Franziska Thomas in ihrem Hofladen. Foto: Franziska Thomas.
Franziska Thomas in ihrem Hofladen. Foto: Franziska Thomas.

„Projekt Direkt“: Regional einkaufen in Franzis Hofladen

Ob Eier, Nudeln oder eigenes Müsli („Nüsli“) – Franziska Thomas stellt in ihrem Hofladen „Projekt Direkt“ in Nüdlingen (Lkr. Bad Kissingen) so einige Produkte selbst her. Daneben bietet sie eine Auswahl anderer Produkte wie Brot, Joghurt, Getreide etc. von regionalen Bauern auf ihrem Hof an. Die Lebensmitteltechnologin möchte mehr auf den Wert von Lebensmitteln aufmerksam machen und das nicht nur, wenn es um tierische Produkte geht. Regionalität ist der Grundsatz von „Projekt Direkt“ und unter diesem entwickelt Franzi stetig weitere Produkte, wie regionales Eis oder einen regional begrenzten Online-Shop. Was in Zukunft mit dem Hofladen geplant ist, woher genau ihre Produkte kommen und wie Franziska zu dem Hofladen kam, erzählt sie im Interview.

Von 100 Hühnern zum Hofladen

Schweinfurt City (SwC): Hallo Franziska, stell dich doch einmal kurz vor.

Hi, ich bin Franzi, 27 Jahre alt und komme aus Nüdlingen bei Bad Kissingen. Ich habe Lebensmitteltechnologie studiert, bin auf einem landwirtschaftlichen Hof aufgewachsen und versuche jetzt beides – neben meinem „normalen“ Job in einem Labor –  miteinander zu verbinden.

SwC: Gab es schon immer den Traum von einem eigenen Laden?

Das hat sich echt sehr langsam entwickelt, ich fand es schon immer ziemlich cool, aber so richtig dahinter war ich nie. Bis ich mir irgendwann gedacht hab, dass ich so gute Voraussetzungen habe, und es fast eine Schande wäre, wenn ich die nicht nutzen würde. Dann hab ich noch meinen jetzigen Freund kennengelernt, der zufällig Landwirt ist, und dann war es klar, dass ich es machen muss.

SwC: Wie kamst du damals auf die Idee, einfach 100 Hühner zu kaufen?

Ich wollte irgendwas machen, was kein „9-to-5-Job“ ist und womit ich vielleicht ein bisschen was bewegen kann. Dann habe ich überlegt, was ein einfacher Weg in die Direktvermarktung ist und wie ich schonmal ein paar Leute auf den Hof locken kann, um dann später einen Hofladen zu eröffnen – und bin so auf die Hühner gekommen. Die Eier haben seit zwei Jahren noch nie gereicht und ich hatte nie welche übrig. Ich hab mich vorher gefragt, was ich mit 100 Eiern täglich anfangen soll, wenn die niemand kauft, aber das Problem hatte ich (zum Glück) wirklich nie.

Franziska und ihr Freund mit den Hühnern im Hof. Foto: Franziska Thomas.

Franziska und ihr Freund mit den Hühnern im Hof. Foto: Franziska Thomas.

Sortiment und Herkunft

SwC: Welche Produkte bietest du aktuell an?

Bis jetzt hab ich Nudeln, Öl und Müsli (das sind meine eigenen Produkte), Brot, Joghurt und Käse, Schokolade, Getreide und Mehl, seit neuestem auch Quinoa und Amaranth aus Deutschland, Wurst, Gewürze, Eier, Fruchtaufstriche, Honig und Fleisch von den Bio-Hochlandrindern, die mein Papa hält.

SwC: Woher stammen deine Produkte?

95 % stammen aus den Landkreisen Bad Kissingen, Schweinfurt und Rhön-Grabfeld. Die Schokolade stammt aus Peru. Aber aus einem richtig guten Projekt (Peru Puro), welches ein Nüdlinger ins Leben gerufen hat. Da sehe ich meine regionalen Grundsätze nicht so eng. Ich werde das wahrscheinlich auch in Zukunft noch ein bisschen ausweiten, um mehr gute kleine Projekte zu unterstützen, die vielleicht in Bayern oder Deutschland verstreut sind.

Zukunftspläne

SwC: Glaubst du, dass dein Beruf als Lebensmitteltechnologin Vorteile für den Hofladen und die Produkte mit sich bringt?

Klar! Auf jeden Fall! Vor allem, was die Organisation außen rum und alles Rechtliche angeht. Außerdem macht es mir einfach Spaß, zu experimentieren und zu überlegen, was ich noch machen könnte.

SwC: Was für neue Produkte sind nach dem „Nüsli“ (Nüdlinger Müsli) noch geplant?

Zurzeit versuche ich mich mit Eis zu beschäftigen. Ein Eis aus möglichst regionalen Produkten und vielleicht mit einem Pfandsystem fänd ich richtig cool. Außerdem habe ich überlegt, Quinoabratlinge als Alternative zu unseren Rinderburgerpatties zu verkaufen. Gerade bei veganen Produkten sträuben sich die Bauern oft, dabei können sie auch mal von den Supermärkten und Discountern lernen, um da den Bezug zur Regionalität und Landwirtschaft zu schaffen.

SwC: Was möchtest du mit „Projekt Direkt“ in der Zukunft noch erreichen? Abgesehen von dem Wunsch, den Laden hauptberuflich zu führen.

Oh weh, da gibt es Einiges. Ich will auf jeden Fall versuchen, mehr Leute zu erreichen und mit dem Zusammenhang zwischen Regionalität und Nachhaltigkeit bzw. den Vorteilen eines direkten Drahts zwischen Hersteller und Konsument zu überzeugen. Lebensmittel haben einen Wert, gerade wenn es um tierische Produkte geht, aber auch in allen anderen Bereichen. Um das rüberzubringen, braucht man direkten Kontakt. Dafür müsste ich mich auch mal mehr um meine Social-Media-Seiten kümmern, dazu fehlt mir oft die Zeit. Als Nächstes gibt’s einen Online-Shop, der aber irgendwie regional begrenzt sein wird. Ich will nicht nach Berlin liefern, das passt nicht.

Außerdem kann ich mir vorstellen, in Zukunft vielleicht mehr mit Restaurants und ähnlichem zusammenzuarbeiten, die Wert auf Regionalität legen. Natürlich träume ich auch von einem „richtigen Laden“, nicht nur einer Notlösung in Form einer umgebauten Werkstatt. Der muss dann mit noch mehr guten Produkten gefüllt werden. Wer da jemanden kennt, der was Cooles anbietet oder wer selbst Ideen hat, kann mir gerne auf Instagram oder Facebook schreiben! Wer wissen will, wie es weitergeht, der kriegt es da dann natürlich auch mit.

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