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Zusammenprallende Footballspieler. Foto: Dirk Flieger.
Football kann oft brutal wirken - Training und Taktik mindern das Verletzungsrisiko. Foto: Dirk Flieger.

Football: brutaler Sport oder kinderfreundliches Hobby?

Football – in Amerika der Trendsport schlechthin, in Deutschland eher eine Nischensportart. Dafür sprechen zumindest die Zahlen: während in unserem Land rund 27.000 Fußballvereine existieren, kommen die Footballvereine gerade mal auf 400 Stück. Ein Zeichen dafür, dass der Sport hierzulande „out“ ist? Zumindest nicht in Schweinfurt! Seit Beginn des Jahres versucht ein neuer Verein hier sein Glück: die Schweinfurt Hornets. In unserem Interview erzählt Michael Phillips Jr., Vize-Abteilungsleiter und Jugend Cheftrainer bei den Hornets, von der Sportart, ihren Vorzügen und den oft gefürchteten Verletzungsrisiken.

Keine Sportart für den Pausenhof

„Prinzipiell denke ich, wird Football weniger betrieben, da der Aufwand im Vergleich zu anderen Sportarten größer ist“, vermutet Phillips. „Beim Fußball oder Basketball braucht man im geringsten Maße nur sich, einen Gegner und als Spielgerät einen Ball. Beim Football dagegen ist durch die natürliche Begebenheit des Sports einfach wesentlich mehr nötig.“ Die Ausrüstung, ein Team mit mehreren Mitspielern – ohne sie gehe gar nichts. „Es ist eben keine Sportart, die ich mal eben auf dem Pausenhof ausüben kann.“

Variation und wichtige Werte

Dennoch kein Grund, American Football einfach abzuschreiben. Michael Phillips ist sicher, dass der Sport viele überzeugende Vorteile zu bieten hat: „Football ist zum einen ein sehr variationsreicher Sport.“ Langweile und Monotonie seien hier fehl am Platz. Neben dem intensiven Training der Körperkraft und Ausdauer werde beispielsweise auch großer Wert auf Athletik und Koordination gelegt. Denn auch wenn der Sport von außen grob und wuchtig wirken mag – im direkten Angriff muss jeder Griff sitzen. Neben den physischen Fähigkeiten würden die Spieler außerdem auch einiges Wertvolle fürs Leben lernen: „Football ist mental sehr prägend. Neben dem Verstehen von Taktiken und Strategien ist die Ausbildung von Disziplin und Respekt vor allem im Jugendbereich unausweichlich.“

Zusammenhalt wird beim Football groß geschrieben. Foto: Dirk Flieger.

Die Schweinfurt Hornets

Darüber hinaus sei Football „unglaublich familiär“. Das habe auch die erfolgreiche Fusion der zwei Vereine „Schweinfurt Gladiators“ und „Gerolzhofen Bulldogs“ zu den Schweinfurt Hornets am Anfang des Jahres gezeigt. „Wir haben aus zwei Vereinen eine Mannschaft formen können. Vielmehr sogar verschmelzen können.“ Schon nach nur wenigen Wochen habe es zwischen den ehemals getrennten Mannschaften keinerlei Aufspaltung gegeben. „Jeder auf dem Feld weiß, dass ohne Zusammenhalt nichts möglich ist. Im Unterschied zu anderen Sportarten gibt es hier nicht sowas wie Einzelkämpfer. Wir machen das zusammen perfekt oder machen alle einen Fehler.“

Seit Anfang des Jahres gibt es einen neuen Football Verein in Schweinfurt: die Hornets. Foto: Dirk Flieger.

Seit Anfang des Jahres gibt es einen neuen Football Verein in Schweinfurt: die Hornets. Foto: Dirk Flieger.

Football – eine brutale Sportart?

