Blick auf den Rossmarkt in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig
Blick auf den Rossmarkt in Schweinfurt. Foto: Pascal Höfig

Disparitätenbericht 2019: Schweinfurt als dynamische Stadt ausgezeichnet

Sinkende Arbeitslosigkeit, innovative Industrien und Wachstumsraten – Deutschland befindet sich im wirtschaftlichen Wachstum. Aber nicht alle Städte und Landkreise profitieren davon. Während Einzelne boomen, drohen andere langfristig abgehängt zu werden. Die sozioökonomische Ungleichheit in Deutschland verfestigt sich immer mehr. Mit ihrem neuen Disparitätenbericht unternimmt die Friedrich-Ebert-Stiftung eine umfassende Analyse der Ungleichheit in Deutschland. Untersucht wurden zwanzig Indikatoren, wie Beschäftigungsquoten, Armutsraten, kommunale Verschuldung oder Bestandsmieten in allen 401 deutschen kreisfreien Städten und Landkreisen. Schweinfurt schneidet gut dabei ab.

Wohlstand und Wachstum vs. Abstieg und Abgrenzung

Wirtschaftswachstum und steigende Beschäftigungszahlen haben nicht dazu geführt, die Gräben zwischen reichen und ärmeren Gegenden zu ebnen, führt die Stiftung in ihrer Pressemitteilung zur Analyse aus. Die Schere zwischen arm und reich wird größer. Mehr als 13 Millionen Menschen leben in Regionen mit großen Strukturproblemen. Dort, wo die Infrastruktur bröckelt, verlieren die Menschen auch das Vertrauen in Politik und Demokratie, weil sie sich abgehängt fühlen, so die Studie. Die Furcht vor Abstieg und Abgrenzung wächst, Frust und Unsicherheit machen sich breit. Das Vertrauen in die etablierten Parteien geht verloren und Zweifel an den demokratischen Verfahren wachsen. Dies ist auch eine – wenn auch nicht die Einzige – Ursache für steigenden Rechtspopulismus.

Schweinfurt als dynamische Stadt mit Exklusionsgefahr

Die Stadt Schweinfurt wird im Bericht der Stiftung als eine dynamische Stadt mit Exklusionsgefahr ausgezeichnet. In fast allen Indikatoren schneidet sie besser ab als der bundesweite Durchschnitt. Bemerkenswert sind aber vor allem die kommunalen Schulden. Diese betragen mit 154 Euro pro Einwohner weniger als ein Zehntel des deutschlandweiten Mittelwertes. Ebenso gut sind die Bestandsmieten mit 6,50 Euro pro Quadratmeter. Hingegen fallen die Kinderarmut mit erschreckenden 21,6 Prozent, sowie die Altersarmut mit 5 Prozent äußerst negativ ins Gewicht.

Die Altersarmut im Schweinfurter Landkreis hat wiederum einen besseren Wert. Insgesamt steht der Schweinfurter Landkreis der Stadt in kaum etwas nach und wird in der Studie als starkes Umland eingestuft. Interessant ist auch, dass der Landkreis eine bessere Beschäftigungsquote als die Stadt hat. Eine Stufe niedriger stehen dann wiederum die angrenzenden Landkreise wie Main-Spessart, Bad Kissingen oder Rhön-Grabfeld. Diese werden zu Deutschlands solider Mitte gezählt.

Wirtschaftlich starke Städte entzweien sich

In ihrem Bericht zeigt die Friedrich-Ebert-Stiftung, dass der Wohlstandsgraben nicht nur Städte und Regionen trennt, sondern auch Städte entzweit. In den vergangenen Jahren wurde der Vorsprung der „reichen Städte“ durch Investitionen in die Zukunft weiter ausgebaut, allerdings mit einer zunehmenden sozialen Benachteiligung einkommensschwacher Haushalte in den größeren Städten selbst. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten führen zu einem erhöhten Armutsrisiko, das inzwischen Haushalte mit mittleren Einkommen bedroht.

Der Disparitätenbericht der Friedrich-Ebert-Stiftung liefert eine umfassende Bestandsaufnahme der sozioökonomischen Ungleichheit in Deutschland. Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Der Disparitätenbericht der Friedrich-Ebert-Stiftung liefert eine umfassende Bestandsaufnahme der sozioökonomischen Ungleichheit in Deutschland. Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Selbst in wirtschaftlich erfolgreichen Städten wie eben Schweinfurt drohen also die Menschen mit mittlerem Einkommen, Familien mit Kindern und Senioren in die Armut abzurutschen. Viele Familien versuchen in das starke Umland zu „entfliehen“, was wiederum dazu führt, dass dort ebenfalls die Lebenshaltungskosten steigen.

Individuelle Stärkung für die einzelnen Kommunen

Die Autoren des Forschungsinstituts empfehlen in ihrem Bericht, die Kommunen individuell zu stärken. Die Finanzmittel sollten sich stärker am spezifischen Bedarf orientieren und unter Umständen sollten sogar Entschuldungsfonds eingerichtet werden, denn nur so kann es gelingen, schwache Kommunen aus dem Teufelskreis herauszuholen. Die Politik müsse handeln, um die Ungleichheiten zu bekämpfen. Deutschland braucht eine neue Regional-, Struktur-, Bildungs- und Finanzpolitik, heißt es in der Studie abschließend.

Den vollständigen Disparitätenbericht 2019 gibt es hier.

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