahmen drei mutmaßliche “Planenschlitzer“ fest. Die Männer standen im Verdacht in der Nacht zuvor auf der Rastanlage Rhön in die Planen von 47 Lkw sogenannte Sichtungsschlitze geschnitten zu haben.

Nach einem der Tatverdächtigen war bereits europaweit mit Haftbefehl wegen gleichgelagerten Fällen gefahndet worden. Auch die anderen beiden Männer wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der die Untersuchungshaft wegen des dringenden Verdachts des versuchten schweren Bandendiebstahls anordnete.

Schleierfahndung

Neben den uniformierten Streifenbeamten sind die Kollegen der Fahndungsgruppe der VPI Schweinfurt-Werneck in Zivil auf den Autobahnen unterwegs, um die überörtliche Kriminalität zu bekämpfen. Insbesondere die Autobahn A 7 stellt einen ständigen Arbeitsschwerpunkt für die Dienststelle dar. Auf der Transitroute „schwimmen“ zahlreiche Kriminelle mit, die Drogen, illegale Waffen und Diebesgut mitführen, oder mit gefälschten Führerscheinen, Ausweispapieren oder entwendeten Fahrzeugen unterwegs sind.

108 Rauschgiftdelikte musste die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck 2018 verzeichnen und zusätzlich 88 Fahrzeugführer, die unter Drogeneinfluss am Steuer saßen, aus dem Verkehr ziehen.

Ende Juli wurden bei einer Kontrolle in einem Audi Q 7 Dopingmittel und 4 kg Marihuana entdeckt. Gegen den 47-jährigen Drogenkurier wurde vom zuständigen Richter Haftbefehl erlassen. Danach erfolgte die Einlieferung in die Justizvollzugsanstalt Schweinfurt.

Im August wurde ein Kleintransporter beladen mit Werkzeug auf der A 7 festgestellt. Anhand von Aufklebern auf dem Werkzeug konnte schnell der rechtmäßige Eigentümer ermittelt werden. Die Firma aus dem Raum Schwäbisch Hall hatte den Diebstahl noch nicht einmal gemerkt, hatten die Fahnder der Verkehrspolizei das “frische Diebesgut“ bereits sichergestellt.

Ganz nebenbei konnte für die Kollegen aus Baden-Württemberg durch die Kontrolle auch ein Diebstahl eines Kleintransporters aufgeklärt werden. Dass der Fahrer noch nie einen Führerschein besaß, fiel dann schon fast nicht mehr ins Gewicht.

Allgemeine Informationen

Die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck hatte im vergangenen Jahr 5.140 Einsatzfahrten zu bewältigen. Angefangen von verlorenen Ladungsteilen, die von der Fahrbahn geräumt werden mussten, bis hin zu schweren Verkehrsunfällen und Falschfahrern.

Besonders ärgerlich sind die zahlreichen Kleinunfälle, die durch unvernünftige Überholer auf den schmalen Streckenabschnitten in den Baustellenbereichen verursacht werden. Auch durch liegengebliebene Pkw und Lastkraftwagen in den Baustellen entstehen schnell erhebliche Rückstaus, weil dort auf einen Seitenstreifen aus Platzgründen verzichtet werden musste.

In diesem Zusammenhang bittet die Polizei alle Verkehrsteilnehmer darum, im Falle eines Staus immer eine Rettungsgasse zu bilden. Durch das Freihalten einer Rettungsgasse kann schneller Hilfe geleistet und die Störung dann auch frühzeitiger beseitigt werden.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Polizeiinspektion Schweinfurt.

 

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