Alle acht Mitglieder der Band Sondermarke. Foto: Barni
Alle acht Mitglieder der Band Sondermarke. Foto: Barni

Musik in Zeiten von Corona: Die Band Sondermarke im Interview

Einen Song während dem Höhepunkt der Corona-Krise zu produzieren selbst birgt schon einige Hürden. Wenn die Band, die den Song produzieren soll, auch noch aus acht Personen besteht, wird es umso schwieriger. Dass es dennoch möglich ist und dabei auch noch ein richtig guter Song rauskommen kann, hat die Indie-Rock Band Sondermarke aus dem Raum Würzburg und Schweinfurt mit dem Song „Rucksack voller Steine“ bewiesen. Das Besondere an der Band: Die klassische Bandbesetzung wie Gitarre und Bass wird gekonnt mit Streichern und Bläsern gepaart.

Wir haben uns ein wenig mit dem Sänger der Band, Barni Wegner-Schmidt, unterhalten und durften mehr über Inhalt und die nicht ganz leichte Produktion des neuen Songs „Rucksack voller Steine“ erfahren.

Schweinfurt City: Wie lange macht Ihr schon Musik zusammen? Wie habt Ihr Euch zusammengefunden? 

Barni: Sondermarke wurde Anfang 2018 gegründet und die Hälfte der Band kannte sich bereits jahrelang durch andere gemeinsame musikalische Projekte. Zu Beginn war Sondermarke noch 6-köpfig angelegt. Ziemlich schnell kamen dann aber noch Violine und Cello dazu und trotz dessen, dass wir alle aus unterschiedlichen Stilistiken kommen (von Punk bis Klassik) hat es direkt von Anfang an perfekt harmoniert und war für alle stimmig.

Schweinfurt City: Was ist das Besondere an Sondermarke?

Barni: Ich denke es ist zum einen, wie bereits erwähnt, die etwas außergewöhnliche Besetzung, zum anderen ist es aber auch so, dass sich bei uns Menschen mit eigentlich unterschiedlichen Musikvorlieben und verschiedenstem Alter vor der Bühne einfinden. Das finde ich ziemlich gut, weil es einfach Schubladen sprengt und Szene-übergreifend funktioniert.

 

 

Schweinfurt City: Erzähle uns doch noch ein wenig über den Prozess, bis es zu Deinem Song „Rucksack voller Steine“ gekommen ist.

Barni: Bei mir entstehen Songs eigentlich meist auf ähnliche Weise. Mir kommt im Laufe des Tages eine Textidee aus einer Stimmung in den Sinn und sobald ich dazu die Gitarre in die Hand nehme, läuft es ziemlich schnell von ganz alleine. Songwriting funktioniert bei mir dann auch aber nur, wenn ich mich auch tatsächlich gerade in der Emotion des Titels wiederfinde und ausschließlich jeder Song entsteht aus erlebten Situationen. Das macht es die Texte ziemlich ehrlich aber entblößt natürlich auch zeitgleich immer etwas.

Schweinfurt City: Wurde der Song extra passend zur Corona-Phase produziert oder gab es da eigentlich einen anderen Grund?

Barni:  Nein. Ich hatte nie vor einen Song über die Corona-Pandemie zu schreiben. Wir hatten eigentlich einen Termin für April im Tonstudio, um dort drei ganz andere Songs aufzunehmen und zu veröffentlichen. Durch die Ausgangsbeschränkungen konnten wir das leider nicht wahrnehmen. Bis dahin gab es „Rucksack voller Steine“ noch überhaupt nicht. Den Song hatte ich vor wenigen Wochen spontan meiner Tochter geschrieben, die gerade in einer recht unglücklichen Situation war. Zuerst hatte ich auch nicht geplant „Rucksack voller Steine“ überhaupt ins Programm von Sondermarke zu nehmen. Ich habe den Song aber dann irgendwann mal ein paar anderen aus der Band vorgespielt und mich dann recht schnell überzeugen lassen. Dass der Titel jetzt gut zur jetzigen Lage passt, ist eher Zufall.

Die Band Sondermarke aus dem Würzburger und Schweinfurter Raum. Foto: Barni Wegner-Schmidt

Die Band Sondermarke aus dem Würzburger und Schweinfurter Raum. Foto: Barni Wegner-Schmidt

Schweinfurt City: Was soll mit dem Song ausgedrückt werden?

Barni: Im Prinzip wollte ich meiner Tochter nur sagen, dass für alle mal der Moment kommt, an dem man das Gefühl hat, am Abgrund zu stehen und sich das Leben gelegentlich mal wie eine überfahrene Katze anfühlt. Aber niemand ist wirklich alleine damit und irgendwann bekommt man auch wieder sein Glück zurück.

Schweinfurt City: Was waren Eure Hürden gerade jetzt in der aktuellen Phase? Schließlich ist es ja nicht ganz leicht, einen Song mit acht Musikern zu produzieren. 

Barni: Ich habe den Song bei mir zu Hause im Homerecording-Studio zum Großteil zuerst mit Midispuren produziert und ihn dann an alle anderen via Mail verschickt. Wir haben den Song unglaublicherweise bisher noch nie als komplette Band gespielt. Normalerweise bringt da jeder noch seine Ideen ein und man gleicht sich bei Bandproben ab und diskutiert. Diesmal gab es dafür keine Möglichkeit und wir mussten uns alle an das vorgegebene Konzept halten. Es ist aber glücklicherweise meist so, dass alle ganz zufrieden damit sind, wie ich mir den Song zu Acht vorgestellt habe. Dass sich dann jeder durch eigene Variationen der Ideen und persönliche Spielweise einbringt, macht das Ganze dann erst lebendig und echt.

Schweinfurt City: Was möchtest Du unseren Lesern abschließend noch mitgeben?

Barni: Ich fände es großartig, wenn handgemachte Musik wieder einen anderen Stellenwert bekommt. Sei es auf Konzerten oder im Radio. Das funktioniert super auf Festivals, um kleine Clubs und unbekannte Bands ist es da aber häufig sehr schlecht bestellt. Heutzutage ist durch Streaming auch jeder in der Lage sich nahezu jeden Künstler vom Sofa aus mit einem Knopfdruck anzuhören oder Live-Konzerte online anzusehen. Da geht für mich ganz viel dabei verloren, nicht zuletzt die lokale Musikszene. Wenn wir diese Pandemie hinter uns haben, sollte man einfach wieder öfters die Fernbedienung zur Seite legen und Konzerte besuchen. Es gibt hier so viel grandiose Bands, die es zu entdecken gilt. Geht in die Clubs und schaut sie Euch an!

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