Polizeiseelsorger Matthias Zöller in seinem Büro. Foto: Anna-Lena Ils (POW)
Polizeiseelsorger Matthias Zöller in seinem Büro. Foto: Anna-Lena Ils (POW)

Als Person nahbar sein: Social Media für die Polizeiseelsorge

Matthias Zöller ist von Beruf Pastoralreferent und hat ein besonderes Aufgabenfeld: Er ist Polizeiseelsorger für Unterfranken. Damit betreut er einen relativ großen Bezirk und viele Menschen. Bekannt ist er vor allem vielen jungen Polizistinnen und Polizisten, da er während der Ausbildung den berufsethischen Unterricht für 700 Polizeischüler abhält. Aufgrund der Corona-Pandemie fielen jedoch die klassische Vorstellung seiner Person und der Aufgaben von Polizeiseelsorge sowie der persönliche Kontakt im Unterricht weg. Dabei ist das eine wichtige Gelegenheit, um den Polizeiseelsorger kennenzulernen, um später bei Problemen ohne Hemmungen zu ihm kommen zu können – Matthias Zöller ging daher passend zu seinem Berufsbild neue Wege.

 

Corona: Weniger Direktkontakt mit Azubis

Im März konnte der neue Ausbildungsjahrgang nicht wie gewohnt in der Bereitschaftspolizei in Würzburg starten: Die Auszubildenden verbrachten die Zeit in der Praktikumsstelle oder waren zu Hause. Seit Beginn der Coronakrise ist Zöller deshalb auf den Kanälen Instagram und Facebook vertreten. Dabei geht es vor allem um die Themen Unterricht, Einsatzbegleitung und Seelsorge, die auch den Großteil seiner Aufgaben darstellen. Die Sozialen Netzwerke nutzt er außerdem, um seine Angebote niederschwelliger zu machen. „Es ist schon für manche ein schwieriger Schritt, an meine Tür zu klopfen, wenn es ihnen schlecht geht. Auf den Accounts zeige ich mich, und das macht mich somit nahbarer.“

Kein Seelsorgekanal: Einblicke in tägliche Arbeit

Als Seelsorgekanal möchte er seine Accounts deshalb trotzdem nicht verstanden wissen. Seelsorge findet für ihn später im persönlichen Gespräch statt. Auf dem Account stellt er sich und seine Arbeit als Polizeiseelsorger vor. Wichtig ist ihm, dass er sein Profil bei Instagram als privaten Account kennzeichnet. In seiner Beschreibung steht: „Pastoralreferent, im Einsatz als Polizeiseelsorger für das PP Ufr. und die III BPA. Privater Account – im Notfall immer die 110.“ Ein wichtiger Hinweis, damit niemand den Account mit einer offiziellen Notrufmöglichkeit verwechselt.

Kontakt über Zeitraum der Ausbildung hinaus

Bei dem Einsatz von Social Media geht es Zöller darum, das Angebot vorzustellen und mit den Polizisten auch nach der Ausbildung in Kontakt zu bleiben. Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung in Würzburg sind die Polizisten meist bayernweit verteilt, wissen dann aber trotzdem noch, wen sie in Seelsorgefragen ansprechen können. „Fünf oder sechs Jahre später kennen einen die Polizisten immer noch.“ Die Kontaktaufnahme erfolgt meistens auf dem direkten Weg, per E-Mail oder per Telefon. Der Vorteil von Instagram ist laut Zöller, dass viele junge Menschen das Angebot nutzen. Über 60 Prozent der Abonnenten sind zwischen 18 und 34 Jahren alt. „Die jungen Polizisten erreiche ich nicht mit Flyern, aber Facebook oder Instagram nutzen sie sowieso alle.“

Feste Formate für Instagram

Auf Facebook postet Zöller eher inhaltliche Themen und verlinkt verschiedene Artikel rund um die Polizeiarbeit, die aktuell stark diskutiert wird. Für Instagram hat er sich feste Formate überlegt. Es gibt thematische Beiträge, bei denen er beispielsweise über Einheiten im Unterricht spricht, wie das Überbringen einer Todesnachricht. Außerdem ist jeder dritte Post ein Impuls. Mal ist es ein Buch- oder Filmtipp, mal ein „Funkspruch für die Seele“, bei dem er verschiedene Zitate postet. Er hat die Rubrik extra im Polizeijargon benannt, schließlich ist seine Zielgruppe die „Blaulichtfamilie“. In seinen Storys postet Zöller Veranstaltungen, Wissenswertes oder Ereignisse aus dem kirchlichen Jahreskreis.

