Für jeden Kaffee auch ein Kassenbon. Foto: Dominik Ziegler
Für jeden Kaffee auch ein Kassenbon. Foto: Dominik Ziegler

Bonpflicht: Das sagen Schweinfurter Betriebe

Die Bonpflicht ist in aller Munde: Seit Beginn des Jahres müssen überall Kassenbons ausgegeben werden, auch bei kleinen Beträgen, wie für einen Coffee-to-go oder eine Brezel. Damit soll zwar zukünftig Steuerhinterziehung verhindert werden, führt aber aus Umwelt- und Kostengründen auch zu Unmut seitens der Ladenbesitzer und Kunden. Wir haben Schweinfurter Betriebe und unsere Schweinfurt City-Fans auf Facebook gefragt, was sie vom neuen Gesetz halten.

Wofür eine Bonpflicht?

Seit dem 1.1.2020 gilt „Immer mit“ – also immer mit Kassenbon. Dieser muss immer, also auch bei kleinen Einkäufen, ausgegeben werden, allerdings ist der Kunde nicht dazu verpflichtet, diesen auch anzunehmen. Das führt zu Kontroversen, denn die Kassenrollen belasten vor allem kleinere Betriebe finanziell und auch von Umweltfreundlichkeit ist bei der Nutzung des speziellen Thermopapiers keine Spur. Dagegen wehren sich einige Betriebe bereits: Medienberichten zufolge gibt es auch Auswahlmöglichkeiten, sich den Bon per Mail oder per QR-Code auf dem Smartphone anzeigen zu lassen. Infranken.de berichtete außerdem von einem Bäcker in Moosinning, der mit seinem „Kassenbon-Krapfen“, welcher mit einem Bon aus Zucker verziert ist, auf das neu eingeführte Gesetz aufmerksam macht.

Doch wozu das Ganze? Damit soll der Steuerhinterziehung entgegengewirkt werden. Die nachträgliche Manipulation an elektronischen Aufzeichnungsdaten in den Kassen soll damit nicht mehr möglich sein, denn die Daten sind für jeden einsehbar. Hierbei muss der Bon nicht in Papierform ausgegeben werden – denn auch per Mail oder per SMS lässt sich der Bon gültig ausgeben.

Das sagen Schweinfurter Betriebe

Auswirkungen auf das Geschäft sehen die Schweinfurter Betriebe unterschiedlich. „Das ist der größte Schwachsinn – erst wollen alle das Papier gespart wird und man etwas für die Umwelt tut und dann führt man eine Bonpflicht ein“, so eine Mitarbeiterin in einer Schweinfurter Filiale der Bäckereikette „Kiliansbäck“. „Die Kunden wollen das nicht – und wenn es mal der seltene Fall ist, dass jemand einen Bon möchte, dann sagt er das.“ Dieser Meinung ist auch die Bäckerei Fuchs: „Wir haben doch in der heutigen Zeit alle Kassen, die jeden Vorgang speichern. Der Kunde, der einen Bon möchte, kann es jederzeit haben.“

Doch nicht nur die Kosten sind belastend, „auch das Geschimpfe von den Kunden ist echt schlimm. Wir sind die, die es abbekommen“, heißt es weiter. „Und wenn jemand Steuern hinterziehen möchte, dann macht er das eh ohne Bon!“, so die Aussage einer Kiliansbäck-Mitarbeiterin. Andere Betriebe wie beispielsweise die „Metzgerei Geeb“ treffen keine Veränderungen: „Bei uns werden die Kassenbons schon lange automatisch mit ausgedruckt“, heißt es auf Nachfrage.

Das sagen Schweinfurt-City Fans

In einer Facebook-Umfrage haben wir die Schweinfurt City – Community nach ihrer Meinung zur Bonpflicht gefragt. 94 % der rund 800 Stimmen sprechen sich gegen die Kassenbonpflicht aus. „Ein echter Quatsch“, findet Christine. „Ich hebe alle auf und am Ende vom Jahr gebe ich diese beim Finanzamt ab! Ein Hoch auf den Klimawandel“, kritisiert Jens. Nur 6 %, und damit eine klare Minderheit, finden die Idee gut.

Andere verstehen die Aufregung nicht. „Ich versteh gar nicht, warum das so ein Getue ist, in den meisten europäischen Ländern ist das schon lange Pflicht„, meint Eva. Tatsächlich gibt es beispielsweise in Italien schon die Pflicht, einen Kassenbon auszustellen – aber auch, anders als in Deutschland, anzunehmen. Wird man so zum Beispiel nach Verlassen eines Restaurants ohne Kassenbon erwischt, kann das negative Konsequenzen mit sich ziehen. Während in Deutschland die Bonpflicht eingeführt wurde, soll sie in Frankreich dagegen bald Geschichte sein: Wie ‚Die Welt‘ berichtet, sollen dort nämlich bald Kassenbons für Kleinbeträge bis 10 € entfallen und nur auf Kundenwunsch ausgestellt werden.

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