Neben Teamgeist kommen einem jedoch oft auch ganz andere Bilder in den Kopf, denkt man an Football: ein harter Aufprall nach dem anderen, intensive Zweikämpfe, zu Boden fallende Spieler  – selbst Studien zeigen, dass der Footballsport einige gesundheitliche Risiken birgt, beispielsweise Gehirnerschütterungen und Hirntraumata durch die harten Aufschläge. Bedenken, denen sich die Vereine durchaus bewusst sind: „Zunächst sind hier natürlich Sicherheitsvorkehrungen ein Muss! Ohne geht es einfach nicht. Das bedeutet, dass ein Spieler neben Helm und Schulterpolster, eben auch Mundstück, Knie-, Oberschenkel-, Hüft- und Steißbeinschoner tragen muss. Dies wird sogar vorher vom Schiedsrichter geprüft“, so Phillips.

Die typische Football-Ausrüstung ist eine der wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen. Foto: Dirk Flieger.

Verletzungsgefahr nicht höher als beim Fußball

Die größte Sicherheitsvorkehrung beginne jedoch schon früher: nämlich bei der Ausbildung. „Wir schicken hier niemanden nach drei Trainingseinheiten einfach auf’s Feld und hoffen, dass er es übersteht.“ Die Spieler würden im Training intensiv auf mögliche Stürze und Zusammenstöße vorbereitet werden. „Außerdem wird Football heute ganz anders gespielt als man es aus früheren Zeiten oder alten Filmen kennt. Wir laufen nicht mehr einfach aus 30 Metern Entfernung aufeinander zu und hoffen, dass einer am Ende stehen bleibt. Heute sind sowohl die Spielzüge aber vor allem auch die direkten Kontakte kalkulierter und technisch trainierter.“

Insgesamt sei so das Verletzungsrisiko mittlerweile immens verringert worden und viele der damals erhobenen Statistiken träfen mittlerweile nicht mehr zu. „Außerdem beweist die Statistik auch, dass die Verletzungsgefahr nicht höher ist als beim Fußball“, wirft Phillips außerdem ein.

Tackle Football vs. Flag Football

Eltern, die sich dennoch Sorgen machen, ihr Kind könnte beim Football Training verletzt werden, können beruhigt sein. Denn in den jüngeren Altersklassen wird standardgemäß eine softere Form des Footballs ausgeübt, das sogenannte „Flag Football“. „Der größte Unterschied ist, dass fast kein Kontakt zwischen den Spielern ausgeübt wird“. Während beim Tackle Football, wie er in Amerika standardmäßig ausgeführt wird, der Ballträger durch einen körperlichen Angriff zu Boden gebracht wird, markiert beim Flag Football das Ziehen einer Flagge am Gürtel des Gegenspielers das Ende eines Spielzuges. Somit werden jegliche Zusammenstöße und somit Verletzungsrisiken ausgeschlossen.

„Abgesehen davon lernen, trainieren und spielen die Spieler alle Techniken des American Football. Passrouten, Werfen, Fangen, Deckung, selbst ein Teil der Spielzüge ist absolut identisch“, erklärt Phillips. So müssen die jungen Athleten, sobald sie dann in die U19 aufsteigen und bereit für den Tackle Football sind, „nur noch“ das Tacklen lernen und können direkt mit dem eigentlichen American Football durchstarten.

Football kann oft brutal wirken – Training und Taktik mindern das Verletzungsrisiko. Foto: Dirk Flieger.

Für jeden die passende Mannschaft

Doch wann ist nun das passende Alter, um sein Kind im Football Verein anzumelden? „Da mittlerweile in Bayern 30% aller Footballspiele bereits Flag Football – Spiele sind, kann man bei dieser kontaktlosen Sportart eigentlich nicht zu früh anfangen. Unser Programm beginnt bei circa acht Jahren, früher ist jedoch auch möglich.“ Insgesamt drei Altersklassen bedienen die Schweinfurt Hornets: die Herren über 18, die U19 ab 15 Jahren und zu guter Letzt die U15 ab 8 Jahren.

Und wem der Football Sport dennoch zu brutal erscheint, findet vielleicht in einem anderen amerikanischen Trendsport sein Traumhobby: „Seit Kurzem starten wir auch ein neues Cheerleader-Programm! Sowohl Mädchen als auch Jungs sind herzlich willkommen!“

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