Björn und Daniella vor ihrem Geländewagen - bereit für die kommenden Herausforderungen. Foto: Björn und Daniella
Björn und Daniella vor ihrem Geländewagen - bereit für die kommenden Herausforderungen. Foto: Björn und Daniella

Charity-Rallye „Baltic Sea Circle 2020“: Zwei Unterfranken sind dabei

Wie schön das doch wäre, wenn man Urlaub und Hobby verbinden und gleichzeitig etwas Gutes für die Menschheit und Natur tun könnte. Genau dies haben zwei junge Unterfranken vor – Björn und Daniella. Sie wollen nämlich an dem Charity-Rallye Event „Baltic Sea Circle 2020“ teilnehmen. Bei diesem Event geht es darum, ohne irgendwelche Navigationssysteme und ohne Autobahnen die Strecke von Hamburg bis zum Nordkap und über Russland oder Norwegen wieder zurück zu absolvieren.

Ziel des Ganzen – neben den Erfahrungen und dem Spaß: etwas Gemeinnütziges zu tun –  jedes teilnehmende Team muss nämlich eine Spendensumme von 750 € für eine oder mehrere gemeinnützige Organisationen sammeln. Dafür brauchen die beiden aber noch Unterstützung. Was genau es mit diesem Event auf sich hat, welche Herausforderungen auf sie zukommen werden und warum die beiden sich dazu entschieden haben, erzählen Björn und Daniella uns.

7.500 km in 16 Tagen

Schweinfurt City (SC): Erzählt doch mal etwas über Euch: Wer seid Ihr? Was macht Ihr? Was verbindet Euch mit Schweinfurt?

Björn und Daniella: Björn (28), unser Rallyepilot und Teamlead ist gebürtiger Würzburger, ist hier auf die Schule gegangen, hat seine Ausbildung in Würzburg gemacht und in Schweinfurt Maschinenbau studiert. Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss 2019 stieg er direkt bei ZF Sachs als Entwicklungsingenieur ein, wo er derzeit als Konstrukteur für Nutzfahrzeuge arbeitet.

Ich, Daniella (25), Copilotin und Frühstücksverantwortliche, bin gebürtige Ungarin und zog 2013 nach Würzburg, um Jura zu studieren. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Ersten Juristischen Staatsexamens 2019 stieg ich als Legal Engineer bei einem NGO und Social Legal Tech Start-Up in Berlin ein, arbeite jedoch weitestgehend aus dem Home Office in Rimpar.

SC:  Was genau ist dieses Charity-Rallye Event „Baltic Sea Circle 2020“?

Björn und Daniella: Im Rahmen des „Baltic Sea Circles“, welches dieses Jahr bereits zum 10. Mal stattfindet, fährt man von Hamburg zum Nordkap und über Russland oder Norwegen zurück. Es sind mehr als 7.500 km, die man in 16 Tagen mit einem mindestens 20 Jahre alten Fahrzeug ohne Navigationsgerät und ohne Autobahn zurücklegt. Doch man muss die Strecke nicht nur „abfahren“, viel mehr haben die Veranstalter einzelne Punkte auf der Strecke ausgesucht, an denen man bestimmte Aufgaben absolvieren muss, um so Punkte zu sammeln.

Die Strecke vom "Baltic-Sea-Circle 2020". Foto: Björn und Daniella

Die Strecke vom „Baltic-Sea-Circle 2020“. Foto: Björn und Daniella

Anderen helfen

SC: Was ist der Sinn von dem Ganzen? Inwiefern unterstützt man hierbei andere?

Björn und Daniella: Das große Ziel ist, neben dem Spaß am Reisen und der einzigartigen Erfahrung und dem Erlebnis, etwas Gutes zu tun. So müssen alle Teams mindestens 750 € Spenden für wohltätige Organisationen sammeln. Wir haben hierfür zwei Organisationen ausgesucht und werden die Spenden entsprechend aufteilen. Die Hälfte des Geldes werden wir nach Australien schicken, denn nach den verheerenden Bränden kann es nicht genug Geld geben, um die verwundeten Tiere zu pflegen und die Natur so weit wie möglich wieder aufzuforsten/ bei der Erholung zu unterstützen.

Außerdem möchten wir eine deutsche Organisation, die Stiftung Offroad Kids, gerne unterstützen. Denn während wir freiwillig im Dachzelt in der Natur schlafen, gibt es zahlreiche Kinder und Jugendliche, die diese Wahl nicht haben. Die Stiftung leistet hier eine wahnsinnig tolle Arbeit durch Streetwork, um Kinder und Jugendliche von der Straße wegzuholen und ihnen eine Chance zu bieten. So geht die andere Hälfte an diese Organisation bzw. an die Kinder.

SC: Wie kamt Ihr dazu, dort teilzunehmen?

Björn und Daniella: Wir haben uns vor vier Jahren einen Geländewagen zugelegt, um Europa zu entdecken. Wir reisen sehr gerne und auch weit, doch sind auch der Meinung, dass man seine eigene Nachbarschaft zum Teil gar nicht kennt. Insbesondere mir als Zugezogene fiel im 3./4. Semester auf, wie wenig ich eigentlich von der Würzburger Landschaft kenne, obwohl es bereits hier unfassbar viele schöne Ecken gibt. So hatten wir beschlossen, Europa mit dem Dachzelt zu bereisen. Wir waren bereits in Frankreich, Monaco und Italien, entdeckten die südlicheren Länder über Österreich und Kroatien, sowie Osteuropa mit Slowakei, Ungarn und Rumänien.

