Sparkasse Schweinfurt-Haßberge. Foto: Dominik Ziegler.
Sparkasse Schweinfurt-Haßberge. Foto: Dominik Ziegler.

Schließungen: Sparkasse Schweinfurt-Haßberge macht 14 Filialen dicht

Die verstärkte Nachfrage am digitalen Service und Zahlungsverkehr und eine stetig niedriger werdende Kundenfrequenz an den Schaltern der Filialen – was durch die Corona-Pandemie noch weiter begünstigt wurde – und die derzeitige Niedrigzinspolitik der EZB seien Gründe für die Schließung vieler Sparkassenfilialen – jetzt auch in Stadt und Landkreis Schweinfurt. Wie auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde, sollen insgesamt 14 Filialen der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge geschlossen werden, so die Main-Post.

Schließungen für 2021 geplant

Betroffen seien die Filialen im Wohnstift Augustinum in Schweinfurt, in Eßleben, Greßtahl, Hesselbach, Oberwerrn, Sulzheim und Wipfeld. Alle diese Filialen sind bereits aufgrund der Pandemie seit einiger Zeit geschlossen und werden es auch bleiben. Auch die SB-Terminals werden zum Ende September an diesen Standorten abgebaut, so die Main-Post. Des Weiteren seien die Filialen am Deutschof, in der Segnitzstraße und in der Gartenstadt (alle in Schweinfurt) sowie in Geldersheim, Oberschwarzach, Obertheres und Röthlein betroffen, heißt es weiter. Die Schließungen seien für 2021 geplant. Laut Berichten der Main-Post solle es aber keine betriebsbedingten Kündigungen für die Mitarbeiter geben.

Die Sparkasse verspreche trotz Schließungen aber, dass Kunden ihre Berater weiterhin erreichen könnten, Überweisungen vor Ort getätigt werden könnten und auch Bargeld abgeholt werden könne, beispielsweise mit der Bankkarte im Lebensmittelgeschäft, so die Main-Post.

Linke kritisiert Schließung von Filialen

Der Linke Kreisverband Schweinfurt kritisiert die Schließung von 14 Filialen der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge harsch.

„Nun missbraucht ausgerechnet die Sparkasse die Corona-Krise zum Abbau von Serviceleistungen für ihre Kunden. Das gefällt uns gar nicht, weil darunter insbesondere Menschen leiden, die wenig mobil sind“, so Sinan Öztürk, Kreisvorsitzender der Linken. Sollte es tatsächlich die strategische Ausrichtung der Sparkasse sein ihr Filialnetz auszudünnen gehe damit ein Alleinstellungsmerkmal verloren, heißt es weiter. Das steigere die Attraktivität der Sparkasse nicht und treffe für die gleichzeitig stattfindende massive Preiserhöhung der Kontoführungsgebühren auf 8 Euro/Monat ebenso zu, die Menschen mit geringen Einkommen besonders treffen, so die Linken.

„Schlechterer Service, höhere Preise“

„Der Service wird verschlechtert und gleichzeitig werden die Preise erhöht. Dabei hat die Sparkasse im Jahr 2019 mit allen Filialen immerhin einen Gewinn von 7 Mio. Euro ausgewiesen“, sagt Angelika Strobel, Bezirksrätin und stellvertretende Kreisvorsitzende. Sie habe kein Verständnis für die Schließung von Filialen außerhalb des Stadtbus- und Bahnnetzes. In den Gemeinden Wipfeld, Sulzheim, Greßthal, Geldersheim, Oberschwarzach, Röthlein, Obertheres und Hesselbach werde es für ältere Menschen, die wenig mit dem digitalen Zahlungsverkehr anfangen können, schwierig, ihre Bankgeschäfte erledigen zu können.

Die Zusicherung weiterhin vor Ort beim Lebensmittelhändler Bankgeschäfte erledigen zu können, setze voraus, dass es überhaupt einen Lebensmittelhändler gibt. Außerdem sei zu erwarten, dass die Nutzung dieser Möglichkeit mit weiteren Gebühren garniert sei, so die Linke in ihrer Pressemitteilung.

Gartenstadt und Deutschhof

Wenig überzeugend sei es auch, die Schweinfurter Stadtteile Gartenstadt und Deutschhof von der Versorgung mit einer Sparkassenfiliale zu nehmen. Ebenso das Augustinum. „Wie es scheint, setzt OB Remelé darauf, dass die bisherigen Nutzer der betroffenen Filialen mangels anderer Angebote die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge nicht verlassen. Wertschätzend ist das nicht“, sagt Frank Firsching, Linke-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat.

Gemeinde Geldersheim von Schließung enttäuscht

Auch die Gemeinde Geldersheim ist von der angekündigten Schließung der örtlichen Sparkassenfiliale sehr enttäuscht, das wird in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus berichtet. „Dass in einer Gemeinde mit knapp 3.000 Einwohnern die Sparkasse nicht mehr vertreten sein soll, ist für uns ein herber Schlag“, so Erster Bürgermeister Thomas Hemmerich. Die Sparkassen hätten als öffentlich-rechtliche Unternehmen in kommunaler Trägerschaft einen Auftrag, sich der Gemeinnützigkeit zu verpflichten, sagt der Bürgermeister: „Die Sparkasse sollte sich nicht nur auf die Städte und großen Gemeinden konzentrieren. Sonst ist sie nichts anderes als eine normale Privatbank.“

Die Sparkasse in Geldersheim. Foto: Martin Schlör, Geldersheim

Die Sparkasse in Geldersheim. Foto: Martin Schlör, Geldersheim

Schwerer Einschnitt in Grundversorgung

Der Rückzug der Sparkasse aus der Fläche sei ein schwerer Einschnitt in die Grundversorgung von Geldersheim, sowohl für Bürger, als auch für Unternehmen und Vereine, heißt es. „Seit Jahren setzen sich die Verantwortlichen in den Gemeinden und im Landkreis für eine Stärkung der ländlichen Räume und eine Belebung der Ortskerne ein. Durch die Entscheidung der Sparkasse werden diese Bemühungen unterlaufen“, so Hemmerich. Die Sparkasse in Geldersheim sei gerade für die älteren Menschen eine wichtige Einrichtung. „Deshalb haben wir erwartet, dass die Filiale zumindest tageweise – mit eingeschränkten Öffnungszeiten – eine Grundversorgung vor Ort aufrechterhält.“

SB-Terminal muss bleiben

„Die Sparkasse muss ihrer Verantwortung für die Region und die Menschen auch weiterhin gerecht werden“, fordert Hemmerich. Deswegen erwartet die Gemeinde, dass die Entscheidung noch einmal überdacht wird. Zumindest müssen in Geldersheim ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker der Sparkasse erhalten bleiben. „Wir sind gerne bereit, die Sparkasse bei der Suche nach einer guten Lösung zu unterstützen“, so Hemmerich abschließend.

- ANZEIGE -