 

 

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Klingt nicht gerade motivierend, der neue #funkspruchfürdieseele Aber wahrscheinlich steckt ein ganzes Stück Lebensweisheit dahinter. Zunächst einmal muss man sich die Frage stellen, was ist mit „Glück“ gemeint? Das schnelle oder zufällige Glück z.B. durch einen Lottogewinn oder wenn man sich was gegönnt hat (etwa Alkohol oder ein Konsumprodukt)? Beides ist in der Regel nicht von langer Dauer und verlangt schnell nach Wiederholung. Oder wie schon Heinrich Heine über diese Art von vermeintlichem Glück schrieb: „Es küsst dich rasch und flattert fort“. Mit dem wahren Lebensglück ist etwas anderes gemeint. Glücksforscher beschreiben das wahre Glück eines Menschen aus dem Zusammenspiel von subjektivem Wohlbefinden (emotionale Komponente), der Fähigkeit, Zufriedenheit zu empfinden (kognitive Komponente) und objektiven Kriterien/Ressourcen, die vorhanden sein müssen, um ein gutes Leben führen zu können. Demnach ist ein Mensch dann wirklich glücklich, wenn er: 1. unabhängig handeln kann, 2. einen Sinn in seinem Leben sieht, 3. persönliche Weiterentwicklung erfährt, 4. positive Beziehungen zu seinem Mitmenschen führt, 5. seine Umwelt beeinflussen kann, 6. sich selbst akzeptiert. Und das klingt nicht nach Fahrstuhl. Das klingt nach Weg und Treppe, den man gehen muss, darf und kann. Das klingt nach Entwicklung und Veränderung, nach Lernen und Wachsen, Ausprobieren und Neuanfangen. Das klingt aber auch nicht nach Endpunkt und Ziel, sondern Glück entsteht unterwegs, auf dem Weg, nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“. Jede (Treppen)Stufe hat dann ihr eigenes Glückspotential und auf jeder Stufe kann das Glück anders ausschauen. Übrigens, die Chancen im Polizeiberuf glücklich zu werden, sind diesen Kriterien nach gar nicht so gering 😉 – – – #polizeiseelsorge #polizeiseelsorgebayern #polizei #bayern #glück #happiness #zitate #zitatefürsleben #sinn #sinnimleben #persönlichkeitsentwicklung #ziele #polizeimensch #polizeibayernkarriere

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Allerdings macht die Öffentlichkeitsarbeit nur einen sehr geringen Teil von Zöllers Arbeit aus und hilft dabei, einen ersten Eindruck zu bekommen. Obwohl der Polizeiseelsorger der Bereitschaftspolizei zugeordnet ist und dort sein Büro hat, ist er in ganz Unterfranken unterwegs. Er bezeichnet seine Arbeit als „Geh-hin-Pastoral“. Er besucht Polizeiinspektionen, begleitet Schichten oder den Kriminaldauerdienst. „Die Beziehungen funktionieren dann ganz analog.“

Strukturelle Organisation der Polizeiseelsorge

Die Polizeiseelsorge ist auf Landesebene organisiert und der Bereitschaftspolizei zugeordnet. Außerdem ist sie ökumenisch aufgebaut. In Würzburg ist neben Matthias Zöller noch die evangelische Pfarrerin Antje Biller mit der Ausbildung der Polizisten betraut. Insgesamt 17 Polizeiseelsorger gibt es in Bayern. Sie werden von den beiden Kirchen geschickt. Vier Personen werden von der Polizei beauftragt und in München und Nürnberg eingesetzt. Seit 2017, als Zöller seine Stelle bei der Polizeiseelsorge angetreten hat, findet ein Generationswechsel bei der Polizeiseelsorge statt. Im Zuge dessen möchte sie ihre Öffentlichkeitsarbeit ausbauen. Nicht nur um ihre Arbeit nach außen darzustellen, sondern vielmehr, um sich mit den Polizisten zu vernetzen.

Verschiedene multimediale Angebote

Dafür wurden unter anderem ein Corporate Design mit dem entsprechenden Logo beschlossen, ein Newsletter eingeführt und eine eigene Website aufgebaut. Zuvor hatte es nur eine Website auf Bundesebene gegeben. Diese Maßnahmen werden aus Landesmitteln finanziert. Einen Einblick in die Arbeit von Matthias Zöller gibt es auf seinem Instagram-Account unter „matthias_zoeller“ oder bei Facebook unter „Matthias Zöller Polizeiseelsorger“. Weitere Informationen zur Polizeiseelsorge in Bayern gibt es auf deren neuer Website.

Artikel beruht auf eine Pressemitteilung der POW Bistum Würzburg.

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