Ein weiterer, für uns sehr wichtiger Aspekt, stellt die Natur dar. Auch wenn Unterfranken eine grüne und wunderschöne Region ist, fanden wir, dass man durch den Alltag und im Anschluss durch die Arbeit immer mehr den Bezug zur Natur verliert. So schlafen wir immer dann, wenn es legal und tatsächlich möglich ist, abseits von Campingplätzen, Straßen etc. „Back to the nature“ eben.

SC: Warum genau diese Rallye?

Im Rahmen der Rallye möchten wir insbesondere in Bezug auf die Natur die Gesellschaft dafür sensibilisieren, wie wichtig ein vernünftiger Umgang mit der Natur ist. Denn egal wo wir waren, wir haben immer wieder viel hinterlassenen Müll gefunden. Das muss nicht sein. An einer Rallye teilzunehmen, haben wir uns schon länger überlegt. Doch viele der Rallyes laufen so ab, dass man am Ende der Fahrt das Fahrzeug spendet. Das kam für uns nicht infrage. Außerdem wollten wir dieses Jahr unbedingt in den Norden. So fiel uns die „Baltic Sea Circle“ im Rahmen unserer Recherchen auf und sie war eigentlich genau das, was wir gesucht haben.

Vollgepacktes Auto unter einem schönen Sternenhimmel. Foto: Björn und Daniella

Vollgepacktes Auto unter einem schönen Sternenhimmel. Foto: Björn und Daniella

Riesengroße Karten statt Navigationsgeräte

SC: Welche Herausforderungen kommen auf Euch zu?

Björn und Daniella: Die skandinavischen Länder sind vollkommenes Neuland für uns. Wir möchten, wie die Jahre zuvor auch, stets im Dachzelt schlafen. Wir sind jedoch mit unserem eigens von Björn konstruierten Innenausbau auch für Regen und Kälte vorbereitet. Die größte Herausforderung wird vermutlich der Mangel an Navigationsgeräten sein. Wir können uns noch sehr leicht an die Zeit erinnern, als wir mit unseren Eltern eine riesengroße Karte auf einer Autobahnraststätte ausgebreitet haben. Dasselbe kommt vermutlich erneut auf uns zu.

Außerdem werden wir sehr, sehr viel fahren müssen. Um über 7.500 km in 16 Tagen zu schaffen, werden wir am Tag mehrere hundert Kilometer fahren müssen. Um dennoch etwas vom Land sehen zu können, werden wir vermutlich ziemlich früh aufstehen müssen. Nichts mit Ausschlafen also. Aber der Sonnenaufgang im Dachzelt ist ohnehin einmalig und wunderschön. Wobei wir uns an die Lichtbedingungen im Norden gewöhnen müssen werden. Einen richtigen Sonnenauf- und Untergang wird es vermutlich nicht geben. Für die Fahrerei werden wir uns abwechseln müssen und hoffen, dass wir ohne größere Pannen vorankommen. Der Zeitdruck ist diesmal immens, sodass wir davon ausgehen, nach den drei Wochen Urlaub zu brauchen – kleiner Scherz.

Schöner Ausblick auf weiten Reisen. Foto: Björn und Daniella

Schöner Ausblick auf weiten Reisen. Foto: Björn und Daniella

Eine stetige Herausforderung auf unseren Reisen ist immer unsere Essensversorgung. Ich habe leider Zöliakie, sodass ich stets schauen muss, dass ich glutenfreie Produkte finde. Außerdem haben wir bisher keine Kompressorkühlbox, sodass wir nie größere Mengen an Kühlwaren mitnehmen können. Diese Herausforderung hatten wir jedoch bisher jedes Jahr im Urlaub und wir sind nicht verhungert.

Eine Herausforderung werden wir hoffentlich weniger haben: da in skandinavischen Ländern das „Jedermannsrecht“ gilt und man zumindest in der Theorie weitestgehend überall stehen bleiben kann, hoffen wir darauf, einfacher geeignete „Unterkünfte“ zu finden. Wir mögen ruhige und abgelegene Ecken, diese sollten wir finden können. Ich bin außerdem sehr gespannt, wie viele Tiere wir sehen werden. Wir sind beide leidenschaftliche Hobbyfotografen und hoffen vor allem auf ein paar Milchstraßenaufnahmen und schöne Landschaftsbilder als Erinnerung.

Wie kann man mithelfen?

SC: Wo kann man Euch verfolgen bzw. sehen, wie weit Ihr seid?

Björn und Daniella: Wir sind beide auf Instagram aktiv, Björn findet man unter @bechanicaer, mich unter @akoneira. Wir haben außerdem einen neuen Kanal gestartet (@offroad_shortys), auf dem wir die Rallyevorbereitungen und auch die Erlebnisse teilen werden. Außerdem schaltet der Organisator der Rallye LiveTracking – Webseiten für die Rallye frei, sodass man genau wissen wird, wo wir uns gerade befinden.

SC: Gibt es eine Möglichkeit Euch zu unterstützen bzw. mitzuhelfen?

Björn und Daniella: Wir würden uns sehr freuen, wenn wir möglichst viel Geld für Australien und die Offroad Kids sammeln könnten. Für letzteres haben wir ein Fundraising-Projekt bei Betterplace.org gestartet. Hier kann auch eine entsprechende Spendenbescheinigung von der Webseite erstellt werden.

Für Australien sammeln wir das Geld über Paypal ein (danielladomokos@gmail.com), bzw. jede/r kann auch selbständig an WIRES spenden. Wichtig ist nur, dass wir darüber informiert werden, dass dies im Rahmen der Rallye geschah.

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