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Belästigung. Symbolfoto: Pascal Höfig
Belästigung. Symbolfoto: Pascal Höfig

Nothilfe bei häuslicher Gewalt: Code „Maske 19“

Die Union deutscher Zonta Clubs hat nach dem Vorbild Frankreichs und Spaniens mit „Code Maske 19“ auch in Deutschland eine zusätzliche Notrufhilfe gestartet, die im akuten Notfall bei häuslicher Gewalt für die Betroffenen leicht erreichbar ist. Der Zonta Club Bad Kissingen-Schweinfurt beteiligt sich an der bundesweiten Aktion der niederschwelligen Notrufhilfe bei häuslicher Gewalt.

Hilfe für Betroffene im akuten Notfall

Familiäre Konflikte, Ehe- und Partnerschaftskrisen können sich unter den Bedingungen der notwendigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sowie der sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns rasch verschärfen. Kann ein Partner seinen Ärger und seine innere Anspannung nicht mehr steuern, wächst das Risiko für häusliche Gewalt. Zonta Clubs unterstützen bundesweit vor Ort zahlreiche Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen, in denen die Besorgnis wächst. Denn von häuslicher Gewalt Betroffene, am häufigsten Frauen und Kinder, finden in der aktuellen Situation kaum Gelegenheit, sich im akuten Notfall die nötige Hilfe zu holen.

Unterstützung durch breites lokales Netzwerk

Der Zonta Club Bad Kissingen-Schweinfurt unterstützt die unter www.zontasaysno.de erreichbare „Code Maske 19“-Aktion vor Ort in der Stadt Schweinfurt und in den Landkreisen Schweinfurt, Bad Kissingen und Haßberge. Die Aktion fußt auf einem breiten Netzwerk und wird unterstützt von der Gleichstellungsbeauftragten im Landratsamt Schweinfurt, Ute Suckfüll, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schweinfurt, Heide Wunder, und dem Schweinfurter Frauenhaus. Durch den ärztlichen Kreisverband wurden alle Arztpraxen in Stadt und Landkreis Schweinfurt und Landkreis Haßberge informiert. Die Geomed Klinik in Gerolzhofen unterstützt die Aktion ebenfalls als Anlaufstelle, gemeinsam mit mehreren Apotheken und Arztpraxen in der Region Schweinfurt, Bad Kissingen und Haßberge. Im Vorfeld dazu beraten hat sich der Zonta Club mit der Polizei, die die Aktion ebenfalls begrüßt. Die weiteren Kliniken, Apotheken und Arztpraxen in der Region sind angefragt.

Gegen Gewalt an Frauen: Aktion der Stadt Schweinfurt zusammen mit dem Zonta Club im vergangenen Jahr

Kein Geheimcode

„Maske 19“ ist ein niederschwelliges Angebot, mit dem von häuslicher Gewalt Betroffene jederzeit dezent um Notrufhilfe bitten können. In allen Apotheken, Arztpraxen oder Kliniken in der Region, die sich durch den Aushang des Posters zu erkennen geben und Informationen zu „Maske 19“ anbieten, können Frauen sich im Notfall Hilfe holen. Das Codewort „Maske 19“ genügt. Die Polizei wird für sie verständigt und kann für ihren Schutz sorgen. Gegen den Täter wird in der Regel ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Betroffene hat den rettenden Schritt aus einer akut lebensbedrohlichen und lebenslang folgenschweren Situation gemacht.

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Hilfe aus Apotheken, Arztpraxen und Kliniken

In durch Poster entsprechend gekennzeichneten Apotheken, Arztpraxen oder Kliniken soll das zusätzliche Angebot Frauen erleichtern, in einer akuten Gewaltsituation die Polizei rufen zu können, ohne dies im häuslichen Umfeld oder vom eigenen Telefon tun zu müssen. Bundesweit und in der Region beteiligen sich sichtbar durch das Poster immer mehr Apotheken und Arztpraxen an „Code Maske 19“, um von häuslicher Gewalt Betroffenen die zusätzliche Notrufhilfe anzubieten. Bietet eine Apotheke, eine Arztpraxis oder Klinik gut sichtbar Informationen zu „Maske 19“ an, weiß die Betroffene: Hier muss sie im Notfall nicht warten und sie muss sich auch nicht lange erklären. Das Codewort „Maske 19“ genügt. Sie erhält umgehend Notrufhilfe.
Es geht dabei ausdrücklich nicht um den allgemeinen „Hilfebedarf“ von Betroffenen, noch um irgendeine Form der Beratungsleistung oder um Gespräche über Gewaltschutz.

Corona: Zunahme häuslicher Gewalt befürchtet

„Die Zahl der Frauen, die häusliche Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen erfahren, steigt stetig an. Statistisch gesehen wird in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau durch ihren Ehemann, Partner oder Ex-Partner getötet, ein unhaltbarer Zustand“, sagt Birgit Mähler, Familientherapeutin und Delegierte für die Union deutscher Zonta Clubs im Deutschen Frauenrat. Bereits im vergangenen Jahr verzeichnete die Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) 118 durch ihren Lebenspartner oder ehemaligen Lebenspartner getötete Frauen und insgesamt einen Anstieg der angezeigten Delikte häuslicher Gewalt um 1,3 Prozent. Aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie rechnen zahlreiche Beratungs- und Interventionsinstitutionen sowie Frauenverbände und Frauenorganisationen mit einer weiteren Zunahme häuslicher Gewalt.

„Lücke schließen“: Vereinfachter Zugang zu Nothilfe

„Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass der Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt weiterhin ein wichtiges Thema ist“, erklärt Doris Engelhardt, Präsidentin des ZC Bad Kissingen-Schweinfurt. „Apotheker und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Die Notrufhilfe in Apotheke, Klinik und Praxis könnte dauerhaft eine zusätzliche Schutzfunktion bieten. Das Codewort erleichtert Betroffenen, auch niedrigschwellig und unabhängig von Einschränkungen in Corona-Zeiten sich in einem Vertrauensumfeld akut Hilfe zu holen, ohne selbst die Polizei anrufen oder sich lange erklären zu müssen. Denn in manchen Situationen ist der Weg in die Beratungsstelle nicht möglich. Hier wollen wir mit dem Angebot eine Lücke schließen.“

Internationale Kampagne „Zonta says NO“

Die Aktion „Code Maske 19“ findet unter dem Dach der weltweiten Zonta International-Kampagne „Zonta Says NO“ gegen Gewalt an Frauen statt. Der Union deutscher Zonta Clubs gehören neben dem ZC Bad Kissingen-Schweinfurt 135 weitere Clubs an, mit denen die überparteiliche Nichtregierungsorganisation berufstätiger Frauen Zonta International allein in Deutschland in mehr als 100 Städten und Kommunen vertreten ist. Die Union deutscher Zonta Clubs begrüßt ebenfalls die Aktion „Zuhause nicht sicher?“ der bundesweiten Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Über den Zonta Club Bad Kissingen-Schweinfurt:

1958 wurde der Zonta Club Bad Kissingen-Schweinfurt als sechster deutscher Club gegründet. Derzeit zählt der Club 34 Mitglieder. Unsere Zontian kommen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und treffen sich einmal monatlich zu frauenrelevanten Vorträgen, Besprechung und Umsetzung von Projekten. Aktuell unterstützt der Club vor Ort in der Region das Frauenhaus und die Anlaufstelle sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen, Soul Femme – Psychosoziale Beratung von geflüchteten Frauen für geflüchtete Frauen im Ankerzentrum Schweinfurt, SOLWODI und die Krebsberatungsstelle im Leopoldina Krankenhaus. Seinen Sitz hat der Club in der Sutelliusstraße 23 in Schweinfurt. Weiterführende Informationen gibt es auf der Homepage des ZC Bad Kissingen-Schweinfurt oder per Mail an praesidentin@zonta-kg-sw.de. Interessierte Aktionspartner finden alle wichtigen Informationsunterlagen und Materialien auf dieser Webseite.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Zonta Clubs Bad Kissingen-Schweinfurt.

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