Fahrrad im Straßenverkehr. Symbolfoto: Dominik Ziegler
Fahrrad im Straßenverkehr. Symbolfoto: Dominik Ziegler

Schweinfurt wird trotz Defiziten eine „Fahrradfreundliche Kommune“

„Fahrradfreundliche Kommune“, diese Auszeichnung hat sich nun die Stadt Schweinfurt geholt. Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) hat die Stadt, laut einem Bericht der Main-Post, hierfür beim Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr empfohlen – ganz zum Bedauern der Schweinfurter Grünen. Diese sind nämlich alles andere als zufrieden mit der „Fahrradfreundlichkeit“ der Stadt, heißt es in einer Pressemitteilung der Partei.

AGFK – für fahrradfreundliche Kommunen

Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen nimmt Kommunen für vier Jahre auf, innerhalb derer über die Verleihung der Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ entschieden wird. Nur auf Vorschlag der AGFK kann das Staatsministerium diese Auszeichnung verleihen. Nach sieben Jahren erfolgt schließlich eine erneute Überprüfung der AGFK.

Damit würde man sich einem Netzwerk von anderen fahrradfreundlichen Kommunen anschließen und von deren Erfahrungen, Meinungen und Dienstleistungen profitieren. Das sei auch ein Anreiz für Schweinfurt, sich um diese Auszeichnung zu bemühen.

Ausbau der Fahrradstruktur versäumt

Einen „deutlichen Handlungsbedarf“ attestierte die AGFK dennoch, heißt es in der Presseinformation. „Die Stadt hatte fünf Jahre Zeit, ihr Radwegenetz auf Vordermann zu bringen. Das hat sie versäumt. Sie darf diese Auszeichnung jetzt nicht als Ruhekissen verstehen, sondern muss endlich die auch von der AGFK angemahnten Maßnahmen umsetzen. Der Weg zu einem fahrradfreundlichen Schweinfurt ist noch lang und holprig“, erklärt Holger Laschka, OB-Kandidat für die Grünen.

Kritikpunkte seitens der Jury

Und das sieht auch die Sprecherin der Jury der AGFK, Susanne Lender-Cassens, so und resümiert einige Forderungen, wie Lückenschlüsse der Niederwerrner und Dittelbrunner Straße, ein Beispiel von vielen für die fehlende Durchgängigkeit im Radnetz der Stadt, heißt es bei der Main-Post. Sie verlange in vielen weiteren Punkten mehr pro Rad zu denken: Bei Baustellen müssten nicht nur dem Autofahrer, sondern auch dem Radfahrer sinnvolle Umleitungen angezeigt werden. Am Hautbahnhof sei das derzeit nicht der Fall, so soll an Ampeln auch der Radler flüssiger vorankommen, beispielsweise durch Verzicht auf Bedarfsschaltung. Im Winter müsse sich jeder Radfahrer auf geräumte Radwege verlassen können, heißt es auch hierzu in der Pressemitteilung der Grünen.

Lender-Cassens bemängelt aber nicht alles und sehe die Bemühungen und Pläne um eine gute Rad-Infrastruktur und das Entstehen eines Radverkehrskonzeptes als Pluspunkte an, berichtet die Main-Post. Oberbürgermeister Remelé sprach auch nach der Auszeichnung davon, dass ihnen klar sei, dass sie erst auf dem Weg seien, so die Main-Post.

Zu wenig Radverkehr

Dass zu wenig Geld für eine Verkehrswende da sei, kritisieren die Grünen in ihrer Pressemitteilung: „In Zeiten des erkennbaren Klimawandels muss eine Verkehrswende her, das Rad gehört dazu“, erklärt MdL Knoblach. Bei der letzten Zählung 2010 betrug der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr in Schweinfurt gerade mal 13 Prozent, heißt es weiter. „Viel zu wenig, Schweinfurt ist eine Stadt der kurzen Wege und je besser das Radnetz, desto mehr Menschen steigen aufs Rad oder E-Bike um“, sagt Laschka. Das sei aber mit den Haushaltssätzen der letzten Jahre von durchschnittlich 200.000 Euro nicht möglich, sagen die Grünen. Es sei deutlich mehr Geld notwendig, um sichere Wege zu schaffen, heißt es weiter.

ADFC nicht glücklich über Fahrradsituation

Dass in der Stadt viel Nachholbedarf besteht, das stellte auch schon der ADFC fest. Keine Alternativen für gefährliche Straßen, Gefahr des „Geisterradelns“ und uneinsichtige Fahrverhalten seitens der Radfahrer waren einige der Punkte, die der ADFC bemängelte. Im April stellten sie bereits Forderungspunkte mit breiteren Radwegen, sicheren Kreuzungen und mehr Fahrradparkplätzen an die Stadt.

Für die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Stadt“ haben die Bemühen jedoch gereicht. In sieben Jahren wird die Stadt Schweinfurt dann erneut auf ihre Fahrradfreundlichkeit getestet